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Essen und Trinken Imker ernteten im Sommer weniger Honig
Mehr Essen und Trinken Imker ernteten im Sommer weniger Honig
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11:04 25.09.2018
Viele Imker in Deutschland hatten im Sommer einen deutlich schlechteren Honig-Ertrag als im Frühjahr. Quelle: Patrick Pleul
Mayen

Die lange Trockenheit hat bei den Honig-Bauern für ein durchwachsenes Jahr gesorgt. Während aufgrund des ungewöhnlich warmen Frühjahrs die erste Ernte besonders gut ausfiel, sind die Ergebnisse der Sommerernte regional sehr unterschiedlich.

Bundesweit seien bei der zweiten großen Tracht des Jahres im Schnitt mit 16 bis 17 Kilogramm Honig pro Volk in etwa so viel zusammen gekommen wie im Vorjahr, sagte Bienenexperte Christoph Otten.

Vor allem in Rheinland-Pfalz und Bayern lägen die Erträge mit jeweils um die 15 Kilogramm aber klar unter dem Durchschnitt. In der Region Niederbayern etwa verzichtete nahezu jeder vierte Imker auf die Sommerernte, weil die Bienen nicht genug gesammelt hatten.

Der Grund: Viele Pflanzen blühten wegen des warmen Wetters bereits deutlich früher als üblich und standen den Bienen nun nicht mehr zur Verfügung. „Im frühgeschleuderten Honig konnten wir sehr schön sehen, dass darin schon viele Sommerpollen enthalten waren“, sagte Otten.

Das hatte dazu geführt, dass die Honigernte im Frühjahr - die sogenannte Frühtracht - vergleichsweise gut ausgefallen war, denn nun blühten auf einmal viele Pflanzen, deren Pollen normalerweise zu dieser Jahreszeit nicht gesammelt werden können. Rund 21 Kilogramm Honig ernteten die Imker damals pro Volk. Im Jahr davor hatten die Erträge noch zwischen 16 und 19 Kilogramm gelegen. „Wir hatten in diesem Jahr eine Verschiebung vom Sommer ins Frühjahr“, sagte Otten. „Hinzu kam die lang anhaltende Trockenheit, die vielerorts den Nektarstrom der Pflanzen versiegen ließ.“

Das trockene Wetter macht vielen Imkern auch bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe zu schaffen. Denn dort, wo es besonders warm war, mussten die Imker mit dem Einsatz von entsprechenden Stoffen zur Bekämpfung des Parasiten warten. Verdunsten sie bei den hohen Temperaturen zu schnell, nimmt auch das Bienenvolk Schaden. „Darauf mussten sich viele Imker einstellen“, sagte Otten. „Da haben wir aber sehr unterschiedliche Aussagen aus den einzelnen Regionen.“

In der Regel ernten Imker zweimal im Jahr ihren Honig. Die erste Honigernte beginnt in der Regel in der zweiten Maihälfte, die zweite dann Mitte Juli. In manchen Regionen - etwa im Schwarzwald sowie in der niedersächsischen Heide - könnten Imker auch noch die sogenannte Spättracht ernten. Diese sei in den vorliegenden Zahlen bereits enthalten, sagte Otten.

Deutschlandweit werden rund 1,2 Millionen Bienenvölker betreut. Ein Viertel davon lebt in Bayern. Und deren Honig steht jährlich für die Prämierung auf dem Prüfstand.

Anonymisiert werden dabei die äußeren, aber vor allem inneren Werte des Honigs getestet. So kontrollieren die Experten Gewicht, Aufmachung, Sauberkeit, Geschmack, Kristallisation sowie den Wasser- und Enzymgehalt. Der Wassergehalt kann auch bei sonst als sehr gut bewerteten Honigen ein K.o.-Kriterium sein: „Nur ein Wasseranteil zwischen 13,0 und 16,7 Prozent kommt für eine Goldprämierung infrage. Bei mehr als 18,0 Prozent fällt der Honig aus der Wertung - denn dann erreicht er nicht die bei Verbandshonigen garantierte Haltbarkeit von zwei Jahren“, erklärt Imker Michael Herrmann aus der Nähe von Hof.

Auch der so genannte Invertase-Gehalt, die Aktivität des Honig-Leitenzyms, ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal beim Honig. Dieser Gehalt zeigt an, wie häufig die Bienen den Nektar eingespeichelt, in ihrem Honigmagen aufgenommen und wieder ausgewürgt haben. „Je öfter dies geschieht, desto hochwertiger der Honig und seine antibakterielle Wirkung zum Beispiel in warmen Getränken bei einer Erkältung“, sagt LWG-Expertin Illies.

Beim Geschmackstest wird der Honig 20 Sekunden lang auf der Zunge zerlassen und dann langsam nach unten geschluckt und dabei tief eingeatmet, um - wie beim Wein - einen langen Abgang zu schmecken.

Jedes Honigglas erzählt dabei seine eigene Geschichte: Blumig, fruchtig oder würzig - der „Goldfarbene“ schmeckt dabei nicht einfach nur süß, sondern besitzt eine ganz eigene Geschmacksnote geprägt von der Region, in der er geerntet wurde, wie Ammon sagt. Anders als die großen Hersteller, die weltweit Honig einkaufen und dann deren Bestandteile im Labor so vermischen, bis die festgelegte Qualität erreicht wird, schmeckten regionale Honige je nach Tracht und in jeder Saison etwas anders, sagt Imker Ammon. So schmecke beispielsweise Honig aus Lindenblütentracht nach Menthol und der flüssige Waldhonig laufe die Kehle malzig und würzig hinunter.

Tester wie Verbraucher können sich dabei auf Honig ganz ohne chemische Zusätze oder Verunreinigung verlassen. Frostschutzmittel im Wein, Antibiotika im Fleisch, Nitrat im Trinkwasser - Panschen ist dagegen beim Honig nicht möglich und auch Umweltgifte können sich im Honig nicht ablagern. „Einen Honigskandal wird es nicht geben“, ist sich Obmann Ammon sicher. „Der Honigmagen der Biene arbeitet wie ein Katalysator und filtert schädliche Substanzen, etwa Pflanzenschutzmittel, aus dem Honig heraus. Die Biene ist wie eine fliegende Filteranlage“, sagt der Züchter.

Außerdem sei die deutsche Honigverordnung ähnlich wie das Reinheitsgebot beim Bier eine der strengsten der Welt. Vergeblich etwa versuchte man in den 1960er Jahren eine künstliche Honigcreme als Surrogat auf den Markt zu bringen, „Das war so eine Art Zuckerpaste, die sich aber nicht durchgesetzt hat“, sagt Biologin Illies dazu.

dpa

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