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Wismar Zwischen Schulden, Scheidung und Depressionen
Mecklenburg Wismar Zwischen Schulden, Scheidung und Depressionen
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11:39 09.02.2019
Ulrike Tilsen-Vagt im Beratungsgespräch mit einer Klientin. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

„Eine Mutter kam mit ihren zwei Kindern zur Beratung, in der Hand hielt sie das Kündigungsschreiben ihres Vermieters“, berichtet Sabrina Kralisch von einem ihrer Fälle in der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung. Die Mutter hat eine depressive Erkrankung. Ankommende Rechnungen hat sie in den Schrank gelegt, ungeöffnet. Sie kam so in eine Situation, aus der sie ohne fremde Hilfe kaum hätte herauskommen können. Eine dramatische Situation, die zur Obdachlosigkeit hätte führen könnte.

Hilfe zur Selbsthilfe

Es braucht mehr als „nur“ die Schuldnerberatung, um der Frau und damit der ganzen Familie zu helfen. Auch deswegen ist die Konzentration der Kräfte im neuen Wismarer Beratungszentrum des Diakoniewerkes in der Dr.-Leber-Straße 56 so sinnvoll und wichtig. „Durch unsere Vernetzung können wir der Frau im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe helfen“, erklärt Sabrina Kralisch.

Denn das ist das Ziel – die Hilfesuchenden sollen in die Lage versetzt werden, ihr Leben wieder selbst auf die Reihe zu bekommen. „Es bringt dem Klienten nichts, wenn wir ihm alles abnehmen“, berichtet Sabrina Kralisch. Gerade in der Schuldnerberatung ist die Mitarbeit und auch Disziplin der Hilfesuchenden wichtig.

Sie müssen sich beispielsweise an den gemeinsam erstellten Budgetplan halten und helfen, die Schuldner anzuschreiben und über die Situation zu informieren. Und die Mutter musste sich zur psychologischen Erkrankung bekennen, Hilfe anfordern und Hilfe annehmen. Kein leichter Schritt.

Viele Probleme

Über 1300 Menschen haben so im vergangenen Jahr die Beratung im Diakoniewerk in Anspruch genommen. Alleine in der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung waren es 238 Hilfesuchende. „Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung, Krankheit“, zählt Sabrina Kralisch die Gründe für die aufgehäuften Schulden an. Dazu falsches Konsumverhalten. „Wir haben Klienten mit 160 verschiedenen Gläubigern“, berichtet Sabrina Kralisch von der Komplexität des Themas und begründet die mitunter langen Wartezeiten auf Termine. Täglich müssen die Fachfrauen in den einzelnen Bereichen des Beratungszentrums entscheiden, welche Fälle im Sinne der Hilfesuchenden Priorität haben.

Die Zunahme dieser „Multiproblemfamilien“ mit Schulden und psychischen Erkrankungen beispielsweise beobachtet auch Jeannine Lupp vom Bereich Ambulante Hilfen zur Erziehung im Beratungszentrum. Die Kolleginnen sind im Auftrag der Jugendämter von Stadt oder Landkreis in den Familien unterwegs.

„Gewalt, Sucht, Schulden, psychische Erkrankungen von Eltern und Kindern“, nennt sie das, was in den Familien dann oft zusammenkommt. „Die Familien fühlen sich alleine gelassen und stecken den Kopf in den Sand. Unsere Aufgabe ist es, sie aufzufangen“, beschreibt sie. Betroffen sind besonders wirtschaftlich schlechter gestellte Familien. „Aber nicht nur Familien, wie man sie aus dem RTL-Fernsehen kennt“, relativiert Jeannine Lupp.

Beraten wird kostenfrei, meist vermitteln die Jugendämter, um Kindeswohlgefährdungen zu erkennen und zu vermeiden. Damit die Kinder in den Familien verbleiben können und es ihnen dort gut geht.

Beziehungen kitten

Diese Erziehungs-, Familien-, Partnerschafts- und Lebensberatung ist ein weites Feld. Sabine Bäcker spricht mit den Paaren, die beispielsweise in einer Beziehungskrise stecken. „Früher kamen nur die Frauen in die Paarberatung, jetzt kommen die Männer mit! Das ist klasse“, freut sich Sabine Bäcker über dieses langsame Umdenken im Team Ehe oder Beziehung. Denn nur mit gemeinsamen Gesprächen können Beziehungsprobleme gelöst werden für eine gemeinsame Zukunft.

Schwieriger ist die Kommunikation in Scheidungssituationen. Bei Scheidungen sind es oft die Gerichte, die die Gespräche in der Beratungsstelle „verordnen“, wenn Kinder im Spiel sind.

„Die Gerichte sagen, ihr müsst lernen, miteinander klar zu kommen für das gemeinsame Sorgerecht“, erklärt Sabine Bäcker. Dieses gemeinsame Sorgerecht ist bei Scheidungen inzwischen Standard. Und wenn die Eltern nicht gut und fair miteinander reden können, leiden die Kinder.

Beratungszentrum am Altstadtrand

Das Sekretariat der Beratungsstelle der Diakonie in der Dr.-Leber-Straße 56 am Rande der Wismarer Altstadt ist montags von 9 bis 12 Uhr, dienstags von 9 bis 12 und 13 bis 15 Uhr, mittwochs von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 13 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr besetzt.

Beratungstermine finden nach Vereinbarung auch außerhalb dieser Zeiten statt.

Kontakt: Telefon 03841 / 39 42 38 20.

Nicole Hollatz

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