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Wismar Wohnen hinter der Polarkiefer
Mecklenburg Wismar Wohnen hinter der Polarkiefer
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00:11 18.05.2018

Das Holz der finnischen Polarkiefer duftet, als wenn es gerade geschlagen und verbaut wurde. Dabei steht das Wohnblockhaus von Marcel Riehn schon seit 2014 in Thorstorf bei Grevesmühlen und hat zahlreichen Interessenten Zugang gewährt. Ein kleiner Kamin im offenen Erdgeschoss kann, wenn es vor der Tür nicht gerade sommerlich warm ist, schnell und langanhaltend für Wärme im gesamten etwa 85 Quadratmeter großen Haus sorgen. Zwei Schlafzimmer, ein Bad und eine Wohnküche sollten eigentlich als Ferienhaus dienen, doch dann kam anders.

„Eigentlich bin ich Industriemechaniker und war bei der Feuerwehr in der Nähe Hamburgs angestellt. Dann habe ich mir dieses Holz-Ferienhaus gebaut. Jetzt bin ich Verkaufsberater für die Firma Fullwood und stelle Interessenten mein eigenes Haus vor“, erklärt der 33-Jährige. Er selbst lebt wieder in einer Mietwohnung in Warnow, hat aber sein Büro im Blockhaus eingerichtet. Holz sei sein Werkstoff, erklärt Riehn. Damals habe er ein Holzhaus selbst entworfen und eine Firma gesucht, die das mit ihm baut. „Als Industriemechaniker ist mir das Technische Zeichnen nicht fremd und es macht mir Spaß“, erklärt der Warnower.

Besseres Klima als in Steinhäusern

Also konzipierte er sich ein über zwei Etagen offenes Ferienhaus mit vielen Fenstern, einer Terrasse, Fußbodenheizung und dem zentral angeordneten Kamin. „Nur die Firma Fullwood wollte mit mir das Haus bauen. Als es fertig war, hat es wohl einen besonderen Eindruck hinterlassen“, sagt Riehn. Mittlerweile habe er nicht nur drei Häuser vermittelt, sondern auch immer wieder selbst mitgebaut. Für drei weitere Häuser in den Bereichen Ratzeburg, Kühlungsborn und der Insel Rügen sei der Bauantrag in der Genehmigungsphase, berichtet Marcel Riehn. Für den Bauherrn und jetzigen Regionalleiter habe ein Holzhaus klare Vorteile. „In einem so offenen und hellen Blockhaus ist das Klima ein ganz anderes als in Steinbauten. Die Luftfeuchtigkeit ist nicht so hoch, die Temperatur bleibt konstant und auch nach dem Heizen mit dem Kamin gibt das Holz Wärme deutlich zeitversetzt wieder ab, so dass es auch über Nacht immer warm bleibt. In einem Blockhaus beträgt die sogenannte Wohlfühltemperatur zwei Grad weniger als in einem Haus aus Stein. Das spart natürlich jede Menge Kosten“, sagt der 33-Jährige. Außerdem sei die Holzbauweise für Asthmatiker sehr vorteilhaft. Allerdings sei er sich auch bewusst, dass ein Holzhaus deutlich pflegeintensiver ist als ein herkömmliches Haus: „Das Holz vergraut, wenn man es nicht behandelt. Wer sich damit nicht anfreunden kann, muss alle paar Jahre eine Lasur aufbringen.“ Viel Mühe hat sich Riehn bei der Gestaltung seines Blockhauses gemacht. Eine Eschenholztreppe führt ins Obergeschoss, im Schlafzimmer hat eine Bernsteineiche als Echtholzparkett ihren Stamm lassen müssen. Zwölf Zentimeter dickes Holz, eine Luftschicht und im Innenbereich Rigips-Platten, Fliesen oder weiteres Holz sorgen für ein Wohlfühlklima. Die finnische Polarkiefer ist sehr langsam gewachsen und hat damit eine hohe Dichte. Das kommt den Häusern jetzt zugute. Zusätzlich sind einige Wände mit Gewindestangen gesichert, um Setzungserscheinungen vorzubeugen. Ein Durchlauferhitzer und eine Wärmepumpe sorgen für vom Gesetzgeber vorgeschriebene erneuerbare Energien. „Der Blockhausbau hat eine jahrhundertealte Tradition. Sie wird derzeit immer aktueller“, sagt der Häuslebauer. 150000 bis 200000 Euro müssen Interessenten allerdings ausgeben, um am Ende ein Wohnblockhaus ihr Eigen nennen zu können. „Es kommt darauf an, wie viel Eigeninitiative jeder bereit ist zu leisten. Doch das Ergebnis ist jeden Euro wert“, sagt Industriemechaniker Marcel Riehn. Vertreten ist die Firma Fullwood auch vom 28. bis 30. September auf der Rostocker Bau-Messe auf dem Gemeinschaftsstand Holz des Landesbeirates Holz Mecklenburg-Vorpommern. Der Landesbeirat Holz für MV setzt sich seit 2002 für die verstärkte Verwendung von Holz ein. In Zusammenarbeit der Mitglieder und durch die Unterstützung der Partner des Landesbeirates ist es möglich, die Öffentlichkeit über die Einsatzmöglichkeiten von Holz zu informieren. „Ich werde selbst auch dabei sein und nicht zuletzt anhand meines Hauses den Vorteil von Holz erläutern“, sagt Riehn, der in Thorstorf zum Teil auch auf regionales Holz setzt. Denn für die Treppe oder das Parkett muss der Belag nicht aus Finnland oder umliegenden Ländern kommen, hier habe man in MV hervorragendes Material, berichtet der Ferienhausbesitzer. Für ihn sei Holz das Spitzenprodukt der Natur, ein mit Zellulosefasern ausgestatteter Verbundbaustoff. Bei gleicher Tragfähigkeit ist Holz leichter als Stahl. Holz verfügt annähernd über die Druckfestigkeit von Beton und kann zusätzlich Zugkräfte aufnehmen. Aufgrund seines großen Hohlraumanteiles ist Holz ein sehr guter Isolator und bietet damit einen natürlichen Wärmeschutz. „Ich habe das wirklich ausprobiert. Ich hatte im Winter 19 Grad mit der Kaminfeuerung im ganzen Haus. In der Nacht waren draußen minus 20 Grad Celsius. Obwohl der Kamin in der Nacht ausging, hatte ich am nächsten Morgen dieselbe Temperatur im Haus“, berichtet er.      

