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Familie Flaschenpost, Bad-Sülze-Song und eine Kneipen-Schlägerei
Mehr Familie Flaschenpost, Bad-Sülze-Song und eine Kneipen-Schlägerei
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17:15 25.10.2017
Mit einer Flaschenpost aus der Recknitz fängt alles an: Thalia Kiesling (vorne v.l.), Lisa-Sophie Kossow, Max Hartmann und Emil August Botezatu erzählen heute Abend die Geschichte Bad Sülzes. Betreut werden die Mädchen und Jungen von der Rostocker Schauspielerin Lydia Wilka (hinten). Quelle: Robert Niemeyer
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Bad Sülze/Dettmannsdorf

Das Leben auf dem Dorf? Öde, langweilig, eintönig. Eine heutzutage sicherlich vielerorts geteilte Ansicht. Damit daraus keine Einsicht wird, hat der „Freundeskreis Popkultur“ in Bad Sülze (Vorpommern-Rügen) ein Projekt ins Leben gerufen, um wieder mehr Lebendigkeit ins Recknitztal zu bringen. Und wer wäre dafür besser geeignet, als Kinder und Jugendliche, jene Einwohner der kleinen Orte, die noch einen unverstellten Blick und gleichzeitig ein hohes Maß an Energie und Kreativität besitzen, um den Scheinwerfer auf ihre eigene Art und Weise auf die besonderen Geschichten ihrer Heimat zu lenken.

„Kulturinseln“ nennt sich das Ganze. In dieser Woche setzen sich etwa 40 Mädchen und Jungen künstlerisch mit ihren Heimatdörfern auseinander. In der evangelischen Schule in Dettmannsdorf und in den Räumen der JAM GmbH in Bad Sülze erarbeiten sie beispielsweise Theatersequenzen oder Musikstücke. „Unser Anliegen ist, dass Kinder und Jugendliche kreative, kulturelle Events unterschiedlicher Art entwickeln, die in Zusammenhang mit ihrer ländlichen Heimat stehen“, sagt Uwe Bobsin, Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis Popkultur“.

Entdeckungsreise durch die Geschichte der Salzstadt

Und das machen die Teilnehmer nicht im stillen Kämmerlein. Die Ergebnisse werden den erwachsenen Mitbürgern vor Ort präsentiert. Los geht es heute in Bad Sülze. „Die Geschichte von Bad Sülze wird mit einem Umzug erzählt“, sagt Lydia Wilka. Die Schauspielerin aus Rostock ist gehört zu dem Dozenten-Team, das die Kinder unterstützt. An mehren Stationen macht der Umzug heute Halt. Ausgangspunkt ist die Recknitz am JAM-Gebäude, wo die Kinder eine Flaschenpost finden. Was darin steht, ist Vergangenheit und der Ausgangspunkt zu einer Entdeckungsreise durch die Geschichte der Salzstadt Bad Sülze, die am Salzmuseum endet. Um 18.30 Uhr geht es los. Vorgestellt wird dann auch der selbst kreierte Bad Sülze-Song.

„Wir haben uns von den Kindern einladen lassen, uns ihr Dorf mit ihren Augen zu zeigen“, erklärt Projektleiter Wolfgang Schmiedt. Je nachdem, welches Thema am wichtigsten erschien, wurde es auf unterschiedliche Weise angegangen. In Stremlow, südöstlich von Tribsees gelegen, erwacht beispielsweise das abgerissene Schloss wieder zum Leben. „Wir haben eine Kulisse entwickelt. Mit barocken Kleidern wird eine Theaterszene gespielt“, erklärt Dozentin Silke Schilling. Dabei nutzen die Kinder und Jugendlichen auch längst vergessene Orte der Dörfer, in Stremlow wird das die alte, seit Jahrzehnten nicht mehr genutzte Freilichtbühne sein. „Wir möchten auch die Erwachsenen animieren, ihr eigenes Dorf zu entdecken“, so Schilling.

Aktionen in Deyelsdorf, Redderstorf und Tribsees

In Deyelsdorf, südlich von Tribsees gelegen, wird für einen Abend der mittlerweile dem Verfall preisgegebenen alten Gaststätte wieder Leben eingehaucht. „Die Kinder berichteten von einer geheimnisvollen Schlägerei, von denen ihre Eltern immer wieder erzählen“, sagt Wolfgang Schmiedt. Ein Hörspiel, das am Tag der Aufführung aus verschiedenen Lautsprechern innerhalb des Gebäudes nach draußen klingt, ein kleines, actiongeladenes Theaterstück sowie Bierbänke und Limoverkauf lassen das Flair der alten Dorfgaststätte wieder aufleben.

In Redderstorf wird gereimt. Der Rapper Tino Bartos hat mit den Kindern einen Song über Emmi, die coolste Redderstorferin einstudiert. Erzählt wird die Geschichte zweier Großstädter, die sich in das Dörfchen verirren, anfänglicher Skepsis und später Sympathie zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen.

In Tribsees treffen Alt und Jung aufeinander. Mit der Sängerin Jacqueline Boulanger machte sich die Gruppe auf ins Awo-Seniorenheim. Aus den Geschichten, die die Bewohner ihnen erzählten, wird Musik. „Wir bringen den Senioren ein Lied und möchten eins mitnehmen“, sagt Boulanger.

Ob eine kleine Band, eine Theatergruppe oder etwas anderes: Uwe Bobsin hofft, dass sich aus den kreativen Aktionen mehr entwickelt. „Der Wohnort darf unseren Kindern und Jugendlichen nicht verloren gehen.“

Kulturinseln

Das Projekt „Kulturinseln“ wird vom Freundeskreis Popkultur zum ersten Mal umgesetzt und bringt Kindern und Jugendlichen ihre Heimat auf kreative Weise näher. Unterstützt wird das Projekt über das Pop-to-go-Programm des Bundesverbandes Popularmusik, den Fonds Soziokultur der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie dem Projekt Demokratie Leben des Familienministeriums.

Aufführungstermine: 26. Oktober, 18.30 Uhr, Bad Sülze, JAM Gmbh.2. November, 17 Uhr, Stremlow, ehemalige Freilichtbühne.9. November, 17 Uhr Deyelsdorf, Gutshaus und ehemalige Gaststätte. 16. November, 17 Uhr, Redderstorf24. November, 15.30 Uhr, Tribsees, Seniorenheim im Verbindungsweg.

Eine zweite Gruppe erarbeitet in der evangelischen Schule in Dettmannsdorf ein Programm. Weitere Orte, aus denen dort Kinder teilnehmen, sind Semlow, Niekrenz und Eixen.

Die Aufführungstermine:24. November, 17 Uhr, Semlow, Feuerwehr. 25. November, 11 Uhr, Niekrenz, Altes Gutshaus. 25. November, 18 Uhr, Eixen, Schmuggler Krug.1. Dezember, 19 Uhr, Bad Sülze, Markt.

Robert Niemeyer

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