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Nur ein Vorgeschmack?

Krankenkassen wollen Alte und Kranke vergraulen. Nur ein Vorgeschmack?

Die beiden Fakten passen im Grunde nicht zusammen. Einige gesetzliche Krankenkassen versuchen möglichst gesunde, vitale Kunden anzuwerben und kranke, schwache, gar behinderte Versicherte rauszudrängen.

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Von Kai Kollenberg

Die beiden Fakten passen im Grunde nicht zusammen. Einige gesetzliche Krankenkassen versuchen möglichst gesunde, vitale Kunden anzuwerben und kranke, schwache, gar behinderte Versicherte rauszudrängen. Zeitgleich sind die Rücklagen der gesetzlichen Versicherungen auf ein Rekordniveau angewachsen. Etwas mehr als 15 Milliarden Euro haben sie auf die hohe Kante gelegt. Die Angst vor hohen Behandlungskosten müsste also gar nicht so groß sein. Genügend Geld ist schließlich vorhanden. Doch die rechtswidrigen Geschäftspraktiken zeigen, dass die Kassen mit einer deutlichen Verschlechterung der Lage rechnen. Die Rahmenbedingungen werden nicht mehr lange so günstig sein.

Gerade die schwarz-gelbe Koalition hat an erster Stelle dafür gesorgt. Um den kleinen Koalitionspartner zufriedenzustellen, wurde die Praxisgebühr abgeschafft. Und damit Einnahmen, die den Kassen nun fehlen. Auch andere Entwicklungen arbeiten gegen die Krankenversicherungen: Apotheker, Krankenhäuser und Ärzte bekommen in diesem Jahr zusätzliches Geld. Mit knapp zehn Milliarden Euro Mehrausgaben wird insgesamt gerechnet. Es wäre die höchste Teuerungsrate seit Jahren — und mit einem Schlag wäre der größte Teil der gesparten Gelder weg. Hinzu kommt die Forderung aus der Politik, dass die gesetzlichen Versicherungen einen Teil ihrer Rücklagen in Form von Prämien auszahlen sollen. Manchem Kassen-Vorstand treibt das Schweiß-Perlen auf die Stirn. Zur Aufforderung an die Vertriebsmitarbeiter, nur noch nach „günstigen“ Neukunden Ausschau zu halten, ist es dann ein kleiner Schritt.

Natürlich muss Gesundheitsminister Daniel Bahr die nun enthüllten Praktiken der Kassen verurteilen, muss er an deren Vorstände appellieren, dieses Verhalten zu ahnden. Der Blick sollte aber viel weiter in die Zukunft gehen: Wenn die Kassen schon heute bei guter finanzieller Verfassung zu solchen Mitteln greifen, was werden sie dann in schwierigen Zeiten versuchen? Muss die Politik bald mit neuen Insolvenzen von Krankenkassen rechnen, wie vor einigen Jahren? Zu diesen Themen hat der Minister aber geschwiegen. Seite 4

 

OZ

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