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Wismarer erzählen ihre Werftgeschichten

Wismar Wismarer erzählen ihre Werftgeschichten

Nach einem OZ-Aufruf stellen Leser Bilder zur Verfügung / Im Juni finden zwei Veranstaltungen statt

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Zeigt seine alten Werft-Fotos: der Wismarer Hans-Michael Böbs (80). FOTOS (2): KERSTIN SCHRÖDER

Wismar. Eine in Leder eingebundene Kiste (siehe Bild unten links) hütet Detlef Freitag wie sein Augapfel. „Locke“, so der Spitzname des 55-Jährigen, hat auf der Wismarer Werft gearbeitet. Wie sein Opa, Walter Gössel. Der wurde 1977 mit einer Bildkassette und schriftlich verfassten Dankesworten verabschiedet. „Das ist eine schöne Erinnerung“, sagt Detlef Freitag. Er selbst war von 1978 bis 1992 auf der Werft. „Ich erinnere mich total gerne an die Zeit zurück“, so der Warkstorfer aus der Nähe von Wismar. Heute arbeitet er als Arbeitstherapeut im Therapiezentrum in Ravensruh bei Neukloster. Damals war Detlef Freitag als Betriebsschlosser in der Verblechung in Halle 4 tätig, nach seiner Armeezeit und einer Umschulung als Rangierer auf einer Lok.

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MV Werften will innerhalb von zehn Jahren 23 Schiffe bauen. 2017/18 vier Flusskreuzer, 2019 bis 2021 drei Yachten für Arktis-Reisen, 2020/21 zwei der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, der Global Class. Der Personalbestand soll von 1500 auf 3100 Mitarbeiter aufgestockt werden.

Als die OSTSEE-ZEITUNG fragte, wer noch Fotos aus alten Werftzeiten besitzt, wusste Detlef Freitag sofort, wo sich die Kiste mit Erinnerungsfotos befindet. Die OZ-Lokalredaktion Wismar und die Unternehmensgruppe MV Werften wollen im Juni zwei Veranstaltungen anlässlich des 65. OZ-Jubiläums durchführen. Einmal im Verlagshaus in der Mecklenburger Straße 28, und einmal auf dem Werftgelände.

Zu diesen Anlässen sollen dann auch alte Ansichten zu sehen sein.

Die Bildkassette für den Opa von Detlef Freitag enthält 20 Schwarz- Weiß-Fotos mit Motiven der Stadt – vom Boulevard, der Sporthalle bis zum Seehafen. 21 Bilder erzählen ein Stück Geschichte der Mathias-Thesen-Werft: von der Helling, Fahrgastschiffen, dem Tanzensemble der Werft bis zum Arbeiterwohnheim. Walter Gössel war von 1956 bis zu seiner Verabschiedung 1977 Betriebsangehöriger der Werft: als Schlosser im Betriebsteil in der Kanalstraße, später als Bereitsteller in der Abteilung Schiffsschlosserei im Bereich Ausrüstung. In der Beurteilung vom 31. August 1977 steht unter anderem: „Während seiner langjährigen Tätigkeit muß dem Kollegen Gössel bescheinigt werden, daß er sich stets in vorbildlicher Weise für für die Belange des Betriebes eingesetzt hat.“

Auch Elvira Methling verbindet viele Erinnerungen mit der Wismarer Werft. 40 Jahre lang – von 1950 bis 1990 – hat sie als Sekretärin im Konstruktionsbüro und für die Betriebsgewerkschaftsleitung gearbeitet. Zeit genug, um viele Fotos zu knipsen – von Stapelläufen, Betriebsfeiern und Auszeichnungen für die Werftarbeiter. „Es war eine schöne Zeit“, betont die 85-Jährige. Ihren Sohn Klaus Ahrens hat sie ihre berufliche Leidenschaft fürs Schiffebauen anscheinend mit in die Wiege gelegt. Auch er ist – wie viele Wismarer – ein ehemaliger Werftmitarbeiter. „Erst war ich Schlosser, später Vorarbeiter“, berichtet der 65-Jährige. Dass seit dem vergangenen Jahr endlich wieder Schiffe in seiner Heimatstadt gebaut werden, findet nicht nur Ahrens, sondern auch seine Mutter „klasse“. Beide freuen sich, dass das 2016 gegründete Unternehmengruppe MV Werften ein volles Auftragsbuch hat. „Die Wismarer lieben ihre Werft, sie ist ein wichtiger Teil der Stadt“, betont er.

Vier Flusskreuzfahrtschiffe werden gerade in Wismar gebaut. Zwei befinden sich im Dock. Im Spätsommer soll das erste Schiff ausgeliefert werden. Ende Mai ist die Kiellegung der Schiffe Nr. 3 und 4 geplant. Bei Hans-Michael Böbs werden da Erinnerungen wach. Auch er hat bereits an Sektionen für Flusskreuzfahrtschiffe mitgearbeitet. Auch Expeditionsschiffe seien während seiner Werftzeit gebaut worden. Der gelernte Stahlschiffbauer und studierte Schiffbau-Ingenieur hat 1952 als junger Mann auf der Werft angefangen, 1992 hat er sie verlassen. „Bei einem Stapellauf in den 60er-Jahren standen die Gäste plötzlich knietief im Wasser, sie hatten nicht damit gerechnet, dass sie die Welle erwischen könnte“, lacht Böbs. Für die OZ hat der 80-Jährige seine Fotoalben noch einmal durchgestöbert und unter anderem Bilder von Kreuzfahrtschiffen gefunden, die früher in Wismar gebaut wurden. Kontakt zu ehemaligen Studienkollegen hat er auch noch. Regelmäßig trifft er sich mit Schiffbau-Ingenieuren, die mit ihm zusammen 1959 das Studium beendet haben – in diesem Jahr am 18. Mai. „Früher haben wir uns seltener gesehen, mittlerweile finden die Treffen jedes Jahr statt“, erzählt Böbs. Die Ehefrauen seien mit dabei. Dass man die Ehefrauen nicht ausschließt, ist Vorarbeiter Klaus Ahrens schon früher sehr wichtig gewesen. „Wenn gefeiert wird, gehören die Frauen dazu“, betont der Wismarer. Zu jeder Betriebsfeier oder jedem Kegelabend, den er organisiert habe, seien sie deshalb auch eingeladen worden.

Heiko Hoffmann und Kerstin Schröder

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Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

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