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Eine Feindschaft fürs Leben

4sp 30 13 Eine Feindschaft fürs Leben

Lange hat FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle geschwiegen zum Aufschrei-Disput über seinen Dirndl-Sexismus. Diese Woche ließ er bei seiner traditionellen Journalisten-Runde für einen Moment den Blick in sein brodelndes Innenleben zu.

Auf die Frage, wieso er beim FDP-Bundesparteitag die rot-grüne Opposition als „fehlgeleitete Fuzzis“ abkanzelte, verriet Brüderle, dass es eigentlich nur gegen einen von „denen“ ging, den Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin. „Der hat mich an Aschermittwoch öffentlich einen Schweinehund genannt“, schimpfte Brüderle. Das war auf dem Höhepunkt der Sexismus-Affäre. Hier entstand eine politische Feindschaft fürs Leben — denn nachtragend sind beide Beteiligte.

In dieser Woche konnte Philipp Rösler spüren, wie es sich anfühlt, wenn man beachteter Spitzenpolitiker ist. Eine neue Erfahrung. Erst hielt ihn auf dem FDP- Bundesparteitag der frischgekürte Präside und Quälgeist Wolfgang Kubicki für einen fast ganz großen Vorsitzenden — „jetzt fehlen ihm noch Wahlerfolge mit uns“. Dann machte Rösler für knapp 24 Stunden Station in Kroatien. Dort wurde er mit Pomp begrüßt, als „großer Vizekanzler aus Deutschland“. So viel Polizei-Begleitung und abgesperrte Straßen gab es da zuletzt beim Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck vor drei Monaten. Dabei ist der Vize-Titel praktisch bedeutungslos. Es sei denn, man glaubt an die Macht des Scheins. Das macht Rösler jetzt. Vielleicht begleitet ihn auch deshalb seit kurzem ein starkes Personenschutz- Kommando. Rösler weiß, wie sehr es auch auf die Kulisse ankommt. Als er vor zwei Jahren, in der Nachfolge Guido Westerwelles, als FDP- Chef und neuer Vizekanzler begann, prägte sich ihm im August 2011 eine Szene auf dem Parkplatz bei Schloss Bensberg (Bergisch Gladbach) ein. Dort traf sich die FDP-Bundestagsfraktion zur spannenden Klausurtagung. Rösler war gerade von seinem Fahrer unscheinbar ausgeladen worden, hatte sich selbst Kleidersack und Aktenköfferchen geschnappt, um zur Rezeption zu gehen. Niemand der Zaungäste achtete damals auf den jungen Chef, denn im gleichen Moment war der Noch-immer-Außenminister Westerwelle eingetroffen. Zwei große, schwere Limousinen stoppten auffällig, Leibwächter sprangen heraus, rissen für den Minister die Autotür auf, drängten Medienvertreter wuchtig beiseite und stürmten im großen Pulk an Rösler, dem Alleingänger, vorbei. Ein Bodyguard Westerwelles schleppte sich mit dem Kleidersack des Ministers ab. Kurze Zeit gingen damals der als Kofferträger abgestellte Personenschützer und Rösler als Kofferträger in eigener Sache nebeneinander. Das passiert Rösler heute nicht mehr.

OZ

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