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Kommentar Die einsame Weltmacht
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03:39 07.09.2013
Von Joachim Riecker

Es war eine Szene mit großer Symbolkraft: Alleine ging US-Präsident Barack Obama durch die weitläufige Gartenanlage des Schlosses Peterhof bei St. Petersburg. Als letzter Gast erschien er dann beim abendlichen Staatsbankett, das Russlands Präsident Wladimir Putin für die Staats- und Regierungschefs des G20-Gipfels gab. Obamas Gesichtszüge wirkten starr, während er durch den von Scheinwerfern ausgeleuchteten Park schritt. Nur hin und wieder winkte er einem vereinzelten Fotografen zu und setzte dabei sein breites Lächeln auf, das aber sofort wieder verschwand.

Es ist einsam geworden um den mächtigsten Mann der Welt, wie sich auch bei der Diskussion über Syrien zeigte, die schon beim Abendessen begann und dann noch lange weiterging. Dass es zwischen ihm und Putin beim heiklen Thema Syrien eine Annäherung geben würde, hatte niemand erwartet. Doch auch die Staats- und Regierungschefs vieler anderer Länder machten deutlich, dass sie einen Militärschlag gegen das Regime von Präsident Assad ablehnen. Wie es aus der chinesischen Delegation hieß, nehme man es dem Westen noch immer übel, dass er die Errichtung einer Flugverbotszone über Libyen 2011 zu einem „Regimewechsel“ nutzte. Außerdem habe man Zweifel, ob tatsächlich die Armee von Präsident Assad für den Giftgas-Einsatz verantwortlich sei. Aber wenigstens eskalierten die Konflikte auch nicht weiter. Ruhig und ohne große Emotionen trugen nach Angaben von Teilnehmern Obama und Putin ihre Argumente vor und heizten den Konflikt nicht weiter an. Am Ende trafen sie sich schließlich doch persönlich.

Deutlich wurde bei der Diskussion im Schloss Peterhof aber vor allem, dass für die meisten Mitgliedsländer der G20 der syrische Bürgerkrieg sehr weit weg ist — für Mexiko oder Brasilien, Südkorea oder Südafrika sind andere Probleme viel wichtiger. Zwar ist niemand erfreut darüber, dass in Syrien nun offenbar in großem Maße Giftgas eingesetzt wurde. Doch kaum jemand ist bereit, Obama bei Militärschlägen zu unterstützen. Das gilt auch für Deutschland, wie Angela Merkel in der Gipfelrunde erneut deutlich machte. Seite 4

OZ

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