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Kommentar Trotz Kanzlerinnen- Bonus ist die Wahl noch nicht entschieden.
Mehr Meinung Kommentar Trotz Kanzlerinnen- Bonus ist die Wahl noch nicht entschieden.
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00:00 15.04.2013

Jim Knopf, einer der Helden der Augsburger Puppenkiste, trifft bei der Suche nach Prinzessin Li Si auf den Scheinriesen Tur Tur. Auf dem SPD-Sonderparteitag in der bayerischen Schwabenmetropole hat der bislang von Pleiten, Pech und Pannen verfolgte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Angela Merkel kurzerhand zur Scheinriesin erklärt. Freilich jedoch ist die Kanzlerin nicht nur in der Union unumstritten, sondern sie genießt auch einen riesigen Vertrauensbonus bei einem Großteil der Bevölkerung. Merkel ist trotz oder gerade wegen ihres präsidialen, zuweilen zaudernden Führungsstils Deutschlands und Europas politische Riesin. Mancher ihrer Kontrahenten wirkt da gegen die Ostdeutsche geradezu zwergenhaft.

Der in der Kanzlerfrage schier aussichtslos zurück liegende Steinbrück hat gestern mit einer klugen, nah an den Sorgen und Nöten der Menschen orientierten Rede zumindest dafür gesorgt, dass Merkels Schatten nicht mehr ganz so groß ausfällt. Auf Augenhöhe mit Merkel ist der eloquente, bisweilen selbstverliebte Schnellredner und Ex-Finanzminister damit freilich noch nicht. Es wird aus seiner Sicht auch darauf ankommen, Merkels wolkigen Wahlkampf zu entschleiern. Das Wir entscheidet, haben Steinbrücks Berater zum Wahlkampfslogan auserkoren. Wenn der SPD-Mann wirklich noch die Spur einer Chance auf das Kanzleramt eröffnen will, dann werden er und seine Partei in den nächsten fünf Monaten noch viel genauer ihr Programm sozialer Gerechtigkeit durchbuchstabieren müssen. Eine Wechselstimmung wie etwa 1998 gibt es zurzeit nämlich nicht. Aber trotz Kanzlerinnen-Bonus der Euro-Retterin Merkel ist die nächste Bundestagswahl noch nicht entschieden. Auch weil sich Rot-Grün hier und Schwarz-Gelb da in vielen Positionen diametral unterscheiden, steht ein harter Wahlkampf bevor. Gut so. Vieles ist im Fluss.

Das trifft auch auf das keinesfalls festgefügte konservative Lager zu. Mit Freien Wählern und seit diesem Wochenende auch der Alternative für Deutschland versuchen gleich zwei Euro-kritische Parteien aus antieuropäischen Stimmungen Stimmen zu machen. Auch das kann an Merkels Dominanz kratzen. Seite 4

OZ

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