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Wismarer Verein „Kaso“ kämpft ums Überleben

Wismar Wismarer Verein „Kaso“ kämpft ums Überleben

Dank des Kunstvereins Kaso haben Menschen zurück in den ersten Arbeitsmarkt gefunden. Nun bangt der Verein um seine Existenz.

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Christa Clausen und Karin Auerbach (v.l.) wollen den Verein Kaso retten.

Quelle: Nicole Buchmann

Wismar. Ein anonymer Brief im Postkasten unserer Redaktion: „Das Kaso muss Ende 2018 schließen“, steht da - unter anderem. Ein Anruf in der ABC-Straße: „Kommen Sie mal vorbei“, heißt es. In der Küche sitzt Karin Auerbach. „Sie hier?!“ Die Verwunderung ist echt. Karin Auerbach hatte die Leitung des Kaso im Frühjahr vergangenen Jahres an ihre Stellvertreterin abgeben und war nach Sachsen-Anhalt gezogen (OZ berichtete).

Hilferuf nach Sachsen-Anhalt

„Wir haben Karin um Hilfe gebeten“, erklärt Christa Clausen. Denn dass sich in Berlin noch immer keine Regierung gefunden hat, entzieht dem Verein, der sich seit mehr als 15 Jahren um Langzeitarbeitslose kümmert, die finanzielle Grundlage. Das Jobcenter Nordwestmecklenburg als einer der Zuwendungsgeber sitzt auf einem extrem gekürzten Haushalt für dieses Jahr und kann nicht mehr zahlen. Für das Geld aus dem europäischen Sozialfonds (ESF) fehlen die dreißig Prozent Eigenanteil. „Für dieses Jahr hatten wir die auch nicht. Aber weil wir eine so gute Vermittlungsquote in den ersten Arbeitsmarkt haben, ist eine Ausnahme gemacht worden“, erklärt Karin Auerbach.

Sie zieht einen Stapel Papier heran. „In zehn Jahren hatten wir 107 976 Besucher und 5546 Teilnehmer in unseren Kursen.“ Aus Arbeitsgelegenheiten für Ein-Euro-Jobber und dem Integrationsprojekt gingen demnach von 940 Teilnehmern 229 in den ersten Arbeitsmarkt, weitere 81 in geringfügige Beschäftigungen, 76 in Ausbildung, 24 in Rente. „Alles Menschen, denen keine Chance mehr eingeräumt wurde. Die sich selbst keine Chance mehr gegeben haben“, sagt Auerbach. Geschickt vom Jobcenter. Psychische Probleme, süchtig, vereinsamt – im Verwaltungsdeutsch Menschen mit erhöhtem Betreuungsaufwand.

Kaso-Familie engagiert sich für die Gesellschaft

Menschen, die Anschluss suchen, eine Struktur, Vertrauen. In den offenen Werkstätten im Kaso beispielsweise. Beim Singen, beim Sport, in den Mal-, Töpfer- oder Schmuckkursen. Menschen, die einen Sinn darin sehen, die Allgemeinheit zu unterstützen - indem sie täglich den Spielplatz im Lindengarten von Unrat säubern, die Schweinsbrücke und die Stolpersteine in der Straße pflegen, beim „Mittagstisch für Leib und Seele“ kochen, das Essen verteilen, das Geschirr spülen.

Der Pöttermarkt, der im Sommer jährlich für Tausende Besucher rund um den Nikolaikirchhof und in der Altstadt sorgt, die Stuhlparade, für die die Kaso-Frauen und -Männer in den Werkstätten zimmern, polstern und lackieren, der KasoKonsum, in dem Menschen gespendete Kleidung günstig kaufen können, die Stunden des Zuhörens montags bis freitags, Woche für Woche - es dauert eine Zeit, bis Karin Auerbach die Liste abschließt.

Ohne Förderung ist im Oktober Schluss

Seit sie Anfang Dezember um Hilfe gebeten wurde, hat sie etliche Gespräche geführt. Mit dem Wirtschaftsministerium wegen der Fördermittel aus dem ESF zum Beispiel. Längst hat sie sich wieder eine kleine Wohnung gemietet in Wismar - jeden Tag zwischen der Hansestadt und Sachsen-Anhalt zu pendeln, ist zu viel.

„Ich werde also kämpfen“, sagt Auerbach. All die Jahre hätten die Kaso-Leute sie dabei unterstützt, habe die Wertschätzung auch von Seiten der Stadt sie getragen.Heute nun hat Auerbach einen Termin beim Jobcenter. „Ich bin ein Freund von klaren Ansagen - aber in diesem Fall reicht mir ein ’Vielleicht’.“

Grundsätzlich aber, sagt sie, müssten solche Projekte auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden. Jährlich befristete Arbeitsverträge für die Leitung des Kaso seien unter anderem der Grund, warum dort keiner anfangen will. „Und bis die Regierung steht und die Regelungen aus dem Koalitionsvertrag für Langzeitarbeitslose greifen, sind Vereine wie wir kaputt.“ Dem Kaso in Wismar bleibt noch Zeit bis September.

Buchmann Nicole

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