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Die falsche Veranstaltung

Kristina Schröders Familiengipfel blieb Antworten schuldig. Die falsche Veranstaltung

Wen überrascht‘s? Wer im Wahljahr zu einem „Familiengipfel“ einlädt, bei dem sich Wirtschaft und Politik gegenseitig auf die Schulter klopfen, muss mit Verrissen rechnen.

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Gute Entscheidung

Von Gabi Stief

Kaum hatte Ministerin Kristina Schröder gestern ihre Gäste nach Hause entlassen, hagelte es die erste Kritik. Die IG Metall spottet über „Schaufensterpolitik“. SPD und Grüne werfen der Bundesregierung eine konzeptionslose Familienpolitik vor, und der Deutsche Familienverband spricht von Symbolismus und Aktionismus.

Zu Recht. Denn wer von diesem sogenannten Gipfeltreffen profunde neue Erkenntnisse über die Familienfreundlichkeit der Arbeitswelt erwartet hatte, war auf der falschen Veranstaltung. Stattdessen ging es offenbar vielmehr darum, einer Ministerin eine Bühne zu bieten, die um Anerkennung kämpft.

Schon seit längerem steht Kristina Schröder unter dem Druck, beweisen zu müssen, dass ihre Politik der freiwilligen Vereinbarungen mit der Wirtschaft tatsächlich erfolgreich ist. Vor allem bei der Frage, wie hart man der Wirtschaft eine Frauenquote verordnet, sorgt sie innerparteilich bei den eigenen Frauen regelmäßig für reichlich Unmut.

Anders als bei der Quote dürfte es allerdings dem Gesetzgeber schwer fallen, familienfreundliche Arbeitszeiten herbeizuzwingen. Ein Rechtsanspruch auf die Rückkehr von der Teilzeit- auf eine Vollzeitstelle könnte in der Tat vielen Eltern helfen. Aber in der Regel ist es eben an den Unternehmen, zu erkennen, dass ökonomischer Erfolg in Zukunft davon abhängig ist, wie stark man Vätern und Müttern entgegenkommt — vom Angebot einer betrieblichen Kinderbetreuung bis hin zu individuellen Arbeitszeitregeln.

Es geht um einen Wandel der Unternehmenskultur. Dabei könnte und sollte die Wirtschaft vorangehen. Dies war dann wenigstens doch eine Erkenntnis des gestrigen Gipfels: Alle Beteiligten betonten, dass sich im Kopf etwas ändern muss. Schön wäre es beispielsweise, wenn sich die Einsicht durchsetzt, dass Leistung Respekt verdient und nicht die Anwesenheit bis in den späten Abend voraussetzt.

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OZ

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