In drei Tagen steht das komplette Holzhaus

Positiv wirke sich Holz auch auf die leichte Umbaumöglichkeit aus. Der Holzskelettbau ermöglicht einen freien Grundriss mit wenigen Stützen und Wänden. Deshalb lassen sich auch nachträglich Veränderungen herbeiführen. „Bei mir in der Küche müsste wohl auch noch mal ein Balken nachträglich eingebaut werden. Das ist überhaupt kein Problem“, ergänzt Marcel Riehn, der derzeit die Holzterrasse mit einheimischem Fichtenholz baut und heute noch von der schnellen Bauzeit schwärmt. „Natürlich wurden die Wände vorgefertigt, doch als hier alles auf einem einzigen Tieflader ankam, hätte ich nicht gedacht, dass alles nach drei Tagen steht“, erzählte der 33-Jährige. Anschließend musste er natürlich im Innenraum aktiv werden, das Haus wohnlich werden lassen und die einzelnen Räume beenden. Er habe nach eigenen Angaben bereits immer wieder Kaufinteressenten absagen müssen. „Das Haus ist mein Anschauungsobjekt. Wenn es nicht mehr meins ist, bringe ich mich ja um meine Arbeit, obwohl manche Angebote schon sehr verlockend waren“, sagt Marcel Riehn. Vor allem älteren Menschen gefiele nicht nur die ländliche Idylle in Thorstorf und die geringe Entfernung zur Ostsee, sondern vor allem auch die einzigartige Wohnatmosphäre in einem Blockhaus.

Anteil bei 14,5 Prozent

Der Bau von Holzhäusern liegt deutschlandweit im Trend, 2016

wurden 20259 Holzhäuser gebaut. Wobei der Anteil von neuen Wohnhäusern, bei deren Errichtung vorwiegend Holz als Baustoff verwendet wurde, in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ist.

Nimmt man die Zahl von 2016,

betrug in jenem Jahr der Anteil des Holzbaues in Mecklenburg-Vorpommern 14,5 Prozent. In Baden-Württemberg liegt der Anteil bei 27,6 Prozent, in Bremen bei vier Prozent.

Maik Freitag

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