Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 10 ° heiter

Navigation:
Neue Platzvergabe im Münchener NSU-Prozess.

Lotterie ist keine Lösung Neue Platzvergabe im Münchener NSU-Prozess.

Von Harald John

Voriger Artikel
ONLINE
Nächster Artikel
ONLINE

Drei Stühle hätte das Münchner Oberlandesgericht noch in den Sitzungssaal A 101 stellen müssen, und es wäre gut gewesen. Vielleicht ein wenig eng, vielleicht ein wenig gequält; aber der moralischen Verpflichtung, türkische Journalisten am Prozess gegen die Rechtsterroristin Beate Zschäpe zu beteiligen, wäre Genüge getan gewesen.

Dass einige deutsche Medienvertreter über das Windhundverfahren (der Schnellste gewinnt) früher informiert waren als andere, geschenkt. So aber folgt auf die Tragödie, jahrelang über „Döner-Morde“

schwadroniert und ein rechtes Netzwerk ignoriert zu haben, die Farce des Losverfahrens. Wie bei der Auslosung der Champions League wird aus verschiedenen Töpfen gezogen — die mit den Bewerbern der Agenturen, der griechisch-türkischen Medien, der Tages- und der Wochenzeitungen gefüllt sind. Kritisch ist es, dass sich mehr als 300 deutsche Tageszeitungen um acht Plätze streiten müssen, während sich die rund 20 Wochenzeitungen auf vier Plätze bewerben. Noch skandalöser aber ist es, dass Onlinemedien und freie Journalisten komplett außen vor sind, die nächste Klage scheint unabwendbar.

Werden die Richter eigentlich beraten?

Die Männer und Frauen in Roben, die eigentlich einen fairen Prozess mit einem gerechten Urteil führen sollen, scheinen mit der Organisation heillos überfordert — und dabei auch noch beratungsresistent — zu sein. Auch wenn richterliche Unabhängigkeit über allem steht — Event-Profis könnten schon Tipps geben, die vom Wechsel des Veranstaltungsortes bis zur Live-Übertragung reichen. Aber welcher Richter hört gerne Ratschläge? Mit der NSU-Lotterie sind die Münchner Richter keinen Schritt weiter gekommen. In den kommenden Tagen wird weiter gestritten, wahrscheinlich sogar geklagt werden. Der Prozessauftakt am 6. Mai wird erneut in Frage gestellt, wenn deutsche Richter über ihre Amtskollegen urteilen müssen. Das wird den Ruf der Justiz weiter schädigen. Wenn erste Stimmen fordern, die Plätze bei Ebay zu versteigern, zeugt das vom schwindenden Respekt. Respekt, den ein unabhängiges Gericht wiederherstellen muss. Seite 4

OZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Umfrage, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Umfragen" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Umfragen“ 2015-09-23 de MEINUNG Aktuelle Umfrage Ihre Meinung zählt: Geben Sie ein Votum ab zu aktuellen Themen aus Politik, Wirt- schaft und anderen Gebieten. Alle Umfragen auf einen Blick finden Sie hier.