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Die Schweiz verliert das Vertrauen in die Euro-Krisenpolitik.

Der Franken-Schock Die Schweiz verliert das Vertrauen in die Euro-Krisenpolitik.

Von Jens Burmeister

Die Schweiz — bekanntlich das Land der Berge und Banknoten, wo sich Fuchs und Nerz „Gute Nacht“ sagen — hat Europa geschockt. Man mag über die zuweilen eigensinnigen Schweizer urteilen, wie man will — aber sie haben Mut, ihren starken Nachbarn zu trotzen, wenn sie es für angebracht halten.

Mit der Freigabe des Wechselkurses ist die Schweiz nicht nur aus der Schicksalsgemeinschaft mit dem Euro ausgestiegen. Sie hat auch klar zu erkennen gegeben, dass sie von der Eurozone und ihren Krisenmanagern künftig wenig Gutes erwartet. Die Auswirkungen des Franken-Schocks für den Kontinent sind noch gar nicht zu erahnen. Schon jetzt gehen erste Hedgefonds pleite oder müssen unter hohen Kosten stabilisiert werden, um eine Kettenreaktion am Finanzmarkt zu verhindern. Fakt ist, mit der Schweiz geht ein großer Aufkäufer von Euro-Anleihen von Bord, der die Einheitswährung mit über Wasser gehalten hat.

Auch wenn der Preis hoch ist, den die eidgenössische Exportindustrie und der grenznahe Einzelhandel zahlen werden: Die Schweiz will der europäischen Weichwährungs-Politik und dem europäischen Dogma, dass sich die Währung der Exportfähigkeit unterzuorden hat, nicht länger folgen — wissend, dass sie ihren Wohlstand auch dem harten Franken verdankt. Denn ist es nicht so, dass eine starke Währung nun mal auch teure Rohstoffimporte verbilligt und den Verbraucher entlastet, der dann weniger Geld für Waren aus aller Welt zahlen muss?

Zwischen Berlin und Lissabon ist man indes immer neue Experimente eingegangen, um der Euro-Krise Herr zu werden: dauerhaft niedrige Renditen bis hin zu Negativzinsen auf Spareinlagen, das Aufspannen löchriger Rettungsschirme, eine Hardcore-Sozialpolitik in Griechenland, die bei den Wahlen am nächsten Wochenende wohl endgültig scheitert, und nun der geplante Großaufkauf von Staatsanleihen durch die EZB — gerade so, als ob die Finanzmärkte nicht schon genug in Liquidität schwimmen. Europa hat sich in ein großes finanzpolitisches Testlabor verwandelt. Die Eidgenossen haben genug davon und ihr Vertrauen in die Zukunft des Euro verloren. Ein schlechtes Omen. Seite 4

 



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