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Leserbriefe Heinkel statt Ohain
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13:21 24.08.2014
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Rostock

Der 27. August 1939 ist für Rostock ein wichtiger historischer Tag. Die Stadt Rostock positionierte sich durch die Namensgebung des Regionalflughafens Rostock-Laage in "Hans von Ohain" eindeutig zu seinem ingenieurtechnischen Erbe. Dass dieser Tag benutzt wird, um den Historiker Budraß (Bochum) eine Plattform zu bieten, über Ernst Heinkel zu philosophieren, ist schon merkwürdig. Kann man sich nicht einfach freuen über eine der größten Erfindungen in Mecklenburg - der Start des 1. Düsenflugzeuges der Welt in Rostock? Die Hauptperson ist Hans Papst von Ohain und nicht Ernst Heinkel.

Das Thema Zwangsarbeit ist übrigens 1939 noch nicht relevant und entwertet die Zeitungbeiträge erheblich. Budraß Antworten auf die Fragen des Journalisten Cristopher Weckwerth kann ebenfalls nicht befriedigen. Heinkel war Flugzeugunternehmer im sogenannten 3. Reich und konnte sein Lebenswerk nicht einfach aufgeben. Durch die traditionell subventionsabhängige Luftfahrtindustrie war er natürlich von den Nazis abhängig. Er versuchte immer seinen eigenen Weg zu gehen, wurde aber zum Ende des Krieges in einer unmenschlichen Diktatur zum Mittäter. Heinkel war kein überzeugter Nationalsozialist sondern Mitläufer und Nutznießer wie viele seiner Zeitgenossen.

Hitler persönlich wollte ihn in der NSDAP, da Heinkel 1933 als einziger deutscher Unternehmer in der Lage war, die Wehrmacht mit serienmäßigen Flugzeugen auszurüsten. 1948 wurde Heinkel als Mitläufer eingestuft und im Berufungsverfahren entlastet. Der Grund der Entlastung war nicht vordergründig Heinkels Ankündigung, er schaffe als Unternehmer viele neue Arbeitsplätze, sondern die Tatsache, dass Heinkel sich der gesamten Deutschen Luftfahrtindustrie um die Gruppe Olbricht-Canaris als der zukünftige Leiter zur Verfügunggestellt hatte.

"Er gehörte damit selbst zum Kreise der Verschworenen und wurde von diesen in aller Form mit seinem vollen Einverständnis als Beteiligter in der Kartei geführt", wie die Berufungskammer Ansbach formulierte. Damit ist ein Fakt geschaffen, der nie richtig hinterfragt wurde und in der neueren Forschung endlich einer Aufarbeitung bedarf.



Holger Björkquist

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