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Kommentar Fleederkrüd un Reutergeschichten
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00:00 04.12.2017

Dei Mäkelborger seggen Fleeder tau Holunder (Sambucus nigra) un Krüd tau inkakt Awtsaft. Wenn nu dei Saft von Fleederbeeren inkakt ward, is dat Fleederkrüd, ein oll Husmiddel gägen Verküllung. Wat dit mit Reutergeschichten tau daun hett? Laten S’ sick dat eins vertell’n:

All langen bün ick ’n Rostocker, man burn un tagen würd ick in Malchin un dor füng dat ok mit dei Reutergeschichten an: Wi harrn nich väl Bäuker tau Hus. Mihrst wiern dat Plattdütsche. Dortau hürte ok ein tämlich afgräpen Reuter-Utgaw, acht Bänn. Dei harr Größing Minna mitbröcht, as sei tau uns treckte. So’n Bäuker wiern dunnmals mihr tau’n Vörläsen, as tau’n Läsen dor. Denn’ Haut as Vörläsersch harr bi uns Größing up. Obschonst dat nu mihr as sösstig Johr her is, kann ’k mi gaut an dei Winterabende nah Kriegsend erinnern. Wenn Größing denn einen von dei Reuter-Bänn tau faten kreg un dorut mit ehr schöne, klore Stimm vörläste, hürten nich blot wi Kinner tau, nee, denn set dei ganze Fomilie tausamen.

Männigmal müssten wi uns mit ’n lütt’ Geschicht taufräden gäwen, mihrst oewer läste sei dat Bauk von Anfang vör. Wenn sei glöwte, dat ’t naug wier, trök sei ut ehren Dutt ein Hoornadel, klemmte dei as Lästeiken up dei Siet un säd: „För hüt is ’t naug, morgen Abend geiht ’t wieder.“ Up Taugawen löt sei sick nich in. Wenn sei dat Bauk ierst tauklappt harr, wier ’t as dat Amen in’e Kark. So hew ick as lütt Jung weck von dei „Läuschen un Rimels“, wat „Ut de Franzosentid“, väl oewer „Dörchläuchting“ un „Ut miene Stromtid“ woll ganz un gor kenn’n lihrt, denn dei drei „Stromtid-Bänn“ wiern Größing an ’t Hart wussen. Tauierst hew ick mi blot tau dei schönen Geschichten freugt, dei Größing uns vörläste, späder wull ’k denn ok weiten, wecker dei schräwen harr.

„Jung, hest du denn nich tauhürt? F r i t z R e u t e r heit dei Mann, dei dat alls beläwt un denn upschräwen hett!“ „Un wur is hei tau Hus, Oma? Kann ’n em eins besäuken?“ Größing kreg so’n Schmüstern üm ehr Lippen, sei kek mi nahdenkern an un säd: „Hei is all langen dod, sien Tauhus is uns’ Nahwerstadt Stemhagen. Oewer du kannst em dor ümmer noch besäuken. Vör ’t oll Rathus steiht ein grot Denkmal, wur hei baben up sitt.“

Ick ward em mi ankieken, hew ’k mi seggt, un dat hett nich langen duert, bet ick mi up ’n Weg makte. As ick mit mien Fohrrad vör sien Denkmal stünn un mit ’n Kopp in’n Nacken tau Höcht kek, säd ick tau mi: Wenn ein so’n groten Kopp hett, is ’t kein Wunner, dat hei väl beholl’n un Bäuker vullschriewen kann. Intwüschen hew ick välmals vör dat schöne, grote Denkmal stahn un seih dat nu ok mit anner Ogen. As utwussen Minsch un Plattschriewer bün ’k em nu ’n bäten nehger‚ verihr em un möt denn’ Kopp nich mihr ganz so wiet trüggbögen, wenn ’k tau em rupkieken will.

In dei Tiet, as ick in Rostock studierte, hett Größing för ümmer ehr Ogen tau makt. Dei acht Reuter-Bänn hett sei mi verarwt. Dei stahn nu näben ’n poor niege Reuter-Utgawen in mien Arbeitsstuw.

Seihn schmuck ut in’e Burt oewer mienen Schriewdisch, dei Reuterutgawen, olt un nieg näbeneinanner.

In wecke Utgaw ick an’n leiwsten eins läs? Dat ’s verschieden, kümmt up mien Verfatung an. Oewer bi ein Sak steiht ’t siet Johren fast: Wenn ’k eins krank bün un dat is bi mi mihrst ’n Verküllung, denn drink ick heiten Fleederkrüd, hal mi ein von Größings Reuterbäuker, krup tau Wiem un läs von Broesig, Hawermann orer Jung’-Jochen. Wat glöwen sei woll, wur gaut dat deit, Fleederkrüd un Reutergeschichten*, ein bäd’res Rezept giw ’t nich!

*Reutergeschichten: Sünd för mi ümmer noch dat Best, wat bether up Platt schräwen worden is. Dorüm stimmt ok nich, dat ick seggt hebben sall, dat’n dei hüt kein’n mihr anbeiden kann – dor is in’e OSTSEE-ZEITUNG körtens wat falsch utdüht worden!

Wolfgang Mahnke

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