Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Deine Tierwelt Zwei junge Polarwölfe im Stralsunder Zoo
Mehr Deine Tierwelt Zwei junge Polarwölfe im Stralsunder Zoo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 18.10.2017
Zwei weiße Wölfe, die im April in Köthen geboren wurden, zogen am Montag nach Stralsund um und sollen das Rudel verjüngen. Quelle: Fotos: Marlies Walther
Stralsund

Das sieht doch ganz nach Entspannung aus: Obwohl die beiden jungen Polarwölfe erst am Montag im Stralsunder Zoo angekommen sind, erkundeten sie gestern schon in aller Gemütlichkeit ihre neue Umgebung. Augenscheinlich haben die Mädels, die im April im Tierpark Köthen geboren wurden, den Umzug an die Küste gut überstanden.

Willkommen Mädels: die Weibchen stammen aus Köthen und wurden im April geboren.

Und das freut Zoodirektor Dr. Christoph Langner. „Wir müssen die Tiere langsam an ihr neues Rudel gewöhnen. Deshalb sind sie jetzt noch in einem separaten Gehege untergebracht“, erklärt der Zoochef. Das befindet sich aber unmittelbar neben der großen Wolfsanlage, die mit hohen Gitterzäunen gesichert ist. Obwohl die kleinen Wölfe noch allein in ihrem Reich sind, können sie aber schon mal Tuchfühlung mit den Alteingesessenen aufnehmen, die in Sichtweite sind. Also im wahrsten Sinne des Wortes schon mal schnuppern und vielleicht auch das eine oder andere Wolfsgeheul austauschen.

Beobachten kann man, wie die Jungen mit feinem Gespür schnell in Deckung gehen, wenn ihnen etwas nicht ganz geheuer vorkommt.

Noch genießen die Neuankömmlinge Welpenschutz, das heißt, eigentlich trauen sich die Älteren nicht an die Jüngeren heran, erläutert Langner. Aber so ganz will er sich denn doch nicht darauf verlassen. „Es bleiben Tiere. Und die sind manchmal unberechenbar“, möchte er jedes Risiko vermeiden.

Ziel sei es, dass die neuen Zoobewohner Stralsunds Wolfsrudel, das inzwischen in die Jahre gekommen ist, verjüngen. „Polarwölfe werden bei uns bereits seit 1996 gehalten“, erklärt Langner. Das habe sich damals so ergeben. Schließlich sind sie allein durch ihre Farbe schon ein Hingucker. Die fast weiße Unterart stammt aus Nordamerika, von den Ellesmere-Inseln. „Das ist bereits nördlich des Polarkreises“, sagt Langner. „Dort treffen sie auf keine Menschen, und sie werden auch nicht gejagt.“ Deshalb sei ihr Verhalten auch ein anderes, als das der europäischen Wölfe. „Sie sind ausgeglichener“, beschreibt Langner.

Geboren werden die Tiere übrigens schwarz. Erst im Laufe der Zeit erhalten sie ihre typische helle, nahezu weiße Farbe. Bislang leben im Stralsunder Zoo zwei Rüden, die 2002 beziehungsweise 2007 in der Hansestadt geboren wurden. So eine erfolgreiche Nachzucht hätte man sich eigentlich erneut gewünscht. „Deshalb haben wir uns 2013 eine Wölfin aus dem Wildpark Johannismühle geholt.“ In der Hoffnung, dass sich Nachwuchs einstellt. Doch die hat Christoph Langner inzwischen aufgegeben. „Das wird wohl nichts mehr“, vermutet der Tierarzt.

Chef im Ring ist jetzt der zehnjährige Rüde. Das hatte er seinem älteren Bruder im Jahr 2014 klar gemacht, als er ihn angegriffen und sogar verletzt hatte, erzählt Langner. Inzwischen hätten sich die hitzigen Gemüter aber beruhigt. Der ehemalige Leitwolf wird geduldet. Man merke ihm jedoch an, dass er schon ziemlich müde sei. „Er hat Arthrose und ist wahrscheinlich taub. In der freien Natur hätte er in seinem Zustand keine Chance“, meint Langner. Auch für eine Haltung im Zoo sei es ein stattliches Alter. Meist schläft er auf einem kleinen Berg in der 4000 Quadratmeter großen Anlage, die von einem Aussichtspunkt durch eine Glasscheibe betrachtet werden kann.

„Wölfe sind ja heute ziemlich in der Diskussion“, fügt der Zoochef an. Deshalb sei es auch ein Anliegen der Stralsunder Einrichtung, viel Wissen über die Tiere zu vermitteln. Dazu wurde extra ein Lehrpfad angelegt, der um das Wolfsgehege herumführt. Auf den Info-Tafeln gibt es ausführliche Darstellungen zur Entwicklungslinie dieser Art, die mit so vielen Mythen verbunden ist.

Marlies Walther

Anzeige