Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Kommentar Xavier Naidoos „Marionetten“ lösen Facebook-Debatte aus
Mehr Meinung Kommentar Xavier Naidoos „Marionetten“ lösen Facebook-Debatte aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 10.05.2017

Nächste Runde im Streit um den Song „Marionetten“: Sänger Xavier Naidoo und die Band Söhne Mannheims haben den Oberbürgermeister (OB) der in Baden-Württemberg gelegenen Stadt Mannheim, Peter Kurz, zu einem Gespräch empfangen. Der OB hatte die Textzeilen als „anti-staatliche Aussagen“ bezeichnet. Etliche Medienvertreter und andere Politiker kritisierten bereits Begriffe wie „Volks-in-die-Fresse-Treter“ und unterstellten Naidoo und der Musikergruppe, sie würden mit einigen Passagen des Liedes zu Gewalt gegen Politiker aufrufen.

Nach dem Treffen mit OB Kurz hat Xavier Naidoo eine Stellungnahme im Internet veröffentlicht. Die zugespitzte Zustandsbeschreibung mag „missverständlich“ gewesen sein. Er betont aber, dass es schade sei, Unterstellungen immer wieder hören zu müssen, „zu denen es meinerseits zahlreiche Klarstellungen und unmissverständliche Dementis gab“. Weder rufe er zu Gewalt auf noch sympathisiere er mit Extremisten. „Gerade meine Herkunft prägt mich als einen multikulturellen Menschen.“ Naidoos Eltern sind südafrikanisch-irischer beziehungsweise indisch-deutscher Herkunft.

Auch auf der Facebook-Seite der OSTSEE-ZEITUNG sorgt die Debatte über „Marionetten“ für viele Kommentare. Einige Nutzer fühlen sich an die DDR-Zeit erinnert. „Damals gab es Zensurbehörden, heute übernehmen das die Medien und die ,Zivilgesellschaft’“, findet Frank Salesch, der das Lied selbst „harmlos und schlecht“ nennt. Dass Mannheims OB über „anti-staatliche Aussagen“

spricht, erinnert Peter Ask an den Sprachgebrauch in der DDR. Er zitiert dazu einen Beschluss des Zentralkomitees: „Die Literatur und die bildenden Künste sind der Politik untergeordnet.“ Davon seien wir heute nicht weit entfernt. Und Ulrike Palm hält „solche Rapportgespräche“ für bedenklich. Wie viele Facebook-Kommentatoren verweist sie auf die „künstlerische Freiheit in einem demokratischen Staat“.

„Das Lied wurde sofort überall entfernt und ist nirgendwo mehr zu finden. Und das nennt man dann Meinungsfreiheit?“, fragt Carolin Frenz. Dagegen findet Antje Schubert, dass jeder das Recht habe, das Lied aus dem Programm zu nehmen. Auch Salim Hemeed meint, dass „Meinungsfreiheit keine Einbahnstraße“ sei und andere die Meinung Naidoos kritisieren dürfen. Die ARD-Rundfunkanstalt Radio Bremen hat jüngst erklärt, die anstehenden Konzerte der Gruppe nicht mehr zu präsentieren. Grund: Der Song höre sich „verdächtig nach rechtem Gedankengut an“.

Die Aussage des Songs empfinden viele auf Facebook als zutreffend. Elke Päge schreibt, Xavier lege den Finger in die Wunde. Christian Schippmann meint: „Einer der wenigen Sänger, der die Wahrheit ausspricht.“ Indes findet Andrea Wagner die Debatte lächerlich, angesichts dessen, dass Rapper Bushido „für sein Gepöbel den Integrations-Bambi“ bekommen hat.

Claudia Tupeit

Mehr zum Thema

Mit Gespür für den Moment schoss der Stralsunder Fotografen Harry Hardenberg einzigartige Bilder

06.05.2017

Günter Semmerow, Geschäftsführer der Lübecker Nachrichten, reiste im Dezember 1989 nach Rostock / Partner von OZ und LN entwickelten 1990 eine gemeinsame Idee zur Zukunft der „OSTSEE-ZEITUNG“

06.05.2017

38 Jahre wirkte die OSTSEE-ZEITUNG als Organ der SED-Bezirksleitung Rostock, danach seit gut 27 Jahren als unabhängige Tageszeitung. Ein Gespräch mit den Chefredakteuren Andreas Ebel und Dr. Siegbert Schütt.

06.05.2017
Kommentar Leyens „schießendes Personal“ - Blöder Witz

Von Jens Burmeister

25.08.2014

Norddeutschland ist auf die EU-Osterweiterung schlecht vorbereitet. Punkt. Und nun? Kopf in den feinen Ostseesand stecken und auf hohem Niveau lautstark jammern?

04.06.2018

Die vom Kanzler eingesetzte Hartz-Kommission hat wieder einmal keine Beschlüsse zur Reform des Arbeitsmarktes vorgelegt. Das Gremium ist damit so ziemlich das Gegenteil eines Stummfilms.

04.06.2018
Anzeige