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Kommentar Verbraucher können alles ändern
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17:08 07.09.2018
Gesund essen – gute Idee! Beim Blick in die Fleischtheke im Supermarkt ist man sich da aber nicht mehr so sicher, meint OZ-Landeskorrespondent Frank Pubantz. Quelle: Bernd Wüstneck / Dpa
Rostock

Gesund essen – gute Idee! Immer mehr Verbraucher schwenken auf bewusste Ernährung um, ist zu lesen. Regionale Kost, am besten vom Biobauern. Ist das so?

Beim Blick in die Fleischtheke im Supermarkt ist man sich da nicht mehr so sicher. Wenn das Kilo Fleisch nur wenige Euro kostet, wie soll da die Qualität gesichert sein? Wie soll ein Landwirt, der rund 1,50 Euro pro Kilo Schwein erhält, davon leben, wie sollen die gehaltenen Tiere gesund und munter aufwachsen? Wie sollen Getreide oder Gemüse, die billig produziert werden müssen, weil Konzerne den Marktpreis diktieren, höheren Verbraucher-Ansprüchen genügen? Schwer vorstellbar.

Die aktuelle Diskussion auf Landes- und Bundesebene zur schmerzfreien Kastration von Ferkeln zeigt Defizite der Vernetzung von Politik und Marktwirtschaft auf. Seit Jahren steht fest, dass die männlichen Ferkel ab 2019 nur noch unter Betäubung entmannt werden dürfen. Derzeit geht es ohne Schmerzlinderung. Zack, ab. Natürlich ist das Quälerei. Der Mensch macht sich die Natur untertan. Weil er es kann.

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Wie aber sollen es die Bauern sonst richten, wenn Tierarzt-Kosten die Preiskalkulation sprengen? Jetzt, fünf vor zwölf, fällt der Politik auf: Da war doch was. Langfristiges Handeln, alternative Wege, mehr Forschung, ob man Eberfleisch nicht vielleicht auf andere Weise schmackhaft halten könnte – Fehlanzeige. Da gibt es reichlich Handlungsbedarf. Tierwohl kostet Geld, gutes Essen auch.

Allein kann Politik dieses Problem aber nicht lösen. Den Tierschutz verbessern ja – nicht aber die Marktregularien auf den Kopf stellen. Aber die Konsumenten können es. Solange Verbraucher nicht interessiert, woher Steak, Milch und Salat und wie sie auf den Tisch kommen, wird sich am Viel-und-billig-System nichts ändern. Vorschlag: Ein Gang zum regionalen Erzeuger könnte stimulierend wirken.

Zum Bauern, der nicht weniger als unser Essen produziert. Auch Kinder sollten wissen: Fürs Fleisch aus dem Kühlschrank müssen Tiere sterben.