Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kommentar „Die furchtbaren Ereignisse dürfen nicht vergessen werden“
Mehr Meinung Kommentar „Die furchtbaren Ereignisse dürfen nicht vergessen werden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 08.05.2018
Der Marktplatz von Demmin in einer historischen Aufnahme nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945. Quelle: Foto: Kreisheimatmuseum Demmin
Demmin

Mahnwachen, Demonstrationen und ein Friedensfest: In Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) herrscht heute Ausnahmezustand, die Polizei ist mit einem Großaufgebot vertreten. Der Grund: Seit Jahren ziehen Neonazis am Tag der Befreiung durch Demmin, um die deutsche Opferrolle zu propagieren und anschließend am Hafen einen Kranz in die Peene zu lassen. Von Ende April bis zum 3. Mai 1945 hatten sich Hunderte Demminer und Flüchtlinge aus Angst vor der Besetzung der Kleinstadt durch die Rote Armee das Leben genommen. Gegen den Marsch der Neonazis organisiert das Bündnis „Demmin Nazifrei“ ebenfalls am Hafen ein „Friedensfest“ und einen Stadtspaziergang.

Für weitere Unruhe in der Stadt sorgt der Brand vom Sonnabend am Lübecker Speicher. Gestern hat der Staatsschutz die Ermittlungen dazu aufgenommen. Die Ermittler schließen eine Brandstiftung im Zusammenhang mit einem geplanten Konzert der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ nicht aus. Die Band soll heute auf dem direkt an den Speicher angrenzenden Hafengelände spielen, um damit gegen einen Aufmarsch von Neonazis zu protestieren. Auf der OZ-Facebook-Seite ist anlässlich dieser Ereignisse eine kontroverse Leserdebatte entbrannt.

Gunnar Müller hinterlässt seinen Beitrag zu den massenhaften Selbstmorden. Es sei eine Zeit gewesen, in der die Angst vor Gräueltaten schwerer wog als die Lust am Leben. „Krieg ist für viele ein ,rechtsfreier’ Raum. Es ist absolut wichtig, auch diese Seite der Geschichte in Erinnerung zu behalten.“ Karola Wolter setzt hinzu: „Ich empfehle den für mich beeindruckenden Doku-Film ,Über Leben in Demmin’“. Und Rocco Rudolf schreibt: „Es gibt Bücher und Zeitzeugenaussagen, die zum Thema Kriegsende und Überleben in Demmin viel berichten können.“ Jo Ro sagt: „Schon als ich das las, dachte ich: Na, wo sind die Freunde von der NPD? So schnell kann man gar nicht gucken, wie sie zu ihrer Veranstaltung einladen.“

  Harriet Lübke findet gut, wie sie betont, „dass dieses furchtbare Ereignis bis heute nicht vergessen wird und dass man endlich offen darüber reden kann.“ Vieles sei zuvor totgeschwiegen worden, „und damit wurde den Beteiligten nicht die Würde und die Achtung zugesprochen, die sie verdient hätten.“ Die Leserin mahnt, es nie wieder zuzulassen, dass Menschen solche Taten verüben.

Martina Wanke Epperlein notiert: „Diese Geschichte ist furchtbar und traurig.“

  Saby Camel indes kann der Erinnerungskultur kaum etwas abgewinnen. „Oh mein Gott, immer dieses Aufgewärme von altem Kaffee. Leute, es ist Vergangenheit. Doch alles, was mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hat, wird immer schön breitgetreten.“

Juliane Lange

Mehr zum Thema

Nirgendwo werden so viele archäologisch wertvolle Entdeckungen gemacht wie auf Rügen – so wie jüngst der Silberschatz von Schaprode. Jetzt kämpft die Insel darum, sie zu zeigen.

05.05.2018

Nirgendwo werden so viele archäologisch wertvolle Entdeckungen gemacht wie auf Rügen – so wie jüngst der Silberschatz von Schaprode / Jetzt kämpft die Insel darum, sie zu zeigen

05.05.2018

Reinhard Meyer, Chef der Staatskanzlei, plädiert für ein Strukturgesetz und mehr Nutzeffekte für Gäste. Firmen sollten sich intensiver um Fachkräfte kümmern.

08.05.2018
Kommentar Begehrter Fisch aus der Region - Unter Druck

Das Fischbrötchen gehört zum Ostseeurlaub dazu wie Strand und Möwen. Jedes Ferienziel ist mit bestimmten Gerichten verbunden.

08.05.2018
Kommentar Kritik an Kreisgebietsreform in MV - Regierung muss nachbessern

Da ist es wieder, das Gespenst der Kreisgebietsreform. 2011 nach großem Knatsch und nur knappem Richterentscheid zur Verfassungskonformität von oben durchgesetzt, ...

08.05.2018
Kommentar Tauziehen beim Tourismus - Geld und Tempo gefragt

Wieder knirscht es im Gebälk. Nach Polizei und Mindestlohn ist das nächste Reizthema in der Schweriner Koalition gefunden.

07.05.2018
Anzeige