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Bildergalerien Kanzlerin: „Die Bahnanbindung ist eine Katastrophe“
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13:43 24.05.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit 70 Wissenschaftlern der Forschungseinrichtungen aus Greifswald und Umgebung. Quelle: Peter Binder
Greifswald

Klar ist die Bundeskanzlerin nach Greifswald gekommen, um den CDU-Landratskandidaten Michael Sack zu unterstützen. Daraus macht Angela Merkel keinen Hehl, als sie die 70 Wissenschaftler der Universität Greifswald und der etlichen Forschungseinrichtungen der Hansestadt im Veranstaltungssaal Kulturbahnhof begrüßt. Für den Landratskandidaten selbst wird es ein entspannter Termin, bei dem er im Ledersessel neben der Kanzlerin sitzt, die bereits nach wenigen Minuten tief in der Diskussion steckt, etliche Notizen macht. Sie möchte hören, was die Wissenschaftler benötigen, um optimal arbeiten zu können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hört sich bei ihrem Wahlkampftermin in Greifswald die Sorgen der Wissenschaftler an. In Sachen Bahnanbindung sieht sie dringenden Handlungsbedarf, aber wenig Möglichkeiten.

„Das hört sich ja bizarr an“, sagt Merkel zu Norbert Hosten, Professor für Radiologie an der Unimedizin. Er hatte ihr gerade erklärt, dass im Ausbildungsplan für Röntgenassistenten Digitalisierung noch keinerlei Rolle spielt.

Professor Lars Kaderali, Direktor des Instituts für Bioinformatik, berichtet über die riesigen Probleme an der Fakultät, offene Stellen zu besetzen. „Unsere Mitarbeiter werden von der Industrie abgeworben“, so Kaderali. Eine Mitarbeiterin sei nun gegangen, weil eine unbefristete in der Industrie für das doppelte Gehalt lockte. „Unsere Stellen bringen durch die Befristung auf fünf Jahre und anschließende Evaluation Unsicherheit mit sich. Die Mitarbeiterin bekommt keine Finanzierung für ein Haus“, so Kaderali weiter. Merkel kennt das Ringen um gute Fachkräfte, fragt nach, sagt aber auch deutlich: „Wer immer nur auf Sicherheit aus ist und Angst vor Evaluation hat, ist in der Wissenschaft vielleicht nicht gut aufgehoben.“ Die Kanzlerin wirbt dafür, solche Hürden etwas robuster zu nehmen und an die eigene Leistung zu glauben. Gleichzeitig notiert sie für ein Gespräch mit der Sparkasse, dass solche Verträge kein Hindernis für einen Immobilienkredit sein sollten. Wie denn die Nachfrage nach den Studiengängen aussieht, fragt Merkel den Professor für Bioinformatik. „Es ist sehr schwer, Leute für unser Fach zu begeistern. Auch unsere beiden Post-Doc-Stellen gab es keinen einzigen Bewerber aus Deutschland“, sagt Kaderali. Merkel nickt wieder. „Wir müssen bei jungen Leute sehr viel mehr werben für diese Studiengänge.“ Sie sieht hier auch die Wissenschaft selbst in der Bringpflicht: „Die Naturwissenschaftler müssen lernen, sich verständlicher auszudrücken.“

Bärbel Friedrich, Direktorin des Krupp-Kollegs, fordert eine bessere Anbindung der Hansestadt an Großstädte. Sie schlägt ein Shuttle von Berlin Tegel nach Greifswald vor und erntet hierfür Applaus aus dem Publikum. „Die ganze Bahnanbindung ist eine Katasrophe“, sagt die Kanzlerin unumwunden. „Eine Region entwickelt sich auch wirtschaftlich nicht ohne Bahn“, schiebt Merkel nach, ohne den Gästen große Hoffnung auf Lösung zu machen.

Degrassi Katharina

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