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Familie Rauchende Köpfe in der Kinderuni
Mehr Familie Rauchende Köpfe in der Kinderuni
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00:05 08.06.2017
Gestern bei der Kinderuni, in einer Physik-Vorlesung zum Thema „Was ist Nano?“ Quelle: Foto: Peter Binder
Greifswald

Es ist schon ein beeindruckendes Bild: die Wiecker Brücke als Miniatur, so nachgebaut, dass sie auf eine Nähnadel passt. Die Kinder im Hörsaal 5, denen der Greifswalder Physik-Professor Markus Münzenberg eine Aufnahme dieses Werks aus seiner Arbeitsgruppe zeigt, staunen. Aber ob sie verstehen, was das mit Atomen und Nanotechnologie zu tun hat?

Wie die Wikinger lebten oder was ein Atom ist – hunderte Grundschüler gingen dem auf die Spur

„Ich fürchte, der Vortrag war viel zu schwer für Grundschulkinder“, sagt nachher nicht nur Besucher Harald Schröder, der mit seinem zehnjährigen Enkel Linus gekommen ist – zur Kinder- und Jugend-Uni, zu der die Hochschule gestern einlud und heute wieder.

Linus und 350 weitere Grundschulkinder sitzen in verschiedenen Hörsälen, nehmen an Führungen in der Zoologie teil oder erkunden den Rettungswagen auf dem Hof. Rund 300 Kinder ab Klasse fünf werden am heutigen Folgetag erwartet, zehn weitere Vorträge in Geistes- und Naturwissenschaften stehen für sie auf dem Programm.

„Wir möchten den Kindern gern vermitteln, was eigentlich an einer Universität passiert und woran unsere Wissenschaftler so arbeiten“, erklärt Franziska Vogel von der Pressestelle der Hochschule.

2006, zum 550-Jahr-Jubiläum der Einrichtung, war das Konzept gegründet worden.

Unter anderem Lehrerin Tanja Rocke von der Krull-Schule in Greifswald nutzt es gern, mit ihrer 2a ist sie gekommen. „Ich finde es toll, dass die Kinder auf diese Art einen Einblick kriegen, bei vielen haben auch die Eltern hier studiert“, erzählt sie. „Außerdem hören sie dann mal was anderes als in der Schule.“

Doch wissenschaftliche Themen so darzustellen, dass sie in den Kinderköpfen nicht nur Fragezeichen hinterlassen – „das ist gar nicht so leicht, da muss man schon sehr stark vereinfachen“, sagt die Greifswalder Skandinavistin Berit Glanz. Parallel zu Münzenberg sprach sie gestern in Hörsaal 1 über das Thema „Wer waren die Wikinger?“ So ganz ihr Forschungsgebiet ist das zwar nicht, gibt die 34-Jährige zu, „ich beschäftige mich mit skandinavischer Literatur der neueren Zeit, so ab 1600.“ Aber die rund 1000 Jahre alten isländischen Sagas, in denen die Wikinger eine Rolle spielten, müsse sie dafür auch kennen. „Und das Thema zieht einfach bei Kindern.“

Von Beobachtern war zu hören: Die Präsentation kam an. Berit Glanz hatte Trockenfisch mitgebracht und durch die Bänke gereicht. „Am Anfang fanden ihn alle eklig, weil er wirklich sehr intensiv riecht“, erzählt sie lachend. Am Ende wollten viele probieren. Die Wissenschaftlerin hatte den Kindern unter anderem erzählt, wie die Wikinger früher hier im Norden lebten, dass man vieles über sie wisse, weil historische Müllberge ausgegraben worden seien, dass sie zwar keine Hörner an den Helmen hatten wie in den „Wiki“-Filmen, aber Hörner zum Trinken nutzten. Und: Dass sie mit Trockenfisch handelten und solch ein Fisch heute noch bei isländischen Kindern auf dem Pausenbrot lande. „Danach wollten viele wissen, wie er schmeckt, und kein Kind hat ihn wieder ausgespuckt“, erzählt Berit Glanz. Auch ihre Einstiegsidee hatte die Kinder gepackt: Sprachlich vereinfachte Abschnitte aus der alten Saga las sie vor, um eine Wikingerschlacht ging es darin. Von kämpfen, rudern, werfen und jubeln war dauernd die Rede, die Kinder sollten dazu vereinbarte Bewegungen machen, etwa mit den Füßen stampfen oder Hurra rufen. Berit Glanz lacht. „Es war sehr laut und sehr lustig im Hörsaal...“

Kinder- und Jugenduni: Die Vorlesungen heute

Für Kinder ab Klasse 5 gibt’s heute zehn weitere Vorträge in der Rubenowstraße 1.

9 Uhr, Hörsaal (HS) 3: Schildkröteninsel Amerika; warum die Ureinwohner um ihr Land kämpfen

HS 5: Geheimnisse der Tiefsee

H S1: Das Gesicht – Spiegel unserer Gefühle

10 Uhr, Sprachlabor 4: Palliativmedizin – Trauer und Tod

HS 1, Recht und Medien

HS3, Wege zum Wissen

11 Uhr, HS1, Die Physik der schnellen Bälle

HS 5, Der Riesenkalmar Architeuthis, HS 3: Das Gesicht – Spiegel unserer Gefühle

Nicht nur Schulklassen, auch einzelne Kinder können kommen. Um Anmeldung wird gebeten: ☎ 03834 4201150

Sybille Marx

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