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Kommentar Das Lernziel verfehlt
Mehr Meinung Kommentar Das Lernziel verfehlt
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00:05 04.05.2016

Die Daten sind knapp 18 Monate alt, aber die Erkenntnisse brandaktuell. Der Datenreport 2016 zur sozialen Situation von Deutschen und speziell Migranten hierzulande enthüllt zwar eine Binsenweisheit, wie sie seit Generationen Ältere den Jüngeren predigen: je höher die Bildung, desto besser die Chance am Arbeitsmarkt auf höhere Einkommen und sozialen Status. Aber angesichts der Menge an Flüchtlingen, die seit knapp neun Monaten zu uns strömen, muss man viele Teile des 482 Seiten starken Reports als Mahnung an die Politik verstehen. Oder, wie eine Autorin der Studie gestern betonte:

Für die aktuelle Situation Geflüchteter müsse man lernen, „was wir anders und richtiger machen können“.

Dabei werden die Schlussfolgerungen ja längst diskutiert und zumindest teilweise umgesetzt: Integration funktioniert nur, wenn sie schnell beginnt, wenn Migranten rasch passende Bildungsangebote bekommen, startend mit einem Deutschkurs, und wenn sie Gelegenheit bekommen zu arbeiten. Wenn das nicht gelingt, gibt es keine Integration, sondern das Gegenteil: Desintegration. Die Zuwanderer drohen abzurutschen — schlimmstenfalls in Schwarzarbeit und Kriminalität.

Die Regierung weiß das natürlich, aber noch immer mangelt es an elementaren Voraussetzungen. Asylverfahren dauern viel zu lange, weil geschultes Personal fehlt. Abschiebungen werden zu selten konsequent vollzogen. Und für diejenigen, die bleiben dürfen, fehlt es an genügend Integrations-, Aus-, Fort- und Weiterbildungskursen, weil das Geld dafür nicht da ist. Vielleicht verständlich, wenn man davon ausgeht, dass erst mit der Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge im Herbst 2015 das Problem der raschen Integration offenkundig wurde.

Allerdings hat schon der Datenreport 2013 auf den Zusammenhang zwischen Bildung, Integration und sozialem Status hingewiesen. Merkwürdig, dass diese Erkenntnis immer wieder Impulse braucht — wie eine Flüchtlingskrise. Denn natürlich gilt all das nicht nur für Migranten, sondern auch für Deutsche. Vielerorts gibt es noch immer Defizite in der Betreuung von Vorschulkindern, entgegen allen Zielvorgaben der Politik. Schulen sind nicht ausreichend ausgestattet, um schwierige Fälle zu betreuen. Unternehmen beklagen den Bildungsstand potenzieller Auszubildender. Universitäten sind überfüllt.

Vom legendären US-Präsidenten John F. Kennedy stammt der schöne Satz: „Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“ Es wird also Zeit, dass die Politik allen Ankündigungen und Bekenntnissen eine Menge Geld und intensive Erforschung über die richtigen Investitionsziele hinterherschiebt. Und zwar nachhaltig. Damit wäre nicht nur einzelnen Deutschen und Migranten geholfen, sondern dem Gemeinwesen hierzulande insgesamt.

OZ

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