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Deine Tierwelt Seeadler auf Usedom: Bestand hat sich verdoppelt
Mehr Deine Tierwelt Seeadler auf Usedom: Bestand hat sich verdoppelt
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00:00 08.05.2017
Der Seeadler ist ein beliebtes Fotomotiv. Regelmäßig legen sich auf Usedom Tierfotografen auf die Lauer, um die majestätischen Vögel in freier Natur abzulichten. Quelle: Foto: Mario Müller

Sie sind weitgereist, diese Usedomer. Frankreich, Niederlande, Belgien – in alle diese Länder sind sie geflogen. Aber nicht etwa mit einem Jumbo-Jet, sondern allein. Und es handelt sich auch nicht um Urlauber, sondern um Vögel. Seeadler, um genau zu sein. Und in Frankreich, Holland und Belgienwurden diese prachtvollen Tiere gesichtet, die laut ihrer Beringungs-Daten aus Mecklenburg-Vorpommern und hier speziell von der Insel Usedom stammten. Auch in Gebieten Bayerns, wo es ebenso wie in Frankreich bis vor einiger Zeit noch keinen dieser mit bis zu zweieinhalb Metern Flügelspannweite größten deutschen Greifvögel gab, sind sie sesshaft geworden. Offenbar sind die jungen Seeadler von den Altvögeln aus deren Revieren vertrieben worden.

24 Brutpaare leben auf der Insel / Tiere von hier siedeln sich auch in Westeuropa an

Mit diesen und weiteren interessanten Auskünften konnte in der jüngsten Zusammenkunft des Beirats des Naturparks Insel Usedom ein Fachmann aufwarten, der wie nur wenige Menschen intensiv mit dem Leben der majestätischen Vögel verbunden ist. Schon als Kind begann Mario Müller, sich mit der Ornithologie zu beschäftigen. Heute ist er Landeskoordinator für den Seeadlerschutz in Mecklenburg-Vorpommern.

Laut Müller leben von den derzeit 650 Brutpaaren in Deutschland 380 in unserem Bundesland und von denen wiederum 24 auf dem relativ kleinen Gebiet der Insel Usedom. Hier habe sich der Bestand von zwölf Brutpaaren im Jahre 2006 verdoppelt, wobei die Insel fast flächendeckend Horste aufweise. Der Landkreis Vorpommern- Greifswald, so der Adlerexperte, habe übrigens einen Rekord inne, denn im Anklamer Stadtbruch gebe es mit zwölf Seeadler-Brutpaaren die größte Siedlungsdichte in ganz Deutschland.

Die Gründe für die insgesamt erfreuliche Entwicklung der Bestände sieht Müller nach dem Verbot des Insektizids DDT in den 1970er Jahren im Vorhandensein von geeigneten Brutbiotopen. Hinzu komme eine reichliche Nahrungsgrundlage in Form vor allem von Fischen und Wasservögeln. DDT, das die Adler über ihre Nahrung aufnahmen, führte dazu, dass die Eier extrem dünnschalig wurden und in sehr vielen Fällen beim Brüten zerstört wurden.

Als die heute häufigste Todesursache beim Seeadler nannte Mario Müller Bleivergiftung. Die Tiere als „Nahrungsopportunisten“ verschmähten Aas keinesfalls und ernährten sich somit auch von den Resten geschossenen Wildes. Diese enthielten in vielen Fällen Splitter von bleihaltiger Jagdmunition, die von den Vögeln aufgenommen und mittels ihrer aggressiven Magensäure aufgelöst würden. Müller plädierte deshalb dafür, die heute von im Landesdienst stehenden Jägern verwendete bleifreie Munition auch allen anderen Waidleuten zur Pflicht zu machen.

In einem wesentlichen Unterschied in der Lebensweise von See- und von Fischadlern sieht Müller die Hauptursache dafür, dass sich hier keine neuen Paare angesiedelt haben: Während sich junge Seeadler, nachdem sie von den Altvögeln vertrieben wurden, auch weit entfernte neue Reviere suchen, sind gerade flügge gewordene Fischadler standorttreu. Deshalb gehe ihre Verbreitung über das angestammte Gebiet um die Müritz hinaus auch nur sehr langsam vonstatten. „Aber irgendwann tauchen auch auf der Insel Usedom wieder Fischadler auf“, zeigt sich der Fachmann in dieser Angelegenheit recht zuversichtlich.

1950 gab es noch 15 Brutpaare des Fischadlers auf Usedom. Im Laufe der Zeit verschwanden sie gänzlich. Mario Müller nennt als Bedingung dafür, dass sich das ändert: „Der Populationsdruck muss nur groß genug werden.“

Dietrich Butenschön

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