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Wetter schön, Essen gut. Viele Grüße aus Binz

Binz Wetter schön, Essen gut. Viele Grüße aus Binz

Ausstellung zum 700-jährigen Bestehen des Ortes zeigt historische Postkarten aus der Sammlung Günther Hunger.

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 Günther Hunger mit einigen Schätzen aus der Sammlung.

Quelle: Archiv Günther Hunger

Binz. Über bunte Urlaubspostkarten mit lieben Grüßen im Briefkasten freut sich wohl jeder. Dass aber auch Postkarten, die vor langer Zeit versendet wurden, immer noch Grund zur Begeisterung geben, beweist Günther Hunger aus Oschatz (Sachsen). Der Philokartist, wie sich die Postkartenliebhaber nennen, ist leidenschaftlicher Sammler von historischen Postkarten. Mehr als 5000 Karten, vor allem von der Insel Rügen, aber auch aus seiner Heimat Oschatz, hat er mittlerweile zusammengetragen. Ein Teil der einzigartigen Sammlung wird ab März im Binzer Haus des Gastes zu sehen sein. Passend zum 700-jährigen Bestehen des Ortes, wird dort die Ausstellung „Grüße aus Binz“ eröffnet. In der Schau werden 29 Postkarten aus Binz zu sehen sein, vergrößert auf 60 mal 40 Zentimeter. „Sonst bräuchten Besucher ja eine Lupe, um alles zu entziffern.“ Dazu kommen noch einmal zehn sogenannte Transkriptionen auf einer Schautafel, es handelt sich hierbei um gedruckte Fassungen des schwer zu entziffernden Textes auf den Postkarten.

DCX-Bild

Ausstellung zum 700-jährigen Bestehen des Ortes zeigt historische Postkarten aus der Sammlung Günther Hunger.

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Lebensgeschichten in drei Zeilen

Manche „Grüße aus Binz“ lassen ganze Lebensgeschichten um die Jahrhundertwende erahnen. Die Karte, welche „Tante Hannchen“ im Jahr 1898 schreibt, zum Beispiel. Sie hat gerade davon erfahren, dass der Neffe nach Amerika auswandert. „Wir sind sehr überrascht, dass Du nach Amerika reist und ich wünsche Dir für die weite Reise alles erdenklich Gute. Gott schütze Dich“, heißt es hier. Wesentlich direkter ist der Ton in einer Ansichtskarte aus dem Ostseebad Sellin, vermutlich an ein Dienstmädchen. „Liebe Klara! Wir kommen am Sonnabendabend um 9 Uhr in Riesa an. Holen Sie uns vom Bahnhof ab. Sie müssen aber bereits im Laufe des Nachmittags dort eintreffen, damit die Zimmer gelüftet sind und wir Abendbrot, Essen und Milch da haben. Besten Gruß, Frieda Friedrich.“ Man kann eintauchen in die Geschichte der Postkartenschreiber und -empfänger, aber die Karten geben auch einen guten Einblick in die Historie des Ortes, aus dem sie versandt wurden.

Motive: Vom Kurhaus bis zur Strandidylle

Die Klassiker seien Strandszenen und prägnante Gebäude des Ortes. Viele Postkarten-Motive in Binz haben sich in der Zeit stark verändert. „Das Hotel und Restaurant Granitz zum Beispiel gibt es nicht mehr“, sagt Günther Hunger. „Genauso wenig wie die alte Seebrücke von Binz, mit einem in dunklem Holz gehaltenen Gebäude am Beginn der Brücke.“ Die Brücke wurde 1902 errichtet, bei einem tragischen Unglück im Jahr stürzte sie wegen Überfüllung ein. Nach dem Neubau führten mangelnde Werterhaltung und Verwitterung 1942 zum endgültigen Einsturz des Bauwerks. Auch die Umgebung des ab 1907 errichteten Kurhauses hat sich stark verändert. Ruderboote warteten an einem kleinen Bootssteg auf Besucher, die sich ein bisschen von den Wellen schaukeln lassen wollten.„Früher gab es viel mehr Personen auf den Ansichtskarten“, merkt Günther Hunger an. „Die sind heute nicht mehr so beliebt. Vielleicht hängt das aber auch mit den strengeren Persönlichkeitsrechten der abgebildeten Personen zusammen.“

Künstlerische Freiheit der Postkarten-Bemalung

Eine Besonderheit, die sich die Zuschauer genau ansehen sollten, sind auch die colorierten Karten. „Die Karten wurden in Fabriken, wo hunderte von Mitarbeitern gearbeitet haben, einzeln per Hand mit Schablonen nachkoloriert“, erzählt Hunger. „Dabei sind natürlich kleinere und größere Abweichungen entstanden. Mal sind die Strandkörbe hell, auf einem anderen Exemplar der Karte eher dunkelbraun – und die Wolken wurden auch individuell gestaltet. Jede Karte ist ein Unikat.“ Deshalb lasse Hunger auch immer besondere Vorsicht walten, wenn es um Anfragen von Historikern ginge, die anhand einer Postkarte auf die Bauausführung zum Beispiel eines Dachfirstes schließen wollen. „Es gibt Fälle, da hat das Haus rote Ziegel, auf einer anderen Karte ist das Haus verputzt.“

Postkartenmuseum unter: www.post-ansichtskarten-museum-rügen.de

Die Ausstellung „Grüße aus Binz“ öffnet am 26. März im Haus des Gastes in Binz . Wer bereits früher einen Blick auf einige Postkarten werfen möchte, kann dies im ersten virtuellen Postkartenmuseum Günther Hungers im Internet. Hier finden sich auch interessante Fakten rund um die Philokartie. Günther Hunger sucht immer nach interessanten historischen Postkarten von der Insel Rügen.

Ziebarth Anne Friederike

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