Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Leserbriefe Babylon Berlin: mein Vorurteil
Mehr Meinung Leserbriefe Babylon Berlin: mein Vorurteil
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 07.10.2018
Dummerstorf

Ein mir sehenswerter Film, der jedoch weder mit Babylon noch mit Berlin treffend beschrieben ist. Was habe ich gesehen? Ein Schweineproletariat, eine Schweinebourgeoisie, eine Schweinekulturszene einer großen schweinischen Stadt. Die verschiedensten Sexpraktiken werden direkt oder indirekt lustvoll dargeboten, der russische brutale Bär scheint einem James Bond - Klischee zu entspringen und ein Rheinländer namens Adenauer versucht mittels eines Kommissars, dessen schauspielerische Leistung in einem epileptischen Zittern seine Höchstform erreicht, kompromittierender Bilder habhaft zu werden. Da ist der Kommissar, gespielt von Peter Kurth, eine Wohltat. Ohne Exzesse, ohne verdeckter Alkoholiker oder Pornovoyeur zu sein, schlüpft er in den Routinekommissar, geprägt von einem durch und durch demoralisierten Milieu.

Die russischen Revolutionäre um Trotzki benehmen sich wie in einer gebremsten Monty Python Version. Das alles ist Kinofilm und sehenswert. Da der Film die Widerspiegelung der Verhältnisse des Berlins der 1920iger Jahre für sich in Anspruch nimmt, ist er in dieser Beziehung für mich unglaubwürdig. Als Märchen für Erwachsene, wäre der Film viel treffender charakterisiert. War sie denn wirklich so, die Berliner Welt dieser Zeit? Ich weiß, Kunst soll nicht die nackte Realität widerspiegeln, wird man mir beim Lesen dieser Zeilen vorhalten. Aber genau das habe ich empfunden, da mir der kleine, der skandalöse Ausschnitt des Lebens jener Zeit in Berlin vorgeführt wurde. Natürlich gab es all die Dinge, die Regisseure und Drehbuchautoren offensichtlich begeistert haben, einen solchen Film zu machen. Ist die große Stadt im Zweistromland ein Gleichnis für das Berlin der 1920iger Jahre? Ich weiß es nicht. Aber es gibt viele Hinweise, dass nicht nur Lumpenproletariat, nicht nur Homosexualität, nicht nur Prostitution und Hashisten und Menschen wie Herr Haarmann Berlin bevölkert haben. Vier Millionen Einwohner konnten unmöglich auf dem Vulkan tanzen. Das, was sich später aus diesen Jahren gebar, wird so gern den babylonischen Verhältnissen zugedacht. Es entglitt jedoch vielmehr denen, die nicht am Turm von Babylon gebaut haben, sondern die als sein Fundament herhielten. Es entwickelte sich aus denen, die nicht mitgetanzt haben, nicht mittanzen wollten oder es nicht durften. Sie, die ihrer Arbeit nachgingen, preußische Zucht und Ordnung in der Familie walten ließen, sich nicht in die Hosen pissten oder die Vagina der Oma zum Betatschen anboten. Sie, die treu und brav die Straßenbahn nutzten, die ihre kleine Zweizimmerwohnung im dritten Hinterhof mit Wasserhahn in der Küche sauber hielten, den Gasofen nicht manipulierten und pünktlich ihre Miete und Steuern zusammenkratzten. Sie waren die Millionen, die schweigende Mehrheit, die den Humus für das nächste Jahrzehnt bildete.

Doch auf diesem Humus kann Demokratie, Diktatur, Nationalismus, Kommunismus, Faschismus und vieles andere gedeihen. Dem Mechanismus der schweigenden Million von Volk, das die eine oder andere Entwicklung gewähren lässt, wenn man es vergisst, diesem Mechanismus eine Stimme durch die Filmkunst zu geben, habe ich sehr vermisst. Daran ändert auch eine wütende Menge fahnenschwenkender Arbeiter nichts. Man möge mir mein Vorurteil zum Film nachsehen, es stehen noch etliche Teile aus. Vielleicht und hoffentlich muss ich meine Auffassung revidieren oder aber ich habe habe den Film einfach nicht verstanden.

Gregor Johannsen

Leserbriefe Unfaire Berichterstattung? - Gezielte Berichterstattung!

Dirk Mahnke aus Bernau

05.10.2018

Die Kanzlerin fordert, sich den Rechten entgegenzustellen. Anlass waren die Vorfälle in Chemnitz. Die wochenlange Debatte rund um die gewaltsamen Ausschreitungen hat ein Nachdenken über die Stimmung im eigenen Land ausgelöst.

05.10.2018
Leserbriefe Analyse zur Promi-Kita auf Mallorca - Seit wann wurde die AWO zur PWO (P für Promi)

Susanne Wahle aus Neu Karin

05.10.2018