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Kommentar Tote Hosen, Brüderle und Gysi im Wahlkampf
Mehr Meinung Kommentar Tote Hosen, Brüderle und Gysi im Wahlkampf
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00:00 30.08.2013

Tote Hose im Wahlkampf? Viele beklagen das. Auch das Original: Sänger Campino und seine „Toten Hosen“ bedauern, dass ihr Hit „Tage wie diese“ im Vorprogramm von CDU und SPD bei Wahlveranstaltungen läuft. Ausgerechnet bei Parteien, „die uns in keiner Weise nahestehen“. Rechtlich ist nichts dagegen zu sagen, dass sich Union und SPD mit den gleichen Rhythmen in Wallung bringen, politisch führt die Gleichmacherei, meint Politikforscher Nils Diederich, zum Teufelskreis: „Je weniger kontrovers die Auseinandersetzung zwischen den Parteien ist, desto unsicherer sind die Wähler.“ Kein Wunder, dass 40 bis 60 Prozent der Bürger angeblich noch nicht wissen, was sie am 22. September wählen sollen.

Mit dem Spitzenkandidaten haben die Liberalen eine wechselvolle Geschichte durchgemacht. Guido Westerwelle war mal mit goldener „18“ auf der Schuhsohle eine peinliche Nummer, danach 2009 strahlender Sieger, um später abserviert zu werden. Jetzt hofft er auf den Weg zurück. Dort begegnet ihm Rainer Brüderle, der nach einem Treppensturz durch die politische Landschaft humpelt. Aber er glaubt fest daran, dass sein echter Beinbruch kein politischer am Wahltag wird. In dieser Woche feierte Brüderle seine Partei als besonders sparsam. Das ging daneben. Der TV-Clip in der Sendung „Parteien zur Bundestagswahl“ und mit Brüderle im Zentrum habe „nur ein Drittel von dem gekostet“, was man 2009 für Spitzenkandidat Westerwelle gezahlt habe, sagt Brüderle. Dank der Stuttgarter Agentur Wegmeister ahnt man, wieso. Die für sieben Sekunden in Brüderles Werbe-Clip durchs Bild radelnde glückliche Familie radelt derzeit auch bei der NPD — und macht in Finnland Quark-Reklame.

Geradelt wurde nicht in Deutschland, da die Muster-Familie slowenischer Herkunft und dort gefilmt worden ist. Alles Quark? Nein. Die FDP hat sich auch noch das Motto von Kanzlerin Merkel (CDU) angeeignet: „Deutschland geht es gut.“ Dass man dazu nach Slowenien fährt, ist schlecht.

Laut Statistischem Bundesamt leben die Menschen in Ostdeutschland aktuell mit einem um sechs Prozentpunkte höheren Armutsrisiko als die Landsleute im Westen. Für Genossen Gregor Gysi, der seinen letzten Wahlkampf führt, ist das ein gefundenes Fressen. Es gebe „zwei einfache Mittel“, um die Einheit auch im Geldbeutel zu befördern: „Verbot der Branchenmindestlöhne, die einen Abschlag Ost enthalten und ein verbindliches Datum für die Ostrentenangleichung“. Die Linke will die Rentenangleichung bis 2017 — genau dann, wenn Gysi, dessen Parlamentarier-Rente sicher ist, in Polit-Pension gehen möchte.

OZ

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