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Kommentar Statt Muskelspielen ist in der Krim-Krise Diplomatie gefragt.
Mehr Meinung Kommentar Statt Muskelspielen ist in der Krim-Krise Diplomatie gefragt.
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00:00 31.03.2014

Niemand will einen militärischen Konflikt in der Ukraine. Da sind sich Moskau wie Washington sogar mal einig. Aber sowohl die Russen als auch die Nato rüsten an ihren Grenzen auf, verlegen Panzer oder Kampfjets an die Peripherien ihrer Einflussgebiete, zeigen bei Manövern einander die Zähne und polieren alte Feindbilder propagandistisch auf. Jetzt sind sogar die Deutschen aufgerufen, sich am Muskelspiel zu beteiligen und Flugzeuge an die „Ostfront“ zu verlegen — wohl wissend dass die nervösen Großmächte Amerika und Russland zuweilen wie Dinosaurier agieren: stark und kraftprotzend, aber mit winzigem Gehirn.

„Krieg ist Dummheit, die explodiert“, warnte schon der deutsche Reeder Albert Ballin vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Und dumme Ideen gibt es auch diesmal auf beiden Seiten genug: Angefangen bei Russlands liberaldemokratischen Nationalisten, die Polen, Ungarn und Rumänien offiziell vorschlugen, die Westukraine unter sich aufzuteilen, während sich Moskau den Osten krallt. Auf der anderen Seite rüstet Noch-Nato-Chef Rasmussen rhetorisch auf, indem er die immer weitere Ausdehnung des westlichen Bündnisses nach Osten fordert, als ob die Ukraine-Krise die Lage in Europa nicht schon genug eskaliert hat. Den Nobelpreis für Provokation hätte der Däne wahrlich verdient.

Wo aber bleibt die Diplomatie? Zwar behauptet jeder, mit dem anderen reden zu wollen. Doch wichtige Kanäle wie die G8-Runde werden gekappt oder der Nato-Russland-Rat auf Eis gelegt — gerade so, als gebe es kein Morgen. Dass Putin und Obama jetzt die Politik des „roten Telefons“ wiederentdeckt und sich mal direkt verständigt haben, ist ermutigend. Unklar ist aber, ob sie sich mehr als nur ihre gegensätzlichen Auffassungen an den Kopf warfen.

Dabei müsste gerade jetzt die Stunde der Diplomatie schlagen. Denn ein Sprichwort sagt, dass Diplomaten überzeugend erklären können, wo Rauch ist, sei kein Feuer — sondern eine Menge Menschen mit Friedenspfeifen. Gerade die Deutschen verstanden diese Kunst im Kalten Krieg nahezu perfekt. Warum erklingt nicht auch in dieser „Kampfzone“ mal wieder der legendäre Ruf „Germans to the front!“?

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OZ

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