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Kommentar Weckruf aus Yokohama
Mehr Meinung Kommentar Weckruf aus Yokohama
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00:00 01.04.2014
Von Reinhard Zweigler

Man kann es sarkastisch-aphoristisch ausdrücken: Unsere Zukunft gleicht der von Passagieren auf einem kleinen Vergnügungsdampfer, die unbesorgt oberhalb der Niagarafälle herumfahren und nicht wissen, dass die Maschinen bald versagen werden. Wie es der Klimaschutzaktivist James Lovelock tat. Oder man kann einfach so weitermachen, weiterwirtschaften wie bisher: Die Erde wird es schon irgendwie verkraften. Die Apokalypse kommt später. Man kann fatalistisch dem Untergang entgegensehen. Man kann das weltweit drängende Klimaproblem einfach ignorieren und höchstens hier und da ein paar Dämme erhöhen.

Der jüngste Bericht des Weltklimarats, der nach langen Beratungen internationaler Experten jetzt in Yokohama vorgestellt wurde, tut weder das eine noch das andere. Er ist nicht fatalistisch, keine Untergangsphantasie, sondern vielmehr realistisch. Er ist sozusagen der wissenschaftlich fundierte Weckruf — der wievielte eigentlich? —, endlich wirksam gegen die Erderwärmung und alle damit verbundenen Negativfolgen vorzugehen. Und zwar weltweit, ohne Ausnahme. Denn der gravierende Klimawandel mit einem Anstieg der Temperaturen, vermehrten Stürmen, gewaltigen Niederschlägen, aber auch verheerenden Dürren wird so oder so das Leben auf unserem Planeten verändern. Es wird keine Profiteure, sondern nur Verlierer geben. Das Problem ist, dass der Klimawandel vergleichsweise langsam daherkommt. Aus der Sicht eines kurzen Menschenlebens. Aus der Sicht von Mutter Erde ist der Wandel dagegen rasant. Rund 150 Jahre industrielle Produktion mit gigantischem Energie- und Rohstoffverbrauch haben ausgereicht, das Weltklima aus der Bahn zu werfen.

Das große hehre Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts einzudämmen, wird voraussichtlich verfehlt. Mit brutalen Folgen für nachfolgende Generationen. Die Crux dabei ist, dass es immer schwieriger wird, den Klimawandel und seine Folgen aufzuhalten. Dabei wäre ein wirkliches Gegensteuern heute wesentlich billiger als spätere Notmaßnahmen.



OZ

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