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Leserbriefe „Im Klassenraum hat politische Meinung nichts verloren“
Mehr Meinung Leserbriefe „Im Klassenraum hat politische Meinung nichts verloren“
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14:36 12.10.2018
Schüler an einer Rostocker Grundschule. Ob die AfD in MV ihr umstrittenes Meldeportal einführt, diskutieren die Mitglieder noch. Quelle: BERND WÜSTNECK/Dpa
Schwerin

AfD-kritische Lehrer unter Beobachtung: Könnte das „Petz-Portal“ nach Hamburger Vorbild auch hierzulande bald Schule machen? Zur Erklärung: Auf der Webseite der Hamburger AfD können Schüler und Eltern seit einigen Tagen Schulen und Lehrer melden, die ihrer Ansicht nach gegen das Neutralitätsverbot verstoßen ­haben. Die „Initiative neutrale Schule“ stößt bundesweit auf mas­sive Kritik. Lehrerverbände werfen der AfD vor, Schulkinder zum Spitzeldienst aufzufordern. OZ-Leser sprechen von Denunziation.

Brigitte Neumann formuliert: „Das zeigt doch eindeutig, wie diese Menschen ticken. Warum soll ein Lehrer nicht sagen, dass die AfD eine rechtspopulistische Partei ist. Das ist eine Tatsache.“ Ingo Müller ergänzt: „So erzieht man Denunzianten. Letztendlich geht es diesem rechtslastigen Sammelsurium verschiedenster merkwürdiger Gestalten doch nur um sich selbst – unter dem Deckmantel der Neu­tralität. Lächerlicher gehts nicht mehr.“ Tina Halke dazu: „Und soviel zum Thema, die Gesellschaft muss gegen Cybermobbing vorgehen. Die AfD möchte also, dass die Kinder es frühzeitig lernen? In der DDR wäre dies ein typisches Stasi-Instrument gewesen. Gruselig.“ Frank Damköhler berichtet: „Na ja, Kritik ist relativ. In Schleswig-Holstein wurde in einer Unterrichtsstunde ein Übungsblatt genutzt zum ­Thema ,Dass-Sätze’. Da tauchte dann auch der Satz auf: ,Es ist eine Schande, dass in Deutschland die AFD gewählt wird.’ Ich denke schon, dass das Öffentlichmachen solcher Fälle nötig ist.“ Eva Mariak findet, die Schüler sollten nicht nach DDR-Manier erzogen werden. „Die Parteien sollen neutral vorgestellt werden, ohne die eigene Ideologie einzuimpfen.“ Madlen Lange glaubt, dass sich die Partei mit der Aktion lächerlich mache. „So kann man seine Stimmen auch schnell wieder loswerden.“ Ulrike Palm sagt: „Kindermeinungen sollten nicht durch religiöse und politische Anschauungen ohne entsprechende Aufklärung und dem Zwang, für den Lehrer zu sein, entstehen. Viel wichtiger ist eine freie Meinungs­bildung.“ Überdies sollten die Kinder nicht unterschätzt werden, „die sind noch nicht käuflich“.

Karl Schmidt meint: „Lehrer sollten im Unterricht zwar über Politik sprechen, aber dabei neutral die verschiedenen in Deutschland zugelassenen Parteien und deren ­Programme benennen. Dabei sollte allerdings schon vermieden werden, dass dabei ihre eigene subjektive Ansicht an die Schüler vermittelt wird. Polizei und andere öffent­liche Institutionen müssen sich auch an den Neutralisationsgrundsatz halten.“ Andre Fischer hält fest: „In der Schule haben politische Meinungen nichts verloren. Jeder einzelne Schüler sollte die Möglichkeit haben, sich selber eine politische ,Neigung’ zuzulegen. Wenn da jetzt aber ein Lehrer daherkommt und mir als Schüler den ganzen Tag in den Kopf ,hämmert’: ,Die AfD ist schlecht’, wo bleibt denn da noch das Recht auf Selbstbestimmung?“

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Der Mangel an Pädagogen hat auch MV erreicht: Das Bildungsministerium in Schwerin geht im Zeitraum von 2015 bis 2030 von einem Einstellungsbedarf von insgesamt 1531 Lehrern aus – nur für die Grundschulen im Land. Der Grund: Eine überwiegende Mehrheit der Lehrer geht in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand.

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