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Hundertausende gedachten der Opfer des Terrors in Paris.

Überwältigende Reaktion Hundertausende gedachten der Opfer des Terrors in Paris.

Von Birgit Holzer

Frankreich „danach“ ist nicht mehr dasselbe. Wie nachhaltig die Anschläge auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Lebensmittelmarkt in Paris das Land verändert haben, wird erst die Zeit zeigen. Doch die unmittelbare Reaktion ist überwältigend. Die Hunderttausenden, die gestern mit den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Paris auf der Straße waren, vereint ein Bedürfnis: Sie wollen eine Front gegenüber der unkalkulierbaren Gefahr aufbauen, die von skrupellosen Terroristen ausgeht.

Frankreich ist nicht zum ersten Mal Schauplatz blindwütiger Anschläge von Mördern geworden, die sich im Dschihad wähnen. Keine drei Jahre liegt die dramatische Jagd auf den 23-jährigen Islamisten Mohammed Merah zurück, der in und um Toulouse drei Soldaten, drei jüdische Kinder und einen Rabbiner erschoss. Auch damals war das Entsetzen groß. Doch das Echo ist nun noch um ein Vielfaches stärker. Oft ist die Rede von einem „französischen 11. September“ — man fühlt sich bis ins Mark getroffen. Bald wird die Debatte darüber lauter werden, ob es bei der Überwachung und Verfolgung der Terroristen Fehler gab; es werden Lösungsvorschläge zu dem Problem erwartet, dass das Land seine eigenen Feinde heranzieht: Die Attentäter waren Franzosen und hatten sich in französischen Gefängnissen radikalisiert.

Mehr als 1000 junge Männer und Frauen befinden sich zurzeit in Trainingslagern islamistischer Terroristen im Ausland — tickende Zeitbomben, die eine permanente Bedrohung darstellen. Wie kann ihr begegnet werden? Die Vorratsdatenspeicherung, die deutschen Politikern gerade als Gegenmittel einfällt, hat Frankreich längst eingeführt. Besonders unsicher fühlt sich die jüdische Gemeinde, nicht erst, seitdem vier ihrer Mitglieder bei der Geiselnahme am Freitag starben. Immer wieder trafen sie in den vergangenen Jahren brutale Anschläge. 2014 verließen mehr als 6000 französische Juden ihr Land, in dem sie sich nicht mehr sicher fühlen, um nach Israel auszuwandern. Ihre Zahl dürfte weiter steigen.

Frankreich steht vor der großen Herausforderung, seine Minderheiten zu schützen. Eine pauschale Verurteilung der Muslime blieb bis jetzt aus. Als gemeinsamer Feind wird nicht der Islam ausgemacht, sondern der Terrorismus, der unter dem Vorwand eines Glaubenskrieges mordet. Zumindest momentan dominiert der Wille, mehr denn je zusammenzurücken.

So kann bei aller Tragik auch eine neue Chance für die Nation entstehen, sich wieder als geeinte Wertegemeinschaft wahrzunehmen. Denn das Frankreich „davor“ war zutiefst verunsichert, es fürchtete, durch die Globalisierung und Einwanderer überrollt zu werden und vermisste einen starken Mann an der Spitze. In der aktuellen Krise ist Präsident Hollande dieser Erwartung bislang gerecht geworden. Seiten 1, 3

 



OZ

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