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Bildergalerien Kita-Kinder schreiben ein Buch über ihre Stadt
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06:11 19.05.2018
Die Franzburger Kita-Kinder wollen ein Buch über ihre Stadt schreiben und waren jetzt bei der Feuerwehr auf Recherche-Trip. Quelle: Ines Sommer
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Franzburg

Neugierig stecken die Kinder ihre Köpfe zusammen und gucken in ein großes rundes Ding. „Da soll Schaum rauskommen?“ fragen sie ungläubig. „Ja, das ist ein Schaumrohr, das brauchen wir zum Löschen“, erklärt Anne Bergmann. Die Feuerwehrfrau lenkt die Kinder-Augen nun auf die Schläuche, die fein säuberlich aufgerollt im Auto hängen. Die Franzburger Kita-Knirpse sind begeistert von der Technik, die auf dem Feuerwehr-Fahrzeug verstaut ist. Und als Jugendwartin Brigitte Zöllner die Rasselbande ins Auto-Innere hievt, gibt es kein Halten mehr. Doch der richtige Clou startet, als es heißt: Wasser marsch – aus dem Kinderschlauch, bedient von Kinderhand. Mehr Aufregung geht nicht.

Mit der Kamera sind die Lütten der Kita jetzt jeden Tag in Franzburg (Vorpommern-Rügen) unterwegs, denn sie wollen ein Buch darüber schreiben, wie Kinder ihre Stadt sehen. Jetzt haben die Mädchen und Jungen die Feuerwehr unter die Lupe genommen.

Interview bei der Feuerwehr

Doch auch wenn die Fünf- und Sechsjährigen und ihre Erzieherinnen Birgit Schult und Barbara Wellner fasziniert sind von dem, was die Franzburger Blauröcke an diesem sonnigen Vormittag für sie vorbereitet haben – sie sind nicht nur zum Spaßhaben hier. Eine große Aufgabe liegt vor ihnen: Die Kita-Kinder wollen ein Buch gestalten mit Moment-Aufnahmen aus Franzburg. Sie wollen der Erwachsenenwelt zeigen, wie Kinder ihre Heimatstadt sehen. Deshalb stellen die Lütten die Fragen – und weil sie noch nicht schreiben können, sorgt Kita-Leiterin Anja Schwebke für die entsprechenden Notizen, die sie später in der Kita ins Reine bringt.

„Wieviele Einsätze hattet ihr bis jetzt“, will ein Oscar wissen. „Wir sind 28-mal ausgerückt“, antwortet Feuerwehr-Chef Marius Holder. Ein anderes Kind fragt, ob man nur Feuer löscht. „Nein, wir retten auch Tiere oder helfen, Sturmschäden zu beseitigen“, erklärt der Wehrleiter. Das mit den Tieren wollen zwei Mädchen genauer wissen. „Wir haben schon Katzen von Bäumen geholt, Rehe gerettet. Und wir haben auch mal einen Schwan befreit, der auf dem Wasser festgefroren war. Den haben wir dann in den Tierpark gebracht, wo er wieder gesund gepflegt wurde“, berichtet Marius Holder. Okay, mit dieser Antwort sind die Kinder zufrieden. Nur Jim muss noch etwas loswerden: „Ihr helft auch Menschen, die feststecken, das hab ich bei Feuerwehrmann Sam gesehen...“

Nachdem die Lütten gehört haben, dass Franzburg drei Feuerwehr-Autos hat und man für die großen einen extra Führerschein braucht, wollen sie wissen, ab wann man mitmachen darf bei der Truppe. „Wer sechs Jahre alt ist, kann sich für die Kinder-Feuerwehr melden. Wer zwischen 10 und 16 Jahre alt ist, arbeitet in der Jugendwehr mit“, erklärt Brigitte Zöllner, die sich seit vielen Jahren um den Franzburger Brandschutz-Nachwuchs kümmert. „Und wann darf ich ein richtiges Feuer löschen?“, fragt Ben zaghaft. Ab 16 darf man schon mit zum Einsatz, ab 18 kann man alles bedienen, vorausgesetzt, man hat die nötigen Ausbildungen absolviert, berichten die Feuerwehrleute.

