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Kommentar Obama zerrinnt die Zeit
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00:00 17.04.2013
Von Stefan Koch (Washington)

Gestern stellte er klar: Auf Amerika wurde ein Terrorangriff verübt. Auch wenn die Hintergründe noch unbekannt sind, werde er alles tun, um das Verbrechen aufzuklären.

Es ist ein bemerkenswertes Zeichen: Das Land verharrt nicht in Trauer. Was jetzt von den Sicherheitsbehörden verlangt wird, ist vielmehr eine Art Gegenangriff. Oder, wie es einige Medien griffig formulieren: Die Jagd auf den Boston-Bomber ist eröffnet. Dass der „Commander in Chief“ in solchen Momenten vor aller Welt harte Töne anschlägt und sich ohne Zaudern und Zögern präsentiert, gehört in den Augen seiner Landsleute zu seinen ersten Aufgaben.

Gleichwohl hatte Obamas Auftritt gestern im Weißen Haus etwas Tragisches. Ausgerechnet der Präsident, der die Dekade des Krieges beenden will und stets dafür wirbt, Gräben zu überwinden und Brücken zum politischen Gegner und in andere Kulturen zu bauen, muss sich regelmäßig als Heerführer bewähren. Seine eigentliche politische Agenda bleibt dagegen in weiten Teilen auf der Strecke. Eigentlich hätte es zu Beginn des Jahres anders laufen können.

Ausgestattet mit einer gestärkten Autorität lässt sich erfahrungsgemäß in den ersten Monaten nach einer Präsidentschaftswahl in der amerikanischen Politik am meisten bewegen. Auch Obama hatte sich für dieses Frühjahr eine ehrgeizige Agenda zusammengestellt und wollte die Blockadesituation in den Parlamentskammern durchbrechen. Nun aber muss er mitansehen, wie ihm diese wertvolle Zeit wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt, weil er zuerst die Zahlungsunfähigkeit der öffentlichen Hand abwenden musste, dann von der Nordkorea-Krise in Atem gehalten wurde und sich nun auch noch einer neuen Terrorbedrohung stellen muss.

Der menschenverachtende Anschlag auf den traditionsreichen Marathon wirkt sich weit über Boston hinaus aus. Seiten 1 bis 3

OZ

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