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Der tiefe Absturz

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Ex-Bundespräsident Wulff muss vor Gericht.

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Ein Blick auf ein Foto des heutigen Christian Wulff genügt: Hier hat einer gelitten wie ein Hund. Abgestürzt — von Schwiegermutters Liebling zum Raffke der Nation, vom Mann für alle CDU-Fälle bis zum Depp in Sachen Ehe und Familie. Dass am Ende vom scheinbaren Elefanten nur eine Mücke übrig blieb, ist nicht weiter relevant. Dieser Prozess, der ihm jetzt wegen Vorteilsnahme bei der Dienstausübung als Ministerpräsident bevorsteht, wird Wulff nicht noch tiefer abstürzen lassen. Haus weg, Frau weg, Ansehen weg, Amt weg — Zukunft futsch. Es lief schief, was nur schieflaufen konnte. Gefühlt kommt es längst nicht mehr auf die Schlussabrechnung an.

Mit 54 Jahren wäre Wulff, sollte die Staatsanwaltschaft ihre Anklage durchbringen, der jüngste kleinkriminelle ehemalige Bundespräsident mit der kürzesten Amtszeit und dem größtmöglichen angerichteten Schaden. Denn auf dem Höhepunkt der Hatz auf Wulff ging es auch um weniger gewaltige Dinge: um ein Bobbycar, um eine kleinbürgerliche Klinkerfassade, um private Gerüchte und um politischen Flurschaden. Übrig geblieben ist ein materieller Streitwert von weniger als 800 Euro. Ein Vorwurf, der genügt, um normalen Bediensteten im öffentlichen Dienst die Karriere kaputt zu machen. Für den Politiker Wulff, der gerne Vorbild sein wollte, darf es keine Bevorzugung geben. Trotz des öffentlich sichtbaren Verfalls, unter dem der Mensch Christian Wulff leidet. Aber es ist nötig, jenseits des Dramas mit Wulff als Hauptperson, über Schlussfolgerungen einer aus den Fugen geratenen Welt des Schnellgerichts nachzudenken. An Wulff wurde ein Exempel statuiert, durch wabernde Gerüchte und eine von vielen gefütterte Kampagne.

Angela Merkel war es, die einen unausgereiften Politiker in der CDU loswerden wollte. Dafür schenkte sie ihm den Weg ins oberste Staatsamt dieser Republik. Nicht für alles, was mit dem Namen Wulff verbunden ist, darf er allein in Haft genommen werden. Aber das ändert nichts daran, dass akribisch genau Recht zu sprechen ist, gleichgültig, wie leid einem der Mensch Wulff auch tut. Noch ein solcher Fall wäre aber schwerlich zu ertragen. Seite 3

 

Dieter Wonka

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