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Familie Kirill hat nur einen Wunsch: Mama soll bei mir bleiben
Mehr Familie Kirill hat nur einen Wunsch: Mama soll bei mir bleiben
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00:00 14.10.2017
Kirills Mutter Tatjana Kravchenko gibt Hoffnung nicht auf. Quelle: Foto: P. Binder
Greifswald

Die Hoffnung, dass ihr zehnjähriger Sohn Kirill wieder gesund wird, ist der Strohhalm, an den sich Tatjana Kravchenko jeden Tag aufs Neue klammert. Ihr Kind ist schwer krebskrank, leidet an einem Neuroblastom. „Vielleicht kann ihm hier doch noch jemand helfen“, sagt die Mutter fast inständig bittend.

Der zehnjährige Kirill Boschek aus Donezk in der Ukraine wird wegen eines Neuroblastoms in Greifswald behandelt. Quelle: Foto: Tatjana Kravchenko

Die Krankheit

Neuroblastome sind bösartige Tumore. Sie entstehen aus entarteten unreifen Zellen des sympathischen Nervensystems, das die Funktionen von Herz- und Kreislauf, Darm- und Blasentätigkeit steuert.

Die Erkrankung tritt vor allem im frühen Kindesalter auf.

Vor zweieinhalb Monaten kam sie mit ihrem Sohn aus dem ukrainischen Donezk nach Deutschland und ist seitdem unentwegt an seiner Seite. Der Junge ist 2012 an Krebs erkrankt, hat seitdem mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen müssen. Immer wieder gab es Hoffnung, dann wurden erneut Tumore entdeckt. Inzwischen ist er ganz schwach, beim Besuch der OSTSEE-ZEITUNG schläft er die ganze Zeit.

Dass er noch eine Behandlung in Greifswald beginnen konnte, ist dem guten internationalen Ruf der Unimedizin bei der Behandlung von Neuroblastomen zu verdanken. Prof. Holger Lode, Chef der Kinder- und Jugendmedizin, forscht seit 25 Jahren auf dem Gebiet. Sein Team erhielt erst vor wenigen Wochen die europäische Zulassung für eine von ihm entwickelte Immuntherapie zur Behandlung des Neuroblastoms. Der Ruf des Greifswalder Kinderonkologen hat mit dazu geführt, dass Kirill für die Behandlung auch Geld von der Regierung bekam. „Das ist sehr selten“, sagt Waldemar Tyssen, der in seinem Ehrenamt als Vorsitzender des Vereins Hoffnungsanker in den vergangenen sechs Jahren viele krebskranke Kinder aus Osteuropa und deren Angehörige betreute. 30 bis 40 waren es, schätzt er.

Für Kirill sieht es trotz aller medizinischer Kunst schlecht aus. Der Junge sei leider zu spät nach Greifswald gekommen, bedauert Tyssen. Er habe Kirill und Tatjana Kravchenko erst auf dem Flughafen kennengelernt. „Der Kontakt kam durch andere ukrainische Eltern zustande“, berichtet er. Tyssen weiß, dass Kirill nicht mehr viel Zeit bleibt. Der Verein möchte der 36-jährigen Mutter deshalb ermöglichen, die ganze Zeit hier bei ihm zu sein. In Greifswald wohnt Tatjana Kravchenko in der Wolgaster Straße in einem vom Verein Hoffnungsanker eingerichteten Haus. Doch die Familie – der Vater ist Kraftfahrer, die Mutter hat bei einer Bank gearbeitet – hat keine Rücklagen mehr. „Sie ist dringend auf Spenden angewiesen, damit sie an der Seite ihres einzigen Kindes bleiben kann“, sagt Waldemar Thyssen und hofft auf die Hilfe der OZ-Leser. Einen Tag nach der Veröffentlichung im Greifswalder Raum trudelten gestern die ersten 1000 Euro Spenden ein.

Zurück nach Donezk können Mutter und das schwer kranke Kind nicht: Donezk ist die Hauptstadt der nicht anerkannten Republik Donezk, Kriegsgebiet. Dort werden seit 2016 eigene, aber international nicht anerkannte Pässe ausgestellt. „Das bereitet zusätzliche Probleme bei Reisen“, weiß Thyssen. „Und es gibt dort keine Behandlungsmöglichkeiten für mein Kind“, berichtet die Mutter sichtlich mitgenommen. „Wenn es keine Chance auf Heilung gibt, möchte ich bis zum Schluss bei Kirill sein“, sagt Tatjana Kravchenko und fügt an: „Mein Sohn wird in Greifswald sehr gut behandelt.“ Waldemar Tyssen lobt zudem die gute Zusammenarbeit mit den Ärzten und Krankenschwestern.

Die Wünsche des schwer kranken Jungen erfüllt der Verein, so gut es geht. „Wir haben mit Kirill eine Fahrt nach Lubmin gemacht, damit er einmal die See sieht“, erzählt Tyssen. Eine Fahrt zum Ozeaneum in Stralsund sei geplant. Der Zehnjährige möchte gerne Legosachen zum Zusammenbauen haben. „Je komplizierter, umso besser. Aber ich kann ihm das leider nicht kaufen“, so Tatjana Kravchenko.

Spenden für Familie Kravchenko an:

Hoffungsanker e. V. Vorpommern, Sparkasse Vorpommern IBAN: DE 58 1505 0500 0102 0326 53

Eckhard Oberdörfer

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