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Kommentar Ruuchklas un Kinnjes in’n Hochtiedsriemel
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00:00 11.12.2017

’N Hochtietstiedung is ümmer noch in Mod’. Sei sall taun einen an dissen Dach erinnern un taun annern dei Gäst miteinanner bekannt måken un wat ut dat Läben vonne Brudlüd kieken låten. Hüt kann man son’n Tiedung sogor drucken låten un vör Tieden würden’s afschräben, dörchschräben orrer afkopiert. Dat is all väle hunnert Johr so Bruk un so sünd mi dörch Taufall ok´plattdüütsche Hochtietsriemels ünner dei Oogen kåmen, dei twüschen 1656 un 1790 schräben un druckt un von Gustav Kohfeldt upschräben würn. Hei wier Bibliothekar un harr dei Rostocker Universitätsbäukerie ünner sik un, hett näbenbi Hochtietsriemels utfinnig måkt un sei 1908 as Bauk rutbröcht. In’t Wurt vörwech schrifft Dokter Kohfeldt, dat dit üm so bedüdender is, dor tau dei angäben Tiet uns Muddersprak dörch dat Missingsch aflöst wür un Platt nich mihr schräben, sonnern blot noch schnackt wür.

Wiederhen is interessant, dat Frünn’ un Verwandte männig Riemel taun Kinnelbier, Geburtsdach, Hochtied un Johresdach nich blot up Platt upschräben hemm’, sonnern ok drucken leeten, wenn’s dat nödig Geld dortau harrn. Un so hemm’ sik ok dei Hochtietsriemels erhollen un sei sünd, so schrifft dat Dokter Kohfeldt, bedüdende olle plattdüütsche Språkwarken för jeden Fründ, dei wat up sien Heimat höllt. Dörch disse Riemels kriegen wi son’n lütt bäten mit, woans sik dei plattdütsche Språk verännert hett un taun Bispill ut’e Brock för Mannslüüd ’ne Hos’, ut’e Pie för Frugenslüüd dei Ünnerrock un ut’e Junffer ’ne Jumfer un ut’n Brädgam’n Brüjam un ut’n Pöpcken ’n Püppken un ut’n Weegken ’n Weich wür. Interessant sünd ok olle Dauwür as „möhten“ för bännigen, uphollen un „brüden“ för foppen, argern, necken.

Un näbenbi kriegen wi œwer dei Tiet sülben noch wat tau weiten. Üm dat tau verkloren, heff ik einen Hochtiedsriemel ut dat Johr 1727 rutsöcht. Ein gauder Fründ wohrschucht in’t angäben Johr kort vör Wihnachten denn wolledlen un wollvörnähmen Herr August Jacob Sterenhagen, dei sien sirupsäute Brut, dei Jumfer Maria Dethloffen in Rostock friegen will, vör denn Ruuchklaas orrer Knecht Ruprecht.

Disse Hochtiedsriemel secht nich väl œwer dei Lüd un dei Fier ut un is doch bannig interessant. Denn dei Fründ vertellt in sien Geschicht von denn „Rugen-Klaß“, denn Knecht „Rubbert“ orrer „Rumprecht“, von „Wienachten“ orrer „Kinjehs“. So as sei sik as Kinner ut luder Bang vör’n Rugen-Klaß in Vadder sien Brock un ünner Mudder ehr Pie verkrupen deden, süllen nu dei jungen Lüd vör denn Ruprecht tausåmenkrupen, dormit hei sei nicht brüden kann. Dei Brüjam süll sien Brut „wat Säutes för dei Schnut“, „väl dusend säute Küss“ gäben un allens daun, dormit sik sien Brut nich in’n Düstern vör denn „Wihnachtsnarren“ grucht! Un nå dit „Rubbert-Spill“ künn nå „dre Quartalen-Tied“ dat „Kinner-Spill“ losgåhn un denn künn dei „Kinjehs“ alle Johr ein „Pöpcken“ inne „Kinner-Weegken“ leggen.

„On dut will ick denn ock jug wünschen recht von Harten: / Dat alle Jahr Kinjehs ju een lüt Pöpcken bringt.../ Aß Rostocks Heyde Böm, aß Sand de Warnau hett.”

Nå disse Geschicht drifft sik dei Ruge-Klaß, disse Rubbert orrer Ruuchklaas üm’e Wihnachtstiet rüm. Disse Kierl hett ’n langen Bort un sien Kledåschen sünd ruuch von Stroh un Heid’ un hei süht ’n „Düfel ähnlicker as ein Krams-Vagel“. So anplünnt kann man em nich erkennen, wenn hei mit väl Larm von Hus tau Hus treckt un dei Kinner Angst in’n Lief jagen deit. Un dormit dei Kinner sik noch mihr ängstigen, hett hei ’n groten Sack bi sik, ut denn all Kinnerbein rutkieken un hei hett ok ’n mächtigen „Knesel-Speet“ (Vörlöper vonne Rut’) bi sik üm Schläch uttaudeilen. Wieder ward vertellt, dat dei Kinner vör em müskenstill wiern, dat’s so bäwerten as „Eskenloof“, dat „Thän un Schwarten knakken“, as „wenn denn de Heu-Oss se will griepen up de Huth“.

Disse Schnack is hüt noch bekannt un bedüdt’t soväl as dat dei Schläch ümmer tauierst dei Hut dräpen daun. Tau Wienachten/Wihnachten hett dei Ruuge-Klaß orrer Rubbert/Ruprecht utspält un Kinjehs, bi Brinckman Kinnjes (Jesuskind), bringt „wat tau speelen,...Pöpckens, Kläter-Büßken, Kinnerweegkens“. (Püppings, Klœterbüchsen un Kinnerweigen).

Kinnjess steiht hier woll mihr för’t Jesuskind as för denn ümherströpenden Rugen-Klaß. „Wat schenkst du mi tum Kinnjes, Kathrin, wat schenkst du mi tum Kinnjes?“ heit dat ok bi John Brinckman.

Kinnnjes is ok hier mit Schenken verbunnen, dei Ruuchklas hengägen œwer mit Larmen un Brüden.

OZ

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