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Obamas Ernüchterung

Der US-Präsident rückt von außenpolitischer Zurückhaltung ab. Obamas Ernüchterung

Hat sich zumindest Papst Franziskus bei Barack Obama für dessen Außenpolitik bedankt?

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Von Stefan Koch

Hat sich zumindest Papst Franziskus bei Barack Obama für dessen Außenpolitik bedankt? In internationalen Beziehungen setzt der US-Präsident wie kaum einer seiner Amtsvorgänger auf Kooperation, sucht das Gespräch auf Augenhöhe. Der Friedensnobelpreisträger bemüht sich redlich um eine neue Form von Multilateralismus. Nach sechs Jahren im Amt muss er sich indes eingestehen, dass die Theorie stimmen mag — nicht aber die Praxis.

Die US-Wähler haben ihr Urteil über Obamas Außendarstellung längst gefällt: Dem einstigen Hoffnungsträger stimmen in aktuellen Umfragen nur noch 36 Prozent seiner Landsleute zu. Auch seine Gesundheitsreform rettet ihn nicht: Sein rückblickend so umstrittener Vorgänger George W. Bush erhielt — zumindest vorübergehend — weitaus bessere Werte als Obama. Auf den ersten Blick ist diese Diskrepanz nicht leicht zu verstehen. Doch die Bilanz des guten Willens fällt bitter aus. Im Iran sieht es bisher nicht danach aus, als ob sich die Religionsführer von ihrem Atomprogramm ernsthaft verabschieden wollten. Noch schlechter steht es um Syrien: Washington verzichtete zwar auf Raketenschläge, aber niemand vermag heute zu sagen, ob das Regime tatsächlich das chemische Teufelszeug vollständig aus den Händen gibt. Bedrückend sind auch die Perspektiven in Südostasien: China pumpt seinen Militäretat auf und testet die Schmerzgrenze seiner Nachbarn.

Und in gänzlich andere Dimensionen stößt nun Putin vor. Dass sich der auf der Halbinsel Krim jegliche diplomatische Schönfärberei spart, ist die düstere Seite der neuen Multipolarität. Die UN-Vollversammlung verurteilte gestern zwar die Annektierung. Angesichts des Veto-Rechts der Russen im Sicherheitsrat ist dieser Protest jedoch eher symbolisch zu verstehen.

Und so beginnt in Washington ein Umdenken. Es wächst die Erkenntnis, dass die US-Regierung an ihrer Führungsrolle zurzeit nicht vorbeikommt. Allerdings mit einem feinen Unterschied zu früher: Obama ist nicht bereit, den Preis für die Freiheit zum größten Teil allein zu begleichen. Wenn die Rechnung für Europas Sicherheit wieder steigt, sollen sich auch die Nutznießer stärker beteiligen.

 

 



OZ

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Rom
Bitte recht freundlich: US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus demonstrieren herzliches Einvernehmen.

Auftritte mit dem populären katholischen Kirchenoberhaupt sorgen derzeit für positive Schlagzeilen.

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