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Kunstbörse Lust am Probieren und Konstruieren
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16:40 28.10.2015
Mechthild Mannewitz in ihrem Atelier in Rostock. Quelle: Thomas Häntzschel / nordlicht

Die Grande Dame der Rostocker Malerei. Wenn sie das über sich in der Zeitung liest, lächelt Mechthild Mannewitz und sagt: „Ach, ich finde das eigentlich nett, ganz charmant. Und ein bisschen was schneid‘ ich mir auch davon ab.“ Und sicher mit Recht. Ihr Lebenswerk schätzt die Malerin auf etliche hundert Bilder, die leben von großer stilistischer Vielfalt. Sie ist in der hiesigen Szene bekannt.

Kein Wunder, dass man auf sie zurückkam, als in den 90er Jahren ein Film über den Rostocker Autor Walter Kempowski (1929-2007) und dessen Rückkehr in die Hansestadt entstand, denn ausgerechnet der Blick aus ihrer Wohnung im Obergeschoss, ein wahrhaft majestätischer Rundblick auf Rostock, wurde für die Dreharbeiten gebraucht. Auch später, als die Stadt Kempowski im Rahmen der Ehrungen seiner Person ein Rostock-Gemälde schenken wollte, fiel die Wahl auf eine Ansicht des Pfingstmarktes auf der Elisabethwiese von Mechthild Mannewitz.

Das Erstaunliche an ihren Bildern: Die stilistische Vielfalt entwickelte Mechthild Mannewitz nicht nacheinander, in einzelnen Phasen, sondern parallel. Sie malt Gegenständliches, andere Bilder nichtgegenständlich („Ich sage ungern ,abstrakt‘, das ist ja selbst ein abstrakter Begriff.“); mal gibt es da eher frei Entwickeltes, bei dem das Resultat nach einem Prozess des Suchens für die Künstlerin selbst überraschend kam, dann wieder gibt es planvoll Konstruiertes. Und in allem zeigt sich eine Lust am Ausprobieren, am Experimentieren oder Konstruieren, mit der diese Bilder frisch wirken. Malen, so scheint es, hält jung. Anfang Dezember wird Mechthild Mannewitz 89. Doch obgleich ihr das Stehen schwerfällt, steht sie fast jeden Tag vor der Leinwand. „Malen ist mein Lebenselexier“, sagt sie. „Wenn ich mal nichts gemacht habe, dann bin ich in mieser Stimmung.“

Dieses Lebenselixier ist ihr nicht in die Wiege gelegt worden, doch der kulturbürgerliche Haushalt, in dem sie als Mechthild Schlenger aufwuchs, dürfte die spätere Berufswahl gut vorbereitet haben.

Ihr Vater war Kurt-Edgar Schlenger, erster Geiger und Konzertmeister des Städtischen Orchesters, und zu Hause verkehrten regelmäßig bildende Künstler, malten dort manchmal auch.

Nach der Schule beginnt sie eine Fotografenlehre, muss diese unterbrechen, weil sie zum Reichsarbeitsdienst einberufen wird. Im letzten Kriegsjahr folgt eine Anstellung in der Werkfotoabteilung bei Dornier in Wismar. Im Chaos der Nachkriegszeit sucht die 19-Jährige ihren Platz. Sie kommt bei den Bühnenbildmalern des Stadttheaters unter. „Dort malte ich auch Dekorationen, mit dem großen Pinsel“, erzählt sie. Und kommt nun zur Kunst. Ihre Ausbildung übernimmt fortan der Rostocker Maler Egon Tschirch (1889-1948), nach dessen Tod Thuro Balzer (1882-1967). 1952 wird sie Mitglied im Künstlerverband der DDR. Sie heiratet zwei Jahre später den Maler und Restaurator Lothar Mannewitz (1930-2004), bringt drei Kinder zur Welt, zieht sie groß — und malt viel.

Ausstellungen beginnen in den 50er Jahren, die erste im Kunstkaten Ahrenshoop. 1977 berichtet der Katalog einer großen Schau des Künstlerpaares Mechthild und Lothar Mannewitz in der Rostocker Kunsthalle von zahlreichen Ausstellungen in der CSSR, in Polen, Finnland und Schweden. „Ich habe schon damals ‚abstrakte‘ Bilder ausgestellt, und die Kunsthalle hat sie angekauft, obgleich das doch nicht so gern gesehen wurde“, erinnert sie sich. „Aber nun sah ich: Es geht ja doch, man kann doch was machen.“ Eines der Bilder, die die Kunsthalle übernahm, eine „Hommage à Skrjabin“, liegt ihr nach wie vor besonders am Herzen. „Ich denke, ich habe etwas von Skrjabins Musik reinbringen können.“

Ein Akt des Ausprobierens auch das. Es gehört zu ihrem künstlerischen Credo: „Dass man ausprobieren muss, was Spaß macht. Vor allem sollte es Spaß machen, man sollte es nicht so verbissen sehen.“



Dietrich Pätzold