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Neues aus der Käseglocke

Berliner Neues aus der Käseglocke

Aus 36 mach 72: Das könnte das neue Abgeordneten-Einmaleins werden. Bisher hat der normale Bundestagsparlamentarier Anspruch auf 18 Quadratmeter für sein eigenes Büro sowie ...

Aus 36 mach 72: Das könnte das neue Abgeordneten-Einmaleins werden. Bisher hat der normale Bundestagsparlamentarier Anspruch auf 18 Quadratmeter für sein eigenes Büro sowie noch mal gemeinsam so viel Zimmerfläche für Sekretariat und Büroleitung. Nun kommt der Anspruch auf einen dritten 18-Quadratmeter-Raum hinzu und ein viertes Zimmer ist in Aussicht gestellt. Mit bodentiefen Schiebeglastüren, teilweise im herausgehobenen Rondellcharakter mit Blick zum Tiergarten oder auf die Spree, rückt gerade ein weiteres Stück des „gebauten Symbols der Wiedervereinigung“ (so der Vorzeigearchitekt Stephan Braunfels) der Fertigstellung entgegen. Immer länger zieht sich die aufgehübschte Betonschlange nun vom Kanzleramt in Richtung City. Hunderte von Millionen Euro stecken dafür im „Masterplan“ fest. Das „Raumschiff“, oder die „Käseglocke“, gerät also immer mehr aus den Fugen.

Auf Zeile 107 im schwarz-roten Koalitionsvertrag stehen zwei schlichte Sätze: „Wir stehen zum Bonn-Berlin-Gesetz. Bonn bleibt das zweite bundespolitische Zentrum.“ Viel spricht dafür, dass das am 16. Dezember 2013 von Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Sigmar Gabriel (SPD) unterzeichnete Bekenntnis zum einstigen westdeutschen Bundeshauptdörfchen letztmals eine Koalitionsgarantie erhielt. Es läuft schließlich die „Operation Verwaltungskunst“, so der regierungsinterne Arbeitsauftrag. Man will aus immer mehr Rest-Bundesministerien am Rhein klammheimlich „Oberbehörden“ machen. Damit entfiele auf Dauer die auch in Bonn üppige Ministerialzulage und regiert würde amtlich dann nur noch da, wo sowieso die politische Musik spielt: an der Spree.

Das „schönste Stück Land in Berlin“, so schwärmt die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vom beschaulichen Gärtchen mit Kastanie und Rosenstock, das direkt an der Spree und zwischen dem historischen Reichstag und den Abgeordnetenbauten liegt. Im Garten der Parlamentarischen Gesellschaft sind Abgeordnete unter sich, weil nur sie zum Essen, Trinken und Parlieren hineindürfen. Glück hat, wer einen kennt, denn als dessen Gast ist man auch willkommen. Zwischen Freigeisterei und Freibier, beispielsweise bei Fußball-TV- Abenden, pulsiert hier gern das grenzenlose politische Leben von heute. Das ist ein demokratischer Fortschritt: Zeitweilig war an diesem Ort schließlich auch das „Marx-Engels-Institut beim Parteivorstand der SED“ untergebracht. Und da gab es vermutlich nichts zu lachen.

 



OZ

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