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Leserbriefe In Prora bröckelt der Beton
Mehr Meinung Leserbriefe In Prora bröckelt der Beton
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13:05 01.11.2016
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Berlin/Prora

Was für eine Berichterstattung! Auch wenn der Redakteur offenbar zu jener Generation gehört, denen der "Koloss von Prora" lediglich als "früheres KDF-Bad" vermittelt wurde (nach 1990) und nicht als das, was er tatsächlich war – eine Kaserne -, entschuldigt das nicht eine derartig einseitige Darstellung der Dinge. Zumal mit der verkehrten (weil eindimensionalen) Betrachtung der Anlage auch jenes Anliegen verdreht wird, das mit dem geplanten Bildungszentrum in Block V verbunden ist.

Dort soll es nämlich auch nicht nur um die KdF-Geschichte, sondern um die darin viel präsentere DDR-Geschichte gehen. Und dazu bedarf es keiner größeren Wegnahme der Inneneinrichtungen. Sie verbietet sich sogar, soll der Block im authentischen, historisch gewachsenen Kasernenantlitz Geschichte vermitteln. Ihre Spuren reichen dort von der heimlichen Aufrüstung in den 1950er/60er Jahren bis hin zur friedlichen Revolution. Auch der graue Rauputz ist kein NS-Relikt, sondern authentisches Kasernenantlitz.

Der Journalist ist offenbar selbst ein Opfer der seit mehr als zwei Jahrzehnten betriebenen einseitigen Darstellungsweise des Kolosses als "ehemaliges KdF-Bad" (was er nicht einen einzigen Tag lang gewesen ist) in den Medien. Ich hoffe nicht, dass seine Darstellung auch die Sichtweise der Politik und Vereine vor Ort widerspiegelt, die über die denkmalpflegerischen Entscheidungen aus Schwerin (im Sinn der "doppelten Geschichte", d.h. der NS- und DDR-Hinterlassenschaft) aufgeklärt sein sollten!

Stefan J. Stadtherr Wolter

Anmerkung der Redaktion:  Die in dem Betrag genannten Möglichkeiten zur Unterbringung einer Bildungseinrichtung in Block V in Prora beruhen nicht auf persönlichen Einschätzungen unseres Redakteurs, sondern sind Bestandteil eines entsprechenden Gutachten des Landkreises Vorpommern-Rügen, das in dem Artikel mehrfach als Quelle genannt wird.

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