Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Euros für den Wahlkampf

Der Streit um neues Geld für die Griechen hilft der SPD nicht. Euros für den Wahlkampf

Ausgerechnet Ahrensburg! Die beschauliche Gemeinde im Hamburger Speckgürtel schreibt Wahlkampf-Geschichte. Zumindest ein neues Kapitel im bislang so müden Rennen um die Macht in Berlin.

Voriger Artikel
Schattenseiten
Nächster Artikel
Der tiefe Absturz

Von Gerald Goetsch

Ausgerechnet Ahrensburg! Die beschauliche Gemeinde im Hamburger Speckgürtel schreibt Wahlkampf-Geschichte. Zumindest ein neues Kapitel im bislang so müden Rennen um die Macht in Berlin. Ausgerechnet in der schleswig-holsteinischen Provinz rutschte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble raus, was doch kein Wahlkämpfer sagen darf: Die Wahrheit. Und die ist nicht einmal besonders überraschend: Die Rettung des finanziell maroden Griechenlands wird die Euro-Staaten noch mehr Geld kosten.

Noch mehr Milliarden? Welcher deutsche Steuerzahler ballt da nicht die Faust in der Tasche? Eine Steilvorlage für die Wahlkämpfer der Opposition. Allen voran Peer Steinbrück, der immer noch im Umfrage-Keller sitzt.

Die Regierung, so Steinbrück, habe zu diesem Thema bislang nur „Schlaftabletten verabreicht.“ Es sei Zeit, den Bürgerinnen und Bürgern reinen Wein einzuschenken. Der Kanzlerkandidat hat recht. Und dennoch unterschätzt er die Wähler. Die wissen sehr wohl, dass die Euro-Rettung mit gewaltigen Risiken verbunden ist. Und honorierten bislang dennoch mit großer Mehrheit den Kurs der Bundeskanzlerin.

Denn eine Alternative zur kostspieligen Rettung der Gemeinschaftswährung hat keiner der lautstarken Kritiker zu bieten. Auch auf den himmelblauen Plakaten der AfD ist nicht zu lesen, wie Europa ohne einen ökonomischen Zusammenbruch aus der Krise finden soll. Die Griechen aus dem Euro drängen — das mag an den Stammtischen Applaus finden. Der Vertrauensverlust an den Finanzmärkten käme Deutschland am Ende aber weit teurer zu stehen als jedes Hilfspaket.

Der Kanzlerkandidat der SPD weiß das. Er steckt in einem Dilemma: Die Sozialdemokraten zeigten sich zu Zeiten der Großen Koalition in Sachen Griechenland-Rettung als verlässliche Partner, die zu ihrer Verantwortung für Europa standen. An Merkels Seite glänzte Steinbrück in einer der größten Krisen der Bundesrepublik als verlässlicher Finanzminister.

Als Kanzlerkandidat muss Peer Steinbrück nun den Eindruck erwecken, dieser Weg sei von Grund auf falsch. Die starken Worte gegen Merkel werden der SPD nicht helfen. Das Thema nutzt ausschließlich den Populisten vom linken und rechten Rand. Seite 4

 

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.