Plötzlich entdeckt Tobias verschiedene Helme, Marius Holder erklärt, dass man die früher trug, „denn die Franzburger Feuerwehr ist schon sehr alt, sie wurde 1901 gegründet.“ Auch über die erkämpften Pokale bei Wettkämpfen und die speziellen Feuerwehr-Schuhe erfahren die kleinen Reporter einiges, bevor Rafael mal so einen Stiefel anprobiert – und natürlich versinkt sein kleiner Fuß in dem Riesenteil. Das muss Jim erst mal mit der OZ-Kamera festhalten – genau wie Pokale, Helme und Uniformen...

Kinder-Augen fotografieren anders

„Für unsere ersten Interviews bei Bürgermeister, Pastor und Sparkasse hatten wir Kameras vom Max-Hünten-Fotohaus aus Zingst bekommen“, sagt Kita-Fachberaterin Sabine Schlothauer, die eigentlich schon Rentnerin ist, aber für dieses Projekt brennt. Anja Schwebke hat sich die Bilder schon mal angeguckt. „Kinder fotografieren ganz anders als wir. Sie achten auf Details, nehmen zum Beispiel in der Klostermauer die Löcher ins Visier, gucken sich Schlüssellöcher genau an. Und sie lenken die Kamera nach ganz oben oder unten auf ihre Füße.

Tolle Bilder sind da entstanden, Fotos, die Erwachsene nie machen würden“, so die Kita-Chefin, die selbst schon wahnsinnig gespannt ist, was ihre „Großen“ noch alles herausfinden, wenn sie demnächst bei Edeka, Bäcker, Tischler, Kfz-Werkstatt, Schule oder Schwimmbad vorbeischauen. „Wir werden für das Buch natürlich auswählen müssen, Bilder, Texte – natürlich aus Kindermund – und einen Stadtplan, mit Dingen, die Kindern in Franzburg wichtig sind“, so die 44-Jährige. Doch weggeschmissen wird nix, denn unveröffentlichtes Material wird auf CD der Nachwelt erhalten bleiben.

Das besondere Kita-Projekt

Ziel des Projektes: Die Kinder und Erzieher möchten gemeinsam ein Buch gestalten unter dem Motto: Wie sehen Fünf- und Sechsjährige ihre Heimatstadt Franzburg?

Die Kinder werden Fragen an Erwachsene stellen, also Interviews führen, wollen auch fotografieren. Dabei geht es nicht nur um Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch um das, was sich die Mädchen und Jungen für Franzburg wünschen.

Bis Jahresende möchten Kita-Leiterin Anja Schwebke und Stochennest-Fachberaterin Sabine Schlothauer das Buchprojekt fertig haben. Sie hoffen auf rege Abnahme durch die Eltern und möchten das Werk der Kinder auch gern beim Bratapfelfest verkaufen. Das Buch ist sicher ein Top-Geschenk-Tipp.

56 Seiten soll das Buch haben – vielleicht auch mehr. Es soll in quadratischer Form und zunächst in 300er-Auflage erscheinen. Für ein Buch hat man sich entschieden, weil dies eben gerade nicht an moderne Medien gebunden ist, sondern für immer erhalten bleibt und jederzeit in die Hand genommen werden kann.

Natürlich gibt es so ein Buch nicht kostenfrei. Der Storchennest-Verein rechnet zunächst mit rund 3500 Euro. „Wenngleich die Stadt Franzburg und die Sparkasse Hilfe zugesagt haben, wäre es ganz lieb, wenn uns auch andere Firmen oder vielleicht Eltern unterstützen könnten. Es lohnt sich, denn die Kinder haben schon jetzt viel Spaß bei der Recherche“, so Anja Schwebke.

Sommer Ines

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