Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Leserbriefe Stadtentwicklung Rostocks
Mehr Meinung Leserbriefe Stadtentwicklung Rostocks
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:22 12.05.2017
Anzeige
Rostock

Als gebürtiger Rostocker (Jahrgang 1946 ) und seitdem in dieser Stadt lebend, hat mich die Entwicklung Rostocks stets interessiert. Nachdem uns bis zur Wende so gut wie keine Einflußnahme möglich war, schien sich dies nach 1990 zu ändern. Vieles an positiven Tendenzen war erkennbar und vieles davon konnte auch umgesetzt werden, so dass der -in der DDR "programmierte" Verfall aufgehalten werden konnte und es heute möglich ist, meine Heimatstadt den Besuchern voller Stolz zu präsentieren.

Dass nicht immer alles gelingt, und der Geschmack aller getroffen werden kann, ist nachvollziehbar.

In der letzten Zeit häufen sich aus meiner Sicht (und auch aus der vieler anderer mir bekannter Mitbürger und Freunde Rostocks) Entscheidungen zur Stadtentwicklung, die - wie in alten Zeiten - von oben herab getroffen werden, ohne die Meinung der Einwohner ausreichend zu berücksichtigen. Besonders fiel das auf, als über den Bau des Petritores entschieden wurde. Moderne Architektur muss nicht unbedingt am Eingang zum ältesten Teil der Stadt (da, wo Rostock gegründet wurde !! ) präsentiert werden. Von diesen Häßlichkeiten gibt es anderen Ortes schon genug. Ein zumindest erkennbarer Ansatz an den ursprünglichen Zustand wäre sicherlich wünschenswert gewesen. Jetzt, da alle Entscheidungen gefallen sind, räumt man Fehler ein ( siehe OZ vom 12.5.2017 ). Ein wenig mehr Sensibilität und vielleicht auch mehr historisches Bewußtsein könnte man schon erwarten.

( Was ist übrigens aus dem Versprechen geworden, das gelinde gesagt, unschöne Parkhaus am Eingang der Stadt zu verkleiden? - Totschweigen, bis das Vergessen der Beteiligten einsetzt ? ) Zu den kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellten Plänen zur Gestaltung des Stadhafens:

Ich hoffe, dass sich viele Einwohner der Stadt zu diesem Thema artikulieren und nicht nur pauschal ihr Urteil abgeben ( siehe Umfrage ), denn sicherlich enthält diese "Vision" einiges an diskussionswürdigen Inhalten. Sehr gut gefällt mir die Idee, die L 22 teilweise zu "überdachen", so dass ein freier Zugang von der Innenstadt (und vom Theater !) zum Hafen möglich ist. Auch die Terrassenanlage finde ich gut.Die Architektur der für Museen etc. geplanten Gebäude halte ich für den sensiblen Hafenbereich für nicht empfehlenswert, insbesondere, wenn man das Panorama von der Gehlsdorfer Seite im Auge behält. Hier sollte man hanseatischer denken (positives Beispiel: Elbphilharmonie Hamburg ). Ganz und gar nicht einverstanden sind wir mit der geplanten Brücke über die Warnow nach Gehlsdorf, die den gesamten Hafenbereich nicht nur stören, sondern zerstören würde ( nicht nur wegen der Hansesail, für die unser OB ja auch mal verantwortlich war ! ) Als Alternative wäre eine Fährverbindung denkbar zwischen der Schnickmannbrücke und dem Gehlsdorfer Fährhaus (welches dann auch als Ausflugslokal wiederbelebt werden könnte) Diese Verbindung ist historisch belegt und wäre auch für den Tourismus ein Anreiz. Sinnvoll wäre ein Pendelverkehr analog der Fähre nach Markgrafenheide.

Außerdem existiert ja bereits ein nahezu idyllischer Radweg nach Gehlsdorf entlang der Warnow, was ein weiterer Grund gegen die Bücke ist.

Last but not least: für den Wassertourismus ist der Erhalt der Mühlendammschleuse von immanenter Bedeutung, das wurde anläßlich der Visite des Petitionsausschusses des Bundestages am 9.5.2017 sehr deutlich ! Vieles kann erreicht werden, wenn man nur will und wenn man auch die Meinung anderer beachtet.

Ihr langjähriger OZ-Leser Dr. W. Sadenwasser

Walter Dr. Sadenwasser

Anzeige