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Wismar Zwei Gesichter eines Hauses
Mecklenburg Wismar Zwei Gesichter eines Hauses
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00:00 18.04.2017
Die Rückseite der Altwismarstraße 23 trägt Fachwerk – und hat einen deutlich älteren Kemladen. Der Seitenflügel aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird derzeit saniert. Quelle: Fotos: Sylvia Kartheuser

Wirklich kaufen wollte Bernd Miebach das Haus Altwismarstraße 23 nicht. Schließlich hatte er in Wismar schon ein Haus in der Scheuerstraße und eines in der Breiten Straße saniert. „Aber die Architekten haben mir in den Ohren gelegen, was für ein tolles Haus das ist“, sagt der aus Hamburg stammende Geschäftsmann, der mit seiner Familie kurz nach der Wende nach Nordwestmecklenburg kam. Also schaute sich Bernd Miebach das Haus an. „Die großzügige Halle und das elegante Treppenhaus haben mir besonders gefallen“, erinnert sich der 60-Jährige. Und dann waren da noch der Seitenflügel, die Fassade und historische Fotos.

Altwismarstraße 23 in Wismar: klassizistische Fassade und 200 Jahre ältere Rückseite

Die Fassade zur Altwismarstraße wirkte damals wenig einladend. Schlicht und mit abblätternden Putz an beiden Obergeschossen. Alte Fotos zeigten hingegen eine noble Fassade aus dem 19. Jahrhundert – und vier Säulen, die einen Balkon trugen.

Kurz und gut, Bernd Miebach kaufte das Haus 2012. „Mein Ziel war, so viel von der alten Bausubstanz wie möglich zu erhalten“, sagt der Vertreiber von Sprudelkartuschen zur Wasseraufbereitung. Dabei hatte er einige Auseinandersetzungen mit der Denkmalpflege. „Am heftigsten haben wir diskutiert, ob das Haus wieder einen Vorbau und Säulen bekommen soll oder nicht“, erinnert sich der Bauherr. Er wollte, die Denkmalpflege war anfangs nicht überzeugt. Sie forderte zusätzliche Untersuchungen zur Statik des Gebäudes und neue Fundamente für die Säulen. „Letztlich wurden sie der teuerste Bauteil des Hauses“, sagt Bernd Miebach. Jetzt kann er darüber lachen, die Investition habe sich ausgezahlt, das Haus habe ein ganz anderes, ansprechenderes Gesicht. „Es sind übrigens die dritten Säulen. In der Geschichte des Hauses von 1830 sind sie zweimal abgerissen worden“, erzählt Bernd Miebach. Er hoffe, sagt er mit einem Lächeln, „dass diese Säulen jetzt ewig stehen bleiben“.

Die Sanierung des Vorderhauses hat etwa zwei Jahre gedauert und rund zwei Millionen Euro gekostet. Im Erdgeschoss bieten Thomas Krohn und sein Partner mittlerweile gutbürgerliche Küche vor historischen Holzpaneelen. Die Wohnungen in den beiden Obergeschossen sind vermietet. Prominentester Mieter ist der Schauspieler Benjamin Kernen, der 2008 beim Piraten Open Air in Grevesmühlen anheuerte und seit 2011 die Hauptfigur Capt’n Flint spielt.

Das Haus Altwismarstraße 23 hat neben dem verputzten, klassizistischen Gesicht noch ein anderes, eines aus Backstein: Den Seitenflügel, den Bernd Miebach derzeit behutsam sanieren lässt. „Der Kemladen ist fast noch spannender als das Vorderhaus. Auf alle Fälle ist er wesentlich älter.“ Die Tragbalken wurden auf 1560 bis 1573 datiert, die Entstehungszeit des Gebäudes damit auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. „Während der Arbeiten haben wir auch diese kleine Wandmalerei gefunden“, sagt Bernd Miebach und zeigt auf feines Rankenwerk.

Es sind solche Überraschungen, die den 60-Jährigen immer wieder faszinieren. Wie der Kemladen einmal genutzt werden soll, steht noch nicht endgültig fest. „Vor allem geht es mir darum, etwas Schönes zu schaffen“, sagt Bernd Miebach. Er habe bei seinen alten Häusern nie das Gefühl, dass sie sein Eigentum seien. „Vielmehr bin ich Besitzer auf Zeit. Denn ich hoffe doch, dass die Häuser mich überdauern. So ein Haus ist nun mal eine ganz andere Nummer als zum Beispiel eine Jeans, die wird mit Sicherheit niemand mehr nach mir tragen“, erklärt der Vater von sechs Kindern. In Börgerende bei Heiligendamm, in Grevenstein sowie in Thorstorf, beides in der Nähe von Grevesmühlen, und drei Häuser in Wismar – sechs alte Häuser hat Bernd Miebach im Laufe der Jahre gerettet. Seine Erkenntnis:

„Die Sanierung eines Altbaus ist nichts für Häuslebauer. Da musst du mit deinem ganzen Herzen dabei sein.“

Und wie war Ihre Sanierung?

Haben Sie in der Hansestadt Wismar oder im Landkreis Nordwestmecklenburg ein mindestens 100 Jahre altes Gebäude saniert? Oder stecken Sie gerade mitten in den Arbeiten an Bauernhaus, Tagelöhnerkaten, Mühle oder was auch immer? Haben Sie Lust, den Lesern der OSTSEE-ZEITUNG von Ihrem Abenteuer und ihren Überraschungen bei der Sanierung zu erzählen? Dann melden Sie sich für eine Terminabsprache bitte unter der Telefonnummer 03841/41562 oder schriftlich unter lokalredaktion.wismar@ostsee-

zeitung.de per E-Mail.

Sylvia Kartheuser

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