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Helios Pflegebedürftigkeit verhindern – Leben retten. Stroke Unit am Helios Hanseklinikum Stralsund überregional zertifiziert
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14:27 16.03.2018

Die Stroke unit (Schlaganfall-Spezialabteilung) ist seit Dezember 2017 überregional zertifiziert. Sie erfüllt damit die strengsten Vorgaben in der schnellen Behandlung von schweren Schlaganfällen. „Im Umgang mit den schweren Schlaganfällen hat es 2015 einen großen Qualitätssprung gegeben“, erklärt Prof. Dr. Jörn Peter Sieb. „Es konnte in einer Studie erstmals für den Schlaganfall nachgewiesen werden, dass bei der Katheter-Therapie das Risiko des Eingriffs geringer als der mögliche Nutzen ist“, so der Facharzt. Bei der Katheter-Therapie führt ein Radiologe einen Katheter bis an das geschlossene Gefäß im Kopf heran und löst das Blutgerinnsel auf. Seit der Veröffentlichung der Studie ist diese Therapie Standard. Die Neurologie im Hanseklinikum hat ihre Stroke Unit nun so aufgestellt, dass eine überregionale Zertifizierung möglich ist. Der Leiter der Stroke Unit, Dr. med. Leif Lorenz, kann mit seinem Team eine 24/7-Bereitschaft garantieren. Dazu sind täglich sieben Tage die Woche drei Radiologen abwechselnd in Bereitschaft, um einen möglichen Eingriff mittels der Katheter-Technik vorzunehmen. Der Pflegepersonalschlüssel sieht vor, dass pro Bett zwei Vollzeitbeschäftigte vorzuhalten sind. Im Stralsunder Fall sind das bei sieben Betten (kann bis zehn Betten aufgestockt werden) 14 Pflegekräfte. Wochentags kümmern sich ein neurologischer Assistent und ein Facharzt um die Patienten. Hinzu kommen Therapeuten und Mitarbeiter aus den Sozialdiensten.
„Durch unseren Einsatz kommen die
schweren Fälle mit wesentlich besseren
Voraussetzungen in die Rehabilitation“,
stellt Dr. Leif Lorenz klar.
Neben der Katheter-Therapie kann
auch die bisher angewandte Lyse-
Therapie zum Einsatz kommen. Hier
wird mittels einer Infusion auf die
Blutgerinnung eingewirkt. Wichtig
ist jedoch bei beiden Therapien,
dass der Eingriff möglichst schnell
vorgenommen werden kann. Bei der
Lyse-Therapie innerhalb von 30 Minuten
nach der Meldung. Beim Eingriff
mittels Katheter beträgt die Zeit 60
Minuten. Erfolgreich behandelt werden
kann der schwere Schlaganfall
bis nach 4,5 Stunden nach Auftreten
(Lyse) beziehungsweise bis nach 6
Stunden (Katheter). „Nach der Diagnose
entscheiden wir, welche Therapie
beim jeweiligen Patienten infrage
kommt. Das ist auch abhängig vom
Ort des Gerinnsels und der Größe
der Gefäße“, erklärt Dr. Leif Lorenz.
Stroke Units gibt es in Deutschland
seit über 20 Jahren (Essen, Minden).
Aus anfangs nur einigen wenigen Betten
sind jetzt mehr als 2000 Betten
geworden. In Stralsund wurde diese
Spezialstation 2005 aufgebaut. Zirka
250 Patienten konnte
die Stralsunder Klinik
2005 helfen. Die Zahl
der Schlaganfall-Patienten
hat sich jetzt
in der Hansestadt auf
750 bis 800 Patienten
erhöht (500 pro Jahr
sind für eine überregionale
Zertifizierung
notwendig). „Die Gründe für diese
Erhöhung liegt einerseits an der höheren
Lebenserwartung, andererseits
auch an der größeren Sensibilisierung
in Richtung Symptome bei Schlaganfall.
Schließlich decken wir auch einen
größeren regionalen Bereich ab, als
noch vor ein paar Jahren“, erzählt der
Leiter der Neurologie Prof. Dr. Jörn
Peter Sieb. Von 800 Schlaganfall-
Patienten wurden im vorigen Jahr bei
80 Patienten Lyse- und 24 Katheter-
Therapien vorgenommen. Alle anderen
Patienten kamen entweder zu
spät oder es lagen keine Hirnblutungen
vor. Sie wurden ohne Therapien
nach der medizinischen Diagnostik
an die Rehabilitation weitergegeben.
Dr. med. Claas Wiese ist einer der
drei Radiologen auf der Stroke Unit.
Er kam 2016 aus Kiel und wollte bei
der Schlaganfall-Therapie unbedingt
dabei sein. „Es ist für mich ein sehr
spannendes Feld“, sagt er und erklärt
an einem Beispiel, wie er einer
Patientin helfen konnte. „Auf dem
CT-Bild (links) sieht man, dass ein
großer Teil des Gehirns nicht mehr
durchblutet ist. Mithilfe des Katheters
konnte das Gerinnsel aufgelöst
und die Arterien wieder freigemacht
werden (rechts). Auf dem dritten Bild
(Mitte) ist nur noch ein kleiner Teil zu
sehen, der nicht mehr versorgt ist. Die
Patientin hat nur noch wenige Einschränkungen“,
erklärt Claas Wiese.
Für Prof. Dr. Jörn Peter Sieb ist es
wichtig zu betonen, dass bei einem
Verdacht des Schlaganfalls, die jeweiligen
Patienten aus unserem Landkreis
direkt ins Hanseklinikum in seine
Abteilung gebracht werden. „Es
ist eine Frage der Zeit“, sagt er und
fügt hinzu: „Die Patienten bleiben in
der Regel 24 bis 72 Stunden bei uns
auf der Station. Was Claas Wiese und
die Kollegen für sie getan haben, ist
nicht hoch genug einzuschätzen.“

Helios Hanseklinikum Stralsund
Große Parower Straße 47-53
18435 Stralsund
Telefon 03831 35-0
info.stralsund@helios-gesundheit.de