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Deine Tierwelt Wer rasselt denn da?
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00:00 07.08.2017
Hat alles im Blick: Dieser Basilisk in der Austellung gehört zu den gefährlichsten Schlangen der Welt.
Greifswald

Er guckt immer noch her, dieser Kerl hinter der Scheibe. Mit kleinen starren Augen, unverwandt. Und plötzlich reicht es ihm, dass da dauernd vor ihm herumgeknipst wird: Helles, wildes Rasseln füllt den Raum. „Ohoooo...“, sagt Tierarzt Dr. Nils Kley lachend. „Nun ist er aber sauer!“

Spinnen, Schlangen, Echsen, Pilze: Alles, was giftig ist, hat Tierarzt Nils Kley in Greifswald versammelt

Er, das ist eine männliche Basiliskenklapperschlange, einer jener exotischen und gefährlichen Bewohner, die Kleys „Welt der Gifte“ bevölkern, eine neue Dauerausstellung in Greifswald, im zweiten Stock eines unscheinbaren Plattenbaus. „Achtung Gifttierraum“, steht auf einem gelben Aufkleber oben an der Eingangstür.

Zusammen mit Königspythonzüchter Heiko Schermucksnies hat Nils Kley, der im Friedrich-Loeffler-Institut auf dem Riems arbeitet, seit Oktober 2015 zwei Räume mit Terrarien gefüllt. 30 Gifttierarten haben die Männer angesiedelt: verschiedene Schlangen, Echsen, Kröten, Skorpione, Spinnen. „Nirgendwo sonst in Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine derartige Gifttierausstellung“, sagt Kley und bietet seit Ende Juli Führungen für Kitagruppen, Schulklassen, Touristen und interessierte Privatpersonen an. „Die Leute sollen etwas lernen, aber auch unterhalten werden. Es gibt so viel Interessantes, was man in Hinblick auf Gifte erzählen kann!“

Schon im Studium hatte Nils Kley angefangen, sich für Wirkstoffe zu interessieren, die je nach Dosis schädigend oder heilend wirken können. Im In- und Ausland absolvierte er Schulungen im sicheren Umgang mit Gifttieren. Gifte im Alltag, Gifte in der Natur, Gifte in Kunst und Mode, Heilende Gifte: zwischen diesen vier Themen können Besucher nun wählen.

Zwei Vitrinen im Flur hat Nils Kley mit giftigen Pflanzensamen, Mineralien, Nachbildungen von Pilzen und Giftflaschen bestückt, außerdem mit präparierten Tieren, wie etwa der Spanischen Fliege, einer Ölkäferart. „Die Spanische Fliege enthält als Wirkstoff Cantharidin“, kann Dr. Kley vor allem erwachsenen Besuchern erzählen, „was über Jahrhunderte als Aphrodisiakum verwendet wurde.“ Da mancher es aber zu gut meinte, kam es nicht selten zu Vergiftungen. Der berühmt-berüchtigte französische Adlige Marquis des Sade etwa musste 1772 aus Paris flüchten, weil er mit Cantharidinbonbons fast einige Prostituierte umgebracht hatte...

Von Phasin in Kichererbsen, Cumarin im Cassia-Zimt oder arsenhaltiger Kleidung weiß Kley ebenfalls faktenreich und anschaulich zu erzählen. Aber vermutlich werden sich viele Besucher noch mehr für die Exponate in den hinteren Räumen interessieren: die lebenden.

Die gelbgrüne Basiliskenklapperschlange etwa, die eben noch so drohend gerasselt hat, „gehört zu den größten und gefährlichsten Klapperschlangen der Welt“, erklärt Nils Kley. Gut und gern zwei Meter ist sie lang, verschlingt in der Natur kleine Säugetiere und Vögel. „Der hübsche Kerl hier könnte mich mit seinem Gift leicht töten“, sagt Dr. Kley. Das Gift wirkt zerstörerisch auf Blut und Körpergewebe.

Fünf verschiedene Arten von Klapperschlangen, diverse Vipern, Gila-Krustenechsen, Colorado-Kröten, die berühmten Schwarzen Witwen und viele weitere Tiere mit klangvollen Namen, exotischen Mustern oder erstaunlichen Fähigkeiten sind in den Terrarien zu sehen. „Spannend ist auch die kleine Hakennasennatter, die allenfalls für Fische und Frösche giftig ist“, sagt Nils Kley. „Eine echte Dramaqueen.“ Wenn sie sich gegen Feinde nicht wehren könne, stelle sie sich tot: „Vorher veranstaltet sie ein Riesentheater, inklusive Rückenlage, Zunge raushängen lassen, nochmal zucken...“ Er lacht. „Alles in allem aber ein beliebtes und recht pflegeleichtes Haustier.“

Auch wenn viele der gezeigten Arten giftig sind: Angst muss kein Besucher haben, versichert der Tierarzt. „Die Ausstellung entspricht allen notwendigen Sicherheitsvorgaben. Und wenn man konzentriert und ruhig mit den Tieren umgeht, minimiert man Risiko und Stress.“

Den Basilisken zum Beispiel füttert Kley immer nur „mit größter Vorsicht und mittels Spezialwerkzeug“. Gefährlich werde es erst, wenn man aus Routine, Leichtsinn oder Unbedachtheit Fehler mache, etwa „nur mal schnell“ ins Terrarium greife, um zum Beispiel den Wassernapf auszuwechseln. Das kann üble, sogar tödliche Folgen haben. „Generell aber stellen Gifttiere, wie alle anderen Tiere, nur eine Gefahr für Menschen dar, wenn man ihnen nicht mit Umsicht und Respekt begegnet.“

Welt der Gifte

Rund 30 verschiedene Tierarten und andere Exponate sind in der neuen Dauerausstellung „Welt der Gifte“ von Tierarzt Nils Kley in Greifswald zu sehen, darunter verschiedene Schlangen, Spinnen, Echsen, Kröten und Skorpione.

Drei Führungen werden angeboten: Gifte in der Natur, Gifte in Kunst und Mode und Heilende Gifte.

Die Ausstellung liegt in der Grimmer Straße 11 bis 13 in Greifswald, Termine nach Vereinbarung.

Eintritt: 7 Euro für Erwachsene, ermäßigt 6 Euro. 4 Euro für Kinder

Sybille Marx