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06:10 26.01.2018
Skatunterricht an der Franzburger Regionalschule macht Spaß. Quelle: Ines Sommer
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Franzburg

„So, wir schreiben einen Test“, sagt der Franzburger Skat-Profi Norbert Mielke ebenso kraftvoll wie fröhlich in die Runde. Den eben noch gackernden Siebtklässlern der Martha-Müller-Grählert-Schule in Franzburg hat es kurzzeitig die Sprache verschlagen. Damit haben sie nicht gerechnet – im Skat-Unterricht. „Aber wir gehen die Fragen jetzt noch einmal durch. Wer gut aufpasst, braucht keine Angst zu haben“, schiebt der 56-Jährige hinterher. Erleichterung bei den Mädchen und Jungen.

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Skat als deutsche Tradition erlebt dank engagierter Alt-Spieler an der Regionalschule in Franzburg eine Wiedergeburt - als Wahlpflicht-Unterricht zeigt. Und der zeigt: Unesco-Kulturerbe kann Jugend Spaß machen. Oz schaute im Unterricht vorbei.

Das Skat-Einmaleins

„Wieviel Karten gehören zu einem Skatspiel“, fragt der Franzburger. „32“, rufen gleich mehrere quer durch den Raum. Die achte Stunde hat begonnen, und die typisch schulische Melde-Disziplin fällt doch etwas schwer. Norbert Mielke – ein Mann, ein Baum – hat damit kein Problem und arbeitet seine selbst entworfenen Testfragen ab. „Warum ist das Reizen wichtig?“ „Wer am höchsten reizt, darf den Skat, also die zwei verdeckten Karten in der Mitte, nehmen. Und dann macht er das Spiel“, schießt Pauline ihre Antwort wie aus der Pistole. Die 13-Jährige wohnt in Richtenberg. „Ich spiele manchmal mit meinen Eltern Skat. Aber Papa gewinnt meistens“, verrät sie mit großen Augen.

Skat-Opas helfen Tradition auf die Sprünge

Vanessa weiß, dass jeder zehn Karten bekommt. „Zuerst kriegt jeder drei, dann kommt der Skat weg, dann gibt es vier und noch mal drei Karten für jeden Spieler“, sagt die Zwölfjährige aus Richtenberg, die manchmal mit Oma und Opa Skat kloppt. „Die beiden Mädchen sind gut. Aber sie sind eben auch schon seit der 5. Klasse dabei, konnten schon viel üben. Damals haben wir hier an der Schule die Arbeitsgemeinschaft gegründet“, erzählt Initiator Norbert Mielke nicht ohne Stolz. Eckhard Wellner aus Oebelitz, auch ein Skatbruder vom Franzburger Klub „Zu den Hellbergen“ ergänzt: „Angefangen haben wir 2015 mit 24 Kindern. Einige sind nun zum Gymnasium gegangen, andere haben aufgehört. Jetzt sind wir noch zwölf. Und sie spielen wir dann in drei Gruppen.“

Aus dem Schneider

Doch bis die Geberhand die Karten reihum an Vorhand, Mittelhand und Hinterhand austeilt, wird noch weiteres Skatwissen abgefragt. Da müssen dann auch mal die Jungs ran, die hinten in der letzten Reihe sitzen und ein bissl rumalbern. Dass 120 Augen im Spiel sind, man 61 zum Gewinnen braucht und mit 31 aus dem Schneider ist, kriegen sie aber raus aus ihrem „Speicherfach“. So sind dann alle gewappnet für die zehn Testfragen. Für die richtigen Antworten gibt es sogar eine Zensur, denn in Franzburg ist aus der in Vorpommern-Rügen einzigartigen Arbeitsgemeinschaft ein Wahlpflicht-Unterrichtsfach geworden. Und das dürfte landesweit eine Sensation sein.

Schüler sind begeistert

„Wir haben gemerkt, dass Skat bei den Schülern gut ankommt. Dann haben wir das mit der Schulleitung abgesprochen, angemeldet, und los ging’s“, findet Lehrerin Birgit Glasow jetzt nichts Besonderes daran. Die Abtshägerin ist seit 19984 Lehrerin, unterrichtet in Franzburg vor allem Englisch. Und sie kann Skat spielen, was sie natürlich prädestiniert, den Wahlpflichtkurs zu leiten. Und damit ist sie auch Herrscherin rüber das Notenbuch.

Zensuren fürs Skatspiel

Doch wie will man Reizen und Stechen zensieren? „Wir geben jetzt nicht nur Einsen fürs Gewinnen. Hier geht es darum, Anstrengungsbereitschaft zu würdigen, die Schüler zu motivieren und sie zum Mitdenken und Mitarbeiten zu animieren.“, sagt Birgit Glasow und zeigt die Noten: Alles Einsen und Zweien. Nein, reinreiten will man hier niemanden.Und doch ist dieser Wahlpflicht-Unterricht etwas Besonderes. Denn in Franzburg lässt man eine fast 200 Jahre alte deutsche Tradition wieder aufleben, bewahrt sie und rettet sie in die nächste Generation. Nicht ohne Grund ist das Skatspiel von der Unesco als Welt-Kulturerbe anerkannt worden. „Daran haben wir jetzt nicht gedacht. Uns ging es darum, das Skatspiel nicht aussterben zu lassen. Man sieht ja bei den Turnieren, dass die Jugend fehlt, da geht es meistens ab 50 aufwärts“, beschreibt Norbert Mielke die Motivation der „Trainer“.

Drei Trainer helfen

Und schon schnappen sich er und seine beiden Mitstreiter Manfred Held und Eckhard Wellner je eine Spielergruppe und schauen dem Nachwuchs beim Geben, Reizen und Spielen zu. Marvin, Paul und Co. reizen „mit Dreien, Spiel 4 und Karo macht 36“. Kopfnicken beim Betreuer. Wer macht das Spiel am Nachbartisch? „Pik mit einem Karo-Buben, da würde ich ohne Dreien reizen. Also 44“, so der Rat, der Vanessa prompt den Gewinn der Runde bringt. Am dritten Tisch rauchen gerade die Köpfe. Mathe-Ass muss man nciht sein, aber gutes Kopfrechnen wäre nicht schlecht. Wieviel sind noch mal 120 minus 96?

Als Belohnung winkt Deustche Meisterschaft

Für ihren Einsatz werden die Franzburger Schüler nicht nur mit guten Noten belohnt. Zu Pfingsten dürfen einige an der Deutschen Schüler- und Jugendmeisterschaft teilnehmen. Mal sehen, was die Bambinis, so heißt die Wertungsklasse, den Herren vom Deutschen Skatverband präsentieren können. Vielleicht hilft Fortuna beim Gewinnen: Ein Grand mit Vieren, Schneider und Schwarz. Das macht schon mal 168 Punkte...

Ines Sommer

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