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Schröder kann es einfach nicht lassen

4sp 30 13 Schröder kann es einfach nicht lassen

Politiker sind risikofreudiger und leichtfertiger als die Normalos. Das schlussfolgert das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin aus einer Umfrage unter Bundestagsabgeordneten.

Die Parlamentarier fassten danach unter anderem schneller Vertrauen in Fremdes. Das wird Gerhard Schröder, SPD-Altkanzler und Vater der folgenschweren Agenda 2010, gern bestätigen. Mit einem Rap aus der Kanzler-Frühphase („Hol mir mal ‘ne Flasche Bier“) mischte er einst das ihm fremde Ostdeutschland auf und landete bei zeitweilig bekannten Cousinen. Er wird in der kommenden Woche in Gegenwart von Bossen und Gewerkschaftern mit einer Festveranstaltung bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung für seinen Einstieg in das Hartz-Zeitalter und in die langwierige Genossen-Depression geehrt. Schröders Rede steht unter dem Motto: „Mehr Mut zur Veränderung“. Er kann es einfach nicht lassen.

Ehe der Reformschlamassel mit der Agenda 2010 so richtig anfing, hatte der rot-grüne Koch und Kanzler Gerhard Schröder im März 2002 bei einem eher konspirativ angelegten Treffen im heimischen Hannover die Gewerkschaftsspitze zum Entspannungs-Dialog geladen. Daran erinnert man sich jetzt bei Teilnehmern von damals. Schröder habe seinerzeit, so bestätigen zwei aus der Gewerkschafts-Chefetage, seine Kanzler-Vision beschrieben. Er sehe seine „historische Aufgabe“ darin, die deutsche Ost-West-Spaltung der Linken und der Arbeitnehmer durch seine Politik zu überwinden.

Die damalige PDS und die notorisch notleidende ostdeutsche SPD sollten zusammengebracht werden in der einen ganzen sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ein gewaltiges Versprechen, vor allem am Vorabend der Agenda 2010. Schröders Finanzminister Hans Eichel (SPD) hatte schließlich die Arbeitnehmerfunktionäre lautstark angeblafft: „Nehmt endlich mal zur Kenntnis, was wir alles für euch getan haben!“ Eine Art Stillhalteabkommen zwischen Schröder-Sozis und Gewerkschaften wurde konspirativ in Hannover damals angedacht, schließlich stand die Bundestagswahl vor der Tür. Zum Dank dafür, dass die Gewerkschaften im Frühjahr 2002 im Vorwahlkampf das Kriegsbeil begraben hatten, präsentierte Schröder am 14. März des Jahres 2003 die Agenda 2010 und damit, nach Kritiker-Meinung, die „Armut per Gesetz“. Als Folge katapultierte sich die PDS später zur Linkspartei und mit dem neuen Boss Oskar Lafontaine zeitweilig nach oben. Statt Versöhnung fühlte sich die Linke in Deutschland erst wirklich gespalten. Ganz im Gegensatz zu Schröders zeitweiligem Versprechen.

OZ

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