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Wismar Zweiter Anlauf für Bildungskoordinator
Mecklenburg Wismar Zweiter Anlauf für Bildungskoordinator
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00:01 07.06.2017
Wismar

Eigentlich soll er oder sie die Bildungsangebote für „Neuzugewanderte“ koordinieren. So hat sich das das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin jedenfalls ausgedacht. Doch unter der Nummer, die im Informationsblatt des Landkreises Nordwestmecklenburg im Oktober vergangenen Jahres angegeben ist, tutete es nicht einmal mehr. Es war einfach nur Stille.

Kreis Nordwestmecklenburg finanzierte Personal trotz Förderung vom Bund

Das liegt nicht etwa am inzwischen erfolgten Umzug an den neuen Kreistagssitz. Es liegt allein daran, dass die Aufgabe „auf Grund personeller Ressourcen ruht“, heißt es in einer schriftlichen Antwort des Landkreises auf Anfrage der Linksfraktion im Kreistag. Demzufolge war die Stelle des Bildungskoordinators für „Neuzugewanderte“ seit Anfang Februar unbesetzt. Schon im Dezember war sie erneut ausgeschrieben worden. Was ist passiert? Laut Landkreis hatte Bildungskoordinator Roy Rietentidt die Verwaltung auf eigenen Wunsch verlassen. Sofort sei eine neue Ausschreibung der Stelle erfolgt.

Verwaltung ruft Mittel nicht ab

Der entsprechende Antrag auf Fördermittel beim Bundesbildungsministerium wurde mit einem Kreistagsbeschluss bereits im Februar 2016 auf den Weg gebracht. Bewilligt hat der Projektträger die Fördermittel für den Landkreis in Höhe von 115600 Euro im August 2016. Doch abgerufen hat die Verwaltung sie nicht. Mit dem Ausscheiden von Roy Rietentidt sei die Verschiebung des Projektzeitraumes nach hinten beantragt und dann auch bewilligt worden. Das bestätigt der Projektträger.

Wovon aber hat der Landkreis den Bildungskoordinator dann fünf Monate lang bezahlt? Die Antwort: aus Kreismitteln. Rietentidt sei ja vorher als Sozialarbeiter beim Kreis angestellt gewesen. Nun ist aber die Stelle als Bildungskoordinator zu 100 Prozent vom Bund gefördert.

Erstaunen bei der Opposition

In den Kreistagsfraktionen sorgt das für Fragen: Simone Oldenburg (Die Linke), Mitglied im Bildungsausschuss des Landkreises, merkte an, dass es nicht viele Bereiche gebe, in denen Bundesmittel fließen. „Hier ist es der Fall, und man nimmt diese nicht, sondern setzt Geld aus dem Kreishaushalt ein. Das ist für mich eine Verschwendung von Geldern aus dem Kreishaushalt, die sich jede einzelne Gemeinde vom Munde absparen muss.“ Sie erwarte eine Rückführung des Geldes in den Kreishaushalt, das dann für die Aufwandsentschädigung ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Tätiger eingesetzt werden solle.

Darüber hinaus sollte bereits ein Konzept zur Bildungsarbeit mit Geflüchteten vorliegen. „Ich hoffe, dass das auch so ist und danach nun gearbeitet wird“, sagte Oldenburg. „Das für mich unverständliche Handeln des Landkreises ignoriert die aufopferungsvolle Arbeit der Ehrenamtlichen in diesem Bereich.“

Sozialausschuss-Mitglied Tino Schwarzrock von der Fraktion Grüne/Liberale/Familie fragt sich, warum die Mittel fünf Monate lang nicht abgerufen wurden. „Die Frage ist, ob dem Landkreis schon vorher klar war, dass die Stelle nur interimsweise besetzt wird und ob das bei einer solchen Aufgabe, nicht nur im Hinblick auf die Förderregularien, überhaupt Sinn macht.“ Er wolle nun wissen, „aus welchen Haushaltsmitteln die rund 20000 Euro für den ersten Bildungskoordinator finanziert wurden“. Darüber hinaus möchte Schwarzrock Antwort auf die Frage, welche Erkenntnisse in diesen ersten fünf Monaten gewonnen werden konnten, welche Strukturen geschaffen wurden und was außer einem Workshop angeschoben wurde.

Für Ausschussmitglied Klaus Becker (CDU) ist das Vorgehen des Landkreises nachvollziehbar. „Herr Roy Rietentidt hat sich aus einer festen Anstellung heraus um die neugeschaffene Stelle des Bildungskoordinators beworben. Gegen Ende des Jahres 2016 war bereits erkennbar, dass er auf eigenen Wunsch den Landkreis verlässt.“ Demzufolge habe die Verwaltung eine Projektverschiebung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, die genehmigt wurde. Somit erfolgt nunmehr ein Neustart des Projektes.

Neue Bildungskoordinatorin arbeitet sich ein

Immerhin gibt es seit 1. Juni eine neue „Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte“. Die Arbeits- und Organisationspsychologin Hilke Berkels soll die Stelle nun ausfüllen. Die 43-Jährige war zuvor im Landkreis Leer in Ostfriesland beschäftigt. Von ihrem Vorgänger bleibt ihr „ein Lenkungsgremium“, das laut Landkreis „die vorhandenen Bildungsstrukturen analysieren und bedarfsgerecht ausrichten“

soll.

Kreistagsmitglied Thomas Beyer (SPD) machte seinen Anspruch an die neue Personalstelle klar: „Ich erwarte von einer Bildungskoordinatorin, die sich gerade um die Integration kümmern soll, dass sie sich genau dort engagiert, wo es besonders brennt.“ Lange Analysen und abstrakte Strukturüberlegungen würden nicht benötigt. „Im Berufsschulzentrum Nord ist der größte Bedarf derzeit – die Hilferufe des Schulleiters waren unüberhörbar“, sagte Beyer. Hier gehe es konkret um Integration in jeglicher Hinsicht. „Blabla haben wir genug.“

Nicole Buchmann

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