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Wismar Wismarer entdeckt slawischen Schmuck
Mecklenburg Wismar Wismarer entdeckt slawischen Schmuck
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00:01 11.12.2017
Im 12. Jahrhundert so ein filigranes Glasmosaik hinzukriegen. Es stammt aus England. Uwe Balscheit (63), Entdecker
Wismar/Neubukow

In der Gedenkstätte für den Troja-Entdecker Heinrich Schliemann in Neubukow rückt der Bodendenkmalpfleger Uwe Balscheit eher zufällig und mecklenburgisch schaumgebremst mit einer kleinen Sensation heraus: „Letztens habe ich im Bereich Alt Bukow eine slawische Siedlung oder Feierstelle entdeckt“. Der Wismarer zeigt dabei verschmitzt auf seine Schuhe:

Bodendenkmalpfleger Uwe Balscheit macht in Neubukow einen kleinen Sensationsfund

„Sehen Sie, die sehen dreckig aus. Ich war gerade wieder da, habe auch mit den Grundstücksbesitzern gesprochen. Die heißen da ja wohl alle Woest“.

Der Bodendenkmalpfleger erzählt, dass er in dem Buch eines alten Lehrers von einem „Ort des Feierns“ bei Alt Bukow mit Scherbenfunden gelesen und dieses Terrain daraufhin abgesucht habe. Dank seines Metalldetektors wäre er dort nicht nur auf bronzene Schläfenringe für Frauen, sondern auch auf eine runde Fibel (Gewandverschluss) aus England gestoßen. „Sie besteht aus Bronze mit eingesetzten Glasteilen, die Kreuze darstellen. Das könnte auf die Zeit der Christianisierung, 12. Jahrhundert, hinweisen“, beschreibt der Entdecker seinen außergewöhnlichen Fund (siehe großes Foto).

Mehrere Fibelfunde in MV

Auf der Rückseite dieser Fibel befindet sich eine Spange, die unserer heutigen Sicherheitsnadel ähnelt: „Ein Bügelverschluss mit Scharnier und einem Nadelhalter zum Einrasten“, sagt Uwe Balscheit und ergänzt „kurioserweise“hätte ein ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger aus dem Klützer Bereich ein paar Wochen zuvor eine ähnliche Scheibenfibel gefunden. Dann wurde aus der Region Vorpommern ein weiterer solcher Fibelfund gemeldet: „Das ist also ein Drilling im Land“, sagt Uwe Balscheit begeistert und zeigt Bilder seiner Funde aus der Nähe von Alt Bukow auf seinem Smartphone. Dazu gehört auch eine Schnalle, wohl slawischen Ursprungs, ein Fingerring sowie eine Herzform jüngeren Datums.

Zudem habe er Scherben und jede Menge Feuerstellen gefunden. Außerdem spricht er von zwei entdeckten Silbermünzen und bronzenen Messerscheidenbeschlägen sowie diversem „Krimskrams, was so Abfall ist, Bronzebleche, alles so drum und dran“, die er bei seiner Suche in der Nähe von Alt Bukow gefunden habe.

Quasi als i-Tüpfelchen kommt dann sogar noch eine römische Münze – ein Silber-Denar – dazu. Der soll aus der Zeit von 150 nach Christi Geburt stammen: „Vermutlich haben die Slawen diesen Denar mit Kaiser Hadrian von germanischen Gräberfeldern gestohlen“, meint dazu Uwe Balscheit, weil es nahe Alt Bukow keine weiteren germanischen Funde gegeben hätte. Aber er habe in diesem Jahr insgesamt bereits fünfzehn römische Münzen gefunden – die Masse im Landkreis Nordwestmecklenburg. Diese „normalen Römer“ hätten vielleicht einen numismatischen Wert von 50 bis 150 Euro schätzt der Bodendenkmalpfleger, aber betont gleichzeitig, dass wir uns in Mecklenburg zwar jahrelang nicht mit den Römern beschäftigt hätten, weil wir dachten, dieses Gebiet treffe für das Land nicht zu:

„Mittlerweile sind wir aber schon römische Experten hier“.

Der 63-Jährige, der bis zur Rente „Lehrausbilder im Metallbereich“ gewesen war, fand als Hobby-Archäologe als Erstes nahe Wismar einen Knopf von einem Postillon. Danach folgte eine Münze aus Stralsund. Seit er sich beim Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger angemeldet hat, zählt Uwe Balscheit zu den „Urgesteinen mit Metalldetektoren“.

Leider werde dieses verantwortungsvolle Hobby von einigen Leuten immer noch ein bisschen falsch verstanden: „Viele meinen, sich zu Weihnachten einen Metalldetektor kaufen zu müssen und damit dann einfach losziehen zu können. Doch da gibt es einige wichtige Regeln zu beachten. So muss man sich beim zuständigen Amt anmelden, Lehrgänge besuchen und den entsprechenden Ausweis besitzen. Ansonsten ist das unzulässig“.

Bodenfunde seien stets zu melden, und der Entdecker bzw. der Grundstückseigentümer sei nicht der Besitzer. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gelte das sogenannte Schatzregal. Die rechtliche Regelung besagt, dass archäologische Funde öffentliches Eigentum werden.

In MV gibt es derzeit 180 ernannte Bodendenkmalpfleger

180 ernannte Bodendenkmalpfleger gibt es derzeit in MV. Sie tragen ehrenamtlich dazu bei, das archäologische Kulturerbe des Landes zu erhalten, zu pflegen und zu erforschen. Sie sind im Schnitt 57 Jahre alt. Dazu kommen gegenwärtig etwa 100 Interessenten, deren Zahl stetig steigt. Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger wirken vor allem bei der Erfassung der Bodendenkmale mit, indem sie z. B. bei Feldbegehungen Funde aufsammeln und dadurch Ausdehnung, Art und Alter bisher unbekannter archäologischer Fundstellen ermitteln. Ihre Meldungen bilden die Grundlage für die Registrierung der Bodendenkmale durch das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege. Zugleich erschließen die Ehrenamtler damit neue Quellen für die archäologische und heimatkundliche Forschung.

Internet:

www. ipal-mv.de

Thomas Hoppe

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