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Leserbriefe Flüchtlingspolitik - "Wir schaffen das nicht"
Mehr Meinung Leserbriefe Flüchtlingspolitik - "Wir schaffen das nicht"
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12:44 20.01.2016
Harrislee

Liebe echte Demokraten, Ihr habt ja alle mit Euren Bedenken ein bisschen Recht! Aber eben nur ein bisschen.

Politik - auch die Flüchtlingspolitik - ist immer die Herausforderung für jeden Demokraten den schmalen Grad des Machbaren zu finden. Für die Erreichung dieses Zieles gibt es leider keinen Königsweg! Wenn überhaupt ein halbwegs begehbarer Pfad gefunden werden soll, dann kann hier nur die Diskussion als zielführendes Podium angesehen werden. Ja, und am Ende der Diskussion muss dann auch der gemeinsame, hoffentlich sichere Schritt fürs Vorankommen gefunden und propagiert werden ohne in der darauffolgenden Minute alles wieder zu zerreden.

Natürlich spielt die Psychologie in der Politik dabei durchaus auch ein Rolle. Frau Merkel ist weder naiv oder gar unfähig. Was nicht in ihrer Macht in einer funktionierenden Demokratie mit Pressefreiheit steht, ist die Zahl der Bedenkenträger auf ein vertret- und verkraftbares Maß zu halten. Wir alle können uns doch wohl ernsthaft nicht wünschen diesbezüglich östlichen Entwicklungen das Wort zu reden.

Was wäre wohl geschehen, wenn unsere Bundeskanzlerin - und für diese Personalie gibt es zur Zeit europaweit keine geeignete Alternative - öffentlich und förmlich das sogenannte Handtuch geworfen und gesagt hätte "Wir schaffen das nicht!"?

Wir sollten uns alle mal vor Augen führen, wie unsere geographische und wirtschaftliche Lage aussieht. Wenn schon die Führung des größten und bedeutendsten europäischen Wirtschaftsvolkes vor einer der vielen durchaus ernst zu nehmenden Herausforderungen - hier die Flüchtlingskriese - mit einem Statement "Wir schaffen das nicht" daher käme, könnte unter anderem auch eine italienische Regierung auf Lampedusa verweisen. In der Folge würde dann aber auch der sogenannten deutsch-französischen Lokomotive recht bald der nötige Dampf fehlen.

Die Vielfalt unseres Landes und erst recht Europas auf einem gemeinsamen gangbaren Weg für alle zu halten, ist schon für sich genommen kompliziert genug. Wir haben aber letztlich keine praktikable Alternative.

Also Ihr lieben Bedenkenträger, bitte etwas mehr Gelassenheit. Es ist zwar keiner so richtig bereit das Erreichte etwas zu schmälern. Richtig erscheint mir aber auch, nach dem Abtasten des vielleicht nicht ganz festen Eises, mit geeignetem Equipment doch den Schritt zu wagen. Schlussendlich ist ja immerhin nicht ganz ausgeschlossen, dass nach Querung des nicht ganz festen Eises am anderen Ufer doch die Vorteile für das Geschaffte deutlich werden.

Und ja, genau das versuchen meines Erachtens viele europäische Demokraten mit zwar begrenztem aber ausbaufähigen Erfolg hinzubekommen.



Hans-Georg Damerau