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Wismar Zwischen Leichenschau und Politthriller
Mecklenburg Wismar Zwischen Leichenschau und Politthriller
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06:18 26.08.2013
OZ-Mitarbeiterin Ina Schwarz, Autorin Petra Block und Verleger Volker Stein (v. l.) lasen aus dem „Wismarer Leichenschmaus“.

Hunderte Literaturfans pilgerten gestern Nachmittag durch zwölf Gärten und Innenhöfe der Altstadt und lauschten dem Gelesenen. Vieles, was es zu hören gab, war selbst geschrieben.

„Wir wollten die Lesegärten ja schon in Regengärten umbenennen“, ließ Martina Gloede die Gäste im idyllischen Garten vom „Café No. 15“ in der Lübschen Straße schmunzeln. Sie begrüßte sie im Namen des Bibliotheksvereins, dem Initiator. Die Fans der Lesegärten wissen, in den letzten vier Jahren hatten Lesende wie Gäste immer Pech mit dem Regen. Mit Petra Block als neuer Hauptorganisatorin wurde, so könnte man meinen, das Wetter besser.

Nicht nur das ließ die Literatur zum Genuss werden. Mit Eiskaffee und Torte lauschten die Gäste im Caféhaus dem Rostocker Thomas Schwandt. Jahrelang war er Wirtschaftsredakteur der OSTSEEZEITUNG.

Nun stellte er seinen ersten Roman vor. „Wenn man fast dreißig Jahre als Journalist unterwegs ist, möchte man auch mal was Größeres anpacken“, erzählte er im Vorfeld. „Geheimloge D“ heißt sein Roman, ein höchst spannender Politthriller rund um die Bundestagswahl von 1998 und einem Geheimbund, der den mächtigsten Mann in Deutschland wie eine Marionette führt. „Die Geschichte ist frei erfunden“, meinte der Autor augenzwinkernd.

Franz Robert Czieslik — als Satiriker „Franz Zehnbier“ dem Wismarer Publikum längst bekannt — verarbeitet Politik und Zeitgeschehen auf seine Art. Er las darüber, was die NSA damit zu tun hat, dass nun in Mainz keine Züge mehr fahren.

Richtig überrannt wurde Autorin Petra Block, die mit OZ-Mitarbeiterin Ina Schwarz und Verleger Volker Stein von der Buchhandlung Hugendubel aus ihrem neuesten Buch, dem „Wismarer Leichenschmaus“, las. Die Plätze im malerischen Garten der Diakonie in der Mecklenburger Straße reichten kaum. Zwischen Sonnenblumen und dem altehrwürdigen Gemäuer entführten die Lesenden ins Wismar von 1513, wo ein grausamer Mord die herzögliche Heirat überschattete. Alleine zu den drei Lesungen im Diakoniehof kamen über 200 Gäste. Wie viele mögen es wohl in allen zwölf Gärten gewesen sein? Dort lasen einige bekannte Wismarer (Hobby-) Autoren. Bürgermeister Thomas Beyer las im Hof der Großen Stadtschule Texte von Brecht, Bürgerschaftspräsident Gerd Zielenkiewitz im malerischen Garten der Tischlerei Podlasly.

Auch im Pfarrgarten von St. Nikolai musste alles an Stühlen aufgebaut werden, was irgendwie aufzutreiben war. Stadtarchivar Dr. Nils Jörn las mit Grit Thunemann aus seinem neuesten, leider noch nicht gedruckten Buch „Huren, Hexer, Henker“ — beispielsweise wie Mann sich im 17. Jahrhundert scheiden ließ. „Scheidung war eine langwierige Angelegenheit damals“, so der Historiker. Sein Proband aus den Prozessakten des Wismarer Tribunals beschuldigte die eigene Frau der Hexerei. Das Gericht war sich nicht ganz sicher — sie wurde nicht verbrannt, aber der Stadt verwiesen. Als der Ehemann dann noch bezeugte, sie beim Zaubern gesehen zu haben, wurde auch die Ehe geschieden. Vier Wochen später heiratete er erneut, weitere vier Wochen später kam ein Sohn zur Welt.

Nicole Hollatz